
Der Crottin de Chavignol oder auch nur Chavignol ist ein französischer Weichkäse aus roher Ziegenmilch, der mindestens 10 Tage lagern muss, um seine charakteristische kompakt-feste und bröckelige Konsistenz und sein dezentes, aber charakteristisches Ziegenaroma von Nussigkeit und leichter Säuerlichkeit zu erreichen. Er enthält mindestens 45 % Fett in Trockenmasse.

Sein Herkunftsgebiet umfasst das Sancerrois, das sogenannte Pays Fort, die Champagne berrichonne und daran angrenzende Gebiete. Die größte Fläche liegt im Département Cher, in dem auch der Weiler Chavignol liegt. Kleinere Anteile haben die Départements Loiret und Nièvre. Die Ziegenhaltung und Käseherstellung im Pays-Fort Sancerrois ist seit mindestens dem 16. Jahrhundert dokumentiert. Ursprünglich war die Haltung von Ziegen auf den Mischbetrieben eine Aufgabe der Frauen, um ein zusätzliches Familieneinkommen zu sichern. Das zeitintensive Füllen der Formen konnte durch das Abtropfen auf Tüchern in den Arbeitsalltag integriert werden.
Seit 1976 ist der Crottin de Chavignol als Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) geschützt, und seit 1996 auch europaweit als AOP.
Der Name Crottin leitet sich vermutlich vom berrichonischen Dialektwort „crot“ ab, was eine Vertiefung oder ein Flussufer bezeichnet. Dort wuschen die Frauen die Wäsche und gewannen tonhaltige Erde. Aus diesem Ton wurden zunächst kleine Öllampen und später die traditionellen Tonformen für die Käseherstellung geformt. Laut einer anderen Hypothese leitet sich der Name vom Aussehen des reifen Käse ab (französisch crottin de cheval für „Pferdeapfel“) ab.
Der Käse wird ausschließlich aus Milch von Ziegen der Rasse Alpine (Ziegenrasse) hergestellt. Die Milchsäuregärung erfolgt überwiegend durch Säuerung mit nur sehr geringer Labzugabe und dauert mindestens 24 Stunden. Ein zentrales Merkmal der traditionellen Herstellung ist das verpflichtende Vor-Abtropfen auf Tüchern, bevor der Teig ohne zusätzlichen mechanischen Druck in leicht kegelstumpfartige Formen gefüllt wird. Während der Reifung werden die Käse mindestens einmal gewendet, was ihnen die leicht gewölbte Zylinderform mit abgerundeten Kanten verleiht. Das Endgewicht der Käse liegt beim Verkauf zwischen 60 und 90 Gramm.
Die erste Phase der Reifung dauert mindestens 5 Tage bei über 10 °C und über 70 % Luftfeuchtigkeit für die Bildung der Oberflächenflora. Es folgt eine zweite Phase bis zum Erreichen der Mindestreifezeit von 10 Tagen. Für die Variante „Repassé“ werden Käse, die bereits einen bläulichen Schimmelbelag entwickelt haben, in einem geschlossenen Behältnis (atmosphère confinée) nachgereift.
2024 wurden 656 Tonnen produziert, davon 180 Tonnen Fermier.