

Ein Cyathium (griechisch kyathion „kleiner Becher“) ist der rückgebildete, scheinblütige und komplexe, zymöse Blütenstand bei Wolfsmilch (Gattung Euphorbia) und einigen anderen Untertaxa der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), der wie eine einzelne Blüte erscheint.
Ein zwittriges Cyathium besteht aus
Die Cyathien können aktinomorph oder zygomorph sein. Es kann bei den Blüten selten auch ein kleines Perianth vorhanden sein. Es sind männliche, weibliche und zwittrige Cyathien möglich.
Der blütenähnliche Charakter der Cyathien wird durch die oft leuchtend gefärbten Nektardrüsen und häufig ihrer kronblattartigen (petaloiden) Anhängsel hervorgehoben. Auch die nur unter dem Cyathium der Euphorbien, meistens vorkommenden, oft auffällig gefärbten, mehr oder weniger ausgebildeten Vor- oder Hochblätter tragen dazu bei. Sie ersetzen zusammen die fehlenden Kronblätter der Einzelblüten. Diese unteren, meistens paarigen, oft aufrechten und becherförmigen oder auch abstehenden, speziellen Hochblätter werden Cyathophyllen genannt.
Die folgenden Querschnitte durch zwittrige Cyathien veranschaulichen deren ungewöhnlichen Aufbau.
Legende:
| b | Hochblatt, Brakteole (Cyathophylle) |
| i | Blütenhülle, Involukrum |
| g | Nektardrüse |
| ag | Anhängsel der Nektardrüse |
| bo | Zipfel der Blütenhülle, Braktee |
| mf | Männliche Blüte, ein gestielter Staubfaden, der an der Spitze zwei Antheren trägt |
| jmf | Unreife männliche Blüte |
| a | Staubbeutel, Anthere |
| pmf | Stiel der männlichen Blüte |
| ff | Weibliche Blüte, ein kurz gestielter Fruchtknoten mit den drei ästigen Griffeln, welche die Narben tragen |
| o | Fruchtknoten, Ovarium |
| s | Griffel |
| pff | Stiel der weiblichen Blüte |
Die Cyathien stehen nur selten einzeln, sondern meist in zymösen, komplexen, zusammengesetzten Blütenständen zweiter Ordnung: in Trugdolden, auf dichotomisch gegabelten Stielen oder in so genannten einfachen Zymen mit einem zentralen Cyathium und zwei seitlichen Cyathien.
Bei einer Gruppe madagassischer Arten (E. aureoviridiflora, E. capmanambatoensis, E. iharanae, E. leuconeura, E. neohumbertii, E. viguieri) besteht die Tendenz, aus den Zymen ein weiteres Pseudanthium zu bilden. Vermutlich als Anpassung an eine Befruchtung durch Vögel haben sich die Cyathien spezialisiert: Die meisten Cyathien haben aufrecht stehende Cyathophyllen, die sie schützend umschließen, die Nektardrüsen dadurch aber unzugänglich machen. Zum Ausgleich stehen zwischen ihnen nackte, sterile Cyathien, deren einzige Aufgabe die Nektarproduktion ist.
Die folgenden Fotos zeigen Beispiele häufig vorkommender Formen von Blütenständen, Cyathien, und deren Details.