Le Creusot

Le Creusot
Le Creusot (Frankreich)
Le Creusot (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Bourgogne-Franche-Comté
Département (Nr.) Saône-et-Loire (71)
Arrondissement Autun
Kanton Chef-lieu von
Le Creusot-1
Le Creusot-2
Gemeindeverband Le Creusot Montceau-les-Mines
Koordinaten 46° 48′ N, 4° 26′ OKoordinaten: 46° 48′ N, 4° 26′ O
Höhe 316–516 m
Fläche 18,11 km²
Einwohner 20.509 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 1.132 Einw./km²
Postleitzahl 71200
INSEE-Code
Website le-creusot.fr

Ortsansicht mit Schloss La Verrerie und Uni­versität, im Vordergrund die Firma Snecma

Le Creusot [lə kʁø.zo] ⓘ ist eine französische Gemeinde im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie gehört zum Arrondissement Autun und ist Hauptort der Kantone Le Creusot-1 und Le Creusot-2. Mit 20.509 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) ist sie nach Chalon-sur-Saône und Mâcon die drittgrößte Stadt des Départements.

Örtliches Wahrzeichen (siehe Wappen): Dampfhammer, Fa. Schneider, 1876

Geschichte

Bis zum 18. Jahrhundert war Creusot ein kleiner Weiler im Burgund. Es verdankt seine Gründung als Industriestadt einem Zufall. Eigentlich wollten Ignace de Wendel und William Wilkinson die geplante Fabrik für Kanonen in Mesvrin, einem kleinen Ort ca. 10 km nordwestlich von Le Creusot, errichten, wo sich bereits eine Schmiede befand. Die Kohle wurde in Montcenis, genannt La Charbonnière (Köhlerei), einem kleinen Ort ganz in der Nähe von Le Creusot, abgebaut. Dort fand man Kohle, die sich zur Verarbeitung in Koks eignete. Die Einwohner von Mesvrin weigerten sich, Grund für den Ausbau bereitzustellen. Der Eigentümer der Schmiede ließ die Anlage abbauen und in Montcenis wieder aufbauen, daraus entstand die Stadt Le Creusot.

Die örtliche Wirtschaft ist bis heute vorwiegend von der metallverarbeitenden Industrie wie Industeel, SIAG France (Schaaf Industrie) und Snecma geprägt. Schneider-Creusot bzw. Schneider & Cie, heute Schneider Electric, war ein Pionier auf diesem Gebiet. Der Ursprung dieses Industriezweigs und der in der Stadt vertretenen Rüstungsindustrie war die Gründung der Königlichen Gießerei durch François Ignace de Wendel und William Wilkinson im Jahr 1781. Die Steinkohle-Vorkommen der Umgebung ließen das damals kleine Dorf zum hervorragenden Standort zur Herstellung von Kanonen für die Marine werden: Bereits um 1820 befand sich hier im Besitz von Aaron Manby Frankreichs größte Eisengießerei. 1870 beschäftigte Schneider 12.500 Menschen, dies war fast die Hälfte aller Einwohner von Le Creusot.

Am 26. März 1870 erklärte sich der Bürgermeister Jean-Baptiste Dumay solidarisch mit der Pariser Kommune und ernannte seinerseits den Stadtrat zur Commune, angesichts des Anrückens einer Kürassier-Einheit endete der Versuch. In den Jahren 1899–1900 streikten die Arbeiter. Der Streik wurde, wie der Historiker Gérard Noiriel schreibt, mit „unerbittlicher Grausamkeit“ niedergeschlagen. Die Unternehmer verstärkten darauf ihre soziale Kontrolle unter der Losung „contrôle total“, ebenso wie ihre paternalistischen Arbeitervereine. Unter der Führung des Direktors Émile Cheysson bemühten sie sich, die Erinnerung an den Arbeitskampf zu tilgen, etwa indem sie unter dem Vorwand der Stadtentwicklung den Musikpavillon abreißen ließen, der den Streikenden als Versammlungsort gedient hatte. Im Kriegsjahr 1917 waren in den Werken von Schneider & Cie rund 20.000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, ein Zuwachs von 38 % gegenüber dem Jahr 1914. Nach dem Russischen Bürgerkrieg kamen rund 400 Exilrussen ins Département, von denen fast alle bei Schneider & Cie beschäftigt waren.

Die Reaktorindustrie der Creusot Forge wurde Gegenstand öffentlicher Diskussionen, insbesondere Anfang 2016 aufgrund manipulierter Prüfberichte global gelieferter Kernreaktorteile. Gemeinsam mit Montceau-les-Mines bildet Le Creusot ein kleines Industrierevier.

Jahr179318311872190119541962196819751982199019992006201120162022
Einwohner1.5451.33422.89030.58428.66333.73734.10233.36632.14928.90926.28323.81322.62021.75220.536
Quellen: Cassini und INSEE

Verkehr

Seit 1981 wird der nahegelegene Ort Écuisses vom französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV angefahren: Der Bahnhof Le Creusot TGV liegt rund acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Bahnhof Le Creusot Ville liegt an der Bahnstrecke Nevers–Chagny und wird im Regionalverkehr durch TER-Züge zwischen Dijon und Nevers bedient. Der 10 km lange Train des Combes dient dem Ausflugsverkehr.

Persönlichkeiten

Impressionen

Siehe auch

Literatur

Commons: Le Creusot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ FONDERIE DU CREUSOT. In: e-monument.net. 5. Oktober 2017, abgerufen am 18. Juni 2026 (französisch).
  2. ↑ I. Le Brun, M. Lasseray: Un paysage industriel, le Creusot. In: Persée. École Normale Supérieure de Lyon, 1936, abgerufen am 18. Juni 2026 (französisch).
  3. ↑ Eric J. Hobsbawm: Die Blütezeit des Kapitals. Kindler, München 1975, ISBN 978-3-463-00694-9, S. 263.
  4. 1 2 3 Jacques Rougerie: La Commune de 1871. In: Collection Que sais-je ? 7. Auflage. Nr. 581. Presses Universitaires de France/Humensis, Paris 2021, ISBN 978-2-7154-0708-4, S. 103.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Gérard Noiriel: Les ouvriers dans la société française, XIXe–XXe siècle (= Collection Points, Inédit Histoire. H88). Éditions du Seuil, Paris 1986, ISBN 2-02-009309-X, S. 114, 127, 163.
  6. ↑ Catherine Gousseff: L’exil russe: La fabrique du réfugié apatride (1920–1939) (= Collection Biblis. Nr. 267). CNRS Éditions (Centre national de la recherche scientifique), Paris 2023, ISBN 978-2-271-14687-8, S. 240.
  7. ↑ Bärbel Nückles: Reaktorschmiede in Le Creusot – Mängel bei Akw-Lieferungen?. In: Badische Zeitung, 11. Mai 2016.
  8. ↑ Bärbel Nückles: Block zwei ist vom Netz. In: Badische Zeitung, 18. Juni 2016.
  9. ↑ Bärbel Nückles: Gereiztes Klima in der Fessenheim-Kommission. In: Badische Zeitung, 11. Oktober 2016.