Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (kurz HfGG; ehemals Cusanus Hochschule und Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung) ist eine staatlich anerkannte „Hochschule neuen Typs“ in freier Trägerschaft in Koblenz. Ihr Leitbild beinhaltet „Gestaltungsorientierung, Persönlichkeitsbildung, Transdisziplinarität und Partizipation“. Die Hochschule wurde im Februar 2014 von einer Gruppe von Akademikern, Studierenden und Bürgern gemeinsam als unselbständige gemeinnützige Stiftung mit einer gemeinnützigen GmbH als treuhänderischem Träger gegründet. Zu den Gründungsstiftern gehört als Institution auch die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte.
Geschichte
Seit Oktober 2021 dient das Dreikönigenhaus in der Altstadt von Koblenz als Campus der Hochschule
Die Idee für die Hochschule entstand unter anderem in der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, einem Netzwerk von rund 120 Wissenschaftlern aus Philosophie, Ökonomie, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Geschichte. Am 12. Februar 2014 stifteten über zwanzig Personen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam mit der Kueser Akademie die „Cusanus Hochschule“ als ‚Hochschule in Gründung‘. Bereits im Januar 2014, vor der Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat, erprobte die Kueser Akademie Zertifikate auf Master-Niveau. Inhalte und Erfahrungen gingen in die Startstudiengänge auf der Master-Ebene ein.
Im Oktober 2014 zog die Hochschule in das historische Rathaus von Bernkastel. Im Dezember 2014 wurden die vier Startstudiengänge akkreditiert, nachdem die Akkreditierungsagentur das Konzept geprüft und gutgeheißen hatte. Im Mai 2015 wurde vom zuständigen Ministerium die Betriebserlaubnis erteilt. Daraufhin gründete sich die Hochschule unter dem Namen Cusanus Hochschule Ende Mai 2015.
In einem Streit um die inhaltliche Schwerpunktsetzung, den Kanon der Lehre und die Integration aller in die Hochschule verließen fast alle Lehrenden des Philosophischen Seminars die Hochschule. Im Zuge einer Neuausrichtung im Jahr 2020, nun unter dem Namen „Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung“, überarbeitete die Hochschule daraufhin ihr Studienangebot. Dabei wurden Elemente der bisherigen Studiengänge der Ökonomie und Philosophie beibehalten und neue Curricula geschaffen.
Mit der inhaltlichen Neuausrichtung der Hochschule hat das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz am 8. April 2020 mitgeteilt, dass die staatliche Anerkennung der Hochschule bis Ende 2024 verlängert wird. Zugleich wurde der erweiterte Name „Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung“ vom Ministerium bestätigt.
Zum 1. Oktober 2021 verlegte die Hochschule ihren Sitz von Bernkastel-Kues nach Koblenz und nahm dort im Dreikönigenhaus ihren Lehr- und Verwaltungsbetrieb auf.
Mit einer weiteren Umbenennung zur Hochschule für Gesellschaftsgestaltung im April 2023 legte die Hochschule ihre namentliche Verbindung zu Nikolaus von Kues ab.
2024 wurde die staatliche Anerkennung durch das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium bis Ende 2029 bestätigt.
Präsident der Hochschule ist seit dem 9. April 2026 Lars Hochmann. Hochmann übernahm die Leitung von Hochschulmitgründerin Silja Graupe, die das Amt seit dem 1. Oktober 2021 innehatte und es krankheitsbedingt frühzeitig niederlegte.
Studium
Die Hochschule bietet derzeit folgende Studiengänge an:
Social Design: Next Economy (Bachelor of Arts): Der Bachelorstudiengang der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung verbindet wirtschaftswissenschaftliche, geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektiven auf gesellschaftliche Transformationsprozesse. Im Mittelpunkt stehen die Analyse gegenwärtiger ökologischer, sozialer und ökonomischer Krisen sowie die Entwicklung pluraler Zugänge zur Wirtschaft. Das Studium vermittelt theoretische Grundlagen, historische und wissenschaftliche Analysemethoden sowie Kompetenzen zur Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Ein Schwerpunkt liegt auf projekt- und werkstattorientierten Lehrformaten, in denen wissenschaftliche Reflexion mit praktischer Erprobung verbunden wird. Ergänzt wird das Curriculum durch Module zur Persönlichkeitsentwicklung und Reflexion der eigenen Rolle als gesellschaftliche Gestalter.
Social Design (Master of Arts): Der Masterstudiengang an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung vertieft die wissenschaftliche Analyse gesellschaftlicher Transformationsprozesse und verbindet diese mit praxisorientierten Formen der Gesellschaftsgestaltung. Aufbauend auf einem pluralen Verständnis von Wirtschaft und Nachhaltigkeit setzen sich die Studierenden mit den Ursachen globaler Krisen auseinander und entwickeln Ansätze für sozial-ökologische Transformation. In projektorientierten Werkstätten arbeiten sie an realen Gestaltungsprojekten in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen, kommunalen und wirtschaftlichen Akteuren. Im weiteren Studienverlauf wählen die Studierenden einen von drei Schwerpunkten: System Change, mit Fokus auf gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen von Transformation; Process Change, mit Schwerpunkt auf Organisationsentwicklung, Facilitation und Leadership; sowie Mindset Change, der sich mit kulturellen Deutungsmustern, Narrativen und gesellschaftlichem Wandel befasst.
Die Studia humanitatis sind ein fächerübergreifendes Studienangebot, das als Kernstück aller Studiengänge dem universellen Bildungsverständnis der Hochschule Rechnung tragen und die Persönlichkeitsbildung der Studierenden befördern soll.
Die Lehrveranstaltungen finden fast ausschließlich in Blockseminaren statt, sodass auch nicht dauerhaft vor Ort wohnhafte Studierende die Möglichkeit eines Studiums erhalten. Fast alle Lehrveranstaltungen werden in Jahrgangsgruppen von 20–25 Studierenden in seminaristischer Form unterrichtet. Vorlesungen gibt es an der HfGG nicht.
Finanzierung und Organisation
Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung ist gemeinnützig und finanziert sich ausschließlich über Studienbeiträge, Stiftungen und Schenkungen. Der Studienbeitrag beträgt 2400€ pro Semester (Stand November 2025). Die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung legt Wert darauf, dass ihre Mitglieder tatsächlich frei zur Gestaltung der inneren Prozesse von Lehre, Forschung und Verwaltung sind. Sie ist deswegen als gemeinnützige Treuhandstiftung organisiert, die von einer gGmbH getragen wird. Diese Gesellschaft dient ausschließlich dem Hochschulleben. Ohne eigene Ziele zu verfolgen, verwaltet sie als echte Treuhänderin die Hochschule im eigenen Namen, aber nicht im eigenen Interesse oder dem der Gesellschafter. Auf diese Weise soll sich die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung „selbst gehören.“
Die HfGG versteht sich als Wissenschaftsallmende, als Common für Bildung und Forschung. Ziel ist es, Wissenschaft als sozialen Raum für das Gemeinwohl zu gestalten, frei von äußeren Interessen und Profitstreben. Die HfGG ist zwar staatlich anerkannt, aber weder staatlich noch privat betrieben und finanziert. Lehre, Forschung und Gesellschaftsgestaltung der HfGG sind öffentliche Güter und dem Gemeinwohl verpflichtet.
Zum Wintersemester 2026/2027 erprobt die HfGG für Studierende das Erheben eines Solidarbeitrags statt eines festen Studienbeitrags.
Studierendengemeinschaft
Die Studierenden der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung und der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte haben sich zur Studierendengemeinschaft für Gesellschaftsgestaltung e.V. zusammengeschlossen. Die Mitglieder dieses gemeinnützigen Vereins verstehen sich als „Pioniere einer Hochschulinitiative“ und organisieren Aktivitäten etwa im Rahmen von Bildungsveranstaltungen, studentischen Wohnen und Stipendienprogrammen. Seit Sommer 2024 mietet und bewohnt der Studierendenverein das Vikariehaus auf dem Koblenzer Jesuitenplatz mit über 30 Betten und Gemeinschaftsräumen.