DVD-Audio

DVD-Audio-Logo

DVD-Audio ist ein auf der DVD basierendes Datenformat für Audiodaten, das hauptsächlich zur Wiedergabe von hochauflösender Musik in Raumklang dient. Es galt als ein Nachfolger der Audio-CD (Compact Disc) und ist neben DVD-Video eines der vom DVD Forum entwickelten Formate für Unterhaltungselektronik.

Aufbau der DVD-Audio

DVD-Audio und DVD-Video basieren beide auf der DVD-ROM und sind optisch nicht zu unterscheiden (von unten).
DVD-Audios werden in einem speziellen Super-Jewelcase angeboten.

Eine DVD-Audio ist eine DVD-ROM, die in einem speziellen Unterverzeichnis (AUDIO_TS) Dateien mit einer vorgegebenen Struktur (AOB-Dateien) enthält und auf einem DVD-Audio-Spieler abgespielt werden kann. Diese Dateien enthalten neben verlustfrei komprimierten Audiosignalen auch Standbilder.

Vergleich zwischen DVD-Video und DVD-Audio

Eigenschaft
Video Logo
Video Logo
Audio Logo
Audio Logo
Markteinführung 1996 2000
Auflösungen (bit) 16, 20, 24 16, 20, 24
Abtastfrequenzen (kHz) 48; 96 44,1; 48; 88,2; 96; 176,4; 192
Maximale diskrete Kanäle theoretisch 8 (LPCM)
faktisch 7 (DTS-ES)
6
Tonformate LPCM (verlustfrei), MPEG-Audio, Dolby Digital, DTS LPCM, MLP
Audio, nicht komprimiert Ja (LPCM) Ja (LPCM)
Audio, verlustfrei komprimiert Nein Ja (MLP)
Audio, verlustbehaftet komprimiert Ja (MPEG-Audio, Dolby Digital, DTS) Nein
Audiodatenrate (Mbit/s) 6,144 (62 %) 9,8 (100 %)
Stereo-Downmix ■ □ □ ■ ■ ■ (SMART)
Bewegtbilder Ja Nein
Standbild-Galerie
(pro Titel, für Liedtexte etc.)
Ja, als Video (weniger effizient) Ja, direkt als Standbilder
Untertitel Grafikoverlays Kodiert
Regionalcode Ja, 1–8 Nein 1)
Kopierschutzmechanismen CSS CPPM, digitales Wasserzeichen

1) Wegen der Standbilder gibt es aber NTSC- und PAL-Varianten.

Spieldauer

Spieldauern häufig verwendeter Tonmodi mit DVD-5 und DVD-9
Tonspur Eignungsbeispiele DVD-5
(einschichtig, einseitig)
DVD-9
(zweischichtig, einseitig)
LPCM MLP 1) LPCM MLP 1)
Mono 16 bit / 44,1 kHz Hörbücher (384 kbit/s) 14:45 h 29:30 h 26:45 h 53:20 h
Stereo 16 bit / 44,1 kHz CD-Kompilationen (768 kbit/s) 7:20 h 14:45 h 13:20 h 26:40 h
Sechskanalton 24 bit / 48 kHz Soundtracks (3,76 Mbit/s) 90 min 3:00 h 2:40 h 5:25 h
Stereo 24 bit / 192 kHz Restaurierungen (ca. 5,2 Mbit/s) 65 min 2:15 h 2:00 h 4:05 h
Sechskanalton 24 bit / 96 kHz Studioalben (ca. 7,8 Mbit/s)  2) 90 min  2) 2:40 h
1) 
Kompressionsverhältnis hängt vom Musikstück ab; hier wurde von 2:1 ausgegangen.
2) 
Übersteigt die maximal zulässige Datenrate von 9,8 Mbit/s.

Daneben gibt es selten auch DVD-10 (einschichtig, zweiseitig mit HDAD), DVD-14 (einschichtig auf Seite A, zweischichtig auf Seite B) und DVD-18 (zweischichtig, zweiseitig).

Kanalkombinationen

Aufgrund der maximalen Datenrate einer DVD von 9,8 Mbit/s ergeben sich bei vollständiger Ausnutzung der Abtastrate durch die einzelnen Kanäle folgende maximalen Kanalanzahlen:

Linear Pulse Code Modulation (LPCM)
Abtastfrequenz Auflösung
16 bit 20 bit 24 bit
44,1 kHz 6
48,0 kHz
88,2 kHz 6 5 4
96,0 kHz
176,4 kHz 3 2
192,0 kHz
Meridian Lossless Packing (MLP)
Abtastfrequenz Auflösung
16 bit 20 bit 24 bit
44,1 kHz 6
48,0 kHz
88,2 kHz
96,0 kHz
176,4 kHz 6 5 4
192,0 kHz

Optionale Funktionen

Die Verwendung von beiden oder auch nur einer Kopierschutzoption ist auch bei industriell gefertigten DVD-Audios nicht zwingend.

Wie auf einer CD (und DVD-Video) sind auch auf einer DVD-Audio Daten außerhalb der Verzeichnisse AUDIO_TS und VIDEO_TS für Computernutzung speicherbar. Eine Möglichkeit ist es, die Audiodaten datenreduziert in einer so genannten Compressed Zone DRM-geschützt abzuspeichern.

CD-DA und DVD-A auf einer Disk

Aufbau einer DualDisc.

Bei der so genannten Flip Disc (Dual Disc) handelt es sich um ein Sandwich aus einer herkömmlichen Audio-CD und einer DVD-Audio; die meisten sind jedoch CD-DA / DVD-V Kombinationen. Diese Scheiben sind allerdings wegen zu großer Dicke (1,2 mm + 0,6 mm) nicht standardkonform. Das führt zu Problemen bei Geräten, welche die CD auf der Laserseite einspannen.

Denkbar ist auch eine Version, die eine für rotes Licht durchlässige Schicht in 0,6 mm Tiefe für DVD-A-Spieler und eine voll reflektierende in 1,2 mm Tiefe für CD-Spieler hat. Probleme bekommt man aber bei DVD-Video-Playern, die erst die DVD-Schicht suchen und dort nichts finden. Auf diesem Prinzip beruht die hybride Super Audio-CD als Konkurrenz.

Vorteile und Nachteile zur Audio-CD

Vergleich Laufzeiten Audio-CD und DVD-Audio
CD DVD5 DVD9 DVD10 DVD18
PCM 16 bit 44,1 kHz Stereo LPCM
80 min ≈7 h ≈12 h ≈14 h ≈24 h
MLP 1)
≈14 h ≈24 h ≈28 h ≈48 h

Bei Stereoaufnahmen sind praktisch keine klanglichen Unterschiede zwischen einer hochwertig produzierten herkömmlichen CD und einer DVD-Audio zu hören, so dass aus diesen Gründen die Bevorzugung von DVD-Audios gegenüber CDs nicht begründet werden kann.

Nachweisbare technische Vorteile

Praktische Vorteile

nach Fassungsvermögen
portable DVD-Audio-Player im Notebook Format oder gar DVD-A-Soundsysteme in Automobilen (Acura). So ließe sich beispielsweise in einem Fahrzeug gleich auf ein Dutzend Audio-CDs zugunsten einer DVD-Audio verzichten – CD-Wechslersysteme wären also obsolet.
nach Größe
Bildhaft gesprochen passt auf eine 8 cm DVD-A eine 12 cm CD-A gleich zweifach. Mini-Scheiben (8 cm) sind als DVD-Audio quasi nicht existent, da es keine portablen Abspielgeräte im Sinne eines DVD-A tauglichen Discmans/Walkmans gibt, wofür die Mini-Scheiben wohl am ehesten prädestiniert wären.
bessere Integration von Computerdaten
Die DVD-A benutzt das gleiche Dateisystem wie die DVD-V und DVD-ROM, nämlich UDF. Folglich gibt es keine Probleme wie einst bei der Mixed-Mode-CD, wo der erste Track Computerdaten und alle weiteren Tracks Audiodaten enthielten. Diese einsitzige Art der Aufzeichnung verursachte bei frühen CD-Spieler-Modellen häufig Tonprobleme, da sie versuchten, auch den Datentrack abzuspielen. Das Manko wurde mit der multisession-fähigen Enhanced CD/CD-EXTRA gelöst, hierbei sitzt der Datentrack in einer zweiten Session und ist für CD-Audio Spieler „unsichtbar“, da diese nur die erste Sitzung mit den Audiodaten lesen.
einfache Archivierung von CD-Audio-Material
Da bei der DVD-A ebenfalls PCM zum Einsatz kommt, sind DVD-A Archivierungskopien von Audio-CDs nicht nur platz- und kostensparender, sondern auch ökologisch sinnvoller als wiederum CDs zu benutzen. Anzumerken wäre, dass selbst Erweiterungsfinessen wie DTS-CDs (Mehrkanal-CDs) oder HDCDs (Pseudo-20-bit-CDs) auf einer DVD-A intakt bleiben und mit den nötigen Decodern auch wieder abgespielt werden können.
DVD-A-Spieler sind eigentlich immer universelle DVD-Spieler
Das bedeutet: DVD-Vs als auch CD-As können abgespielt werden. Es gibt DVD-A-Player, die auch SACDs abspielen können (Pioneer, Denon, Oppo) als auch DVD-V-Player, die SACDs annehmen, aber keine DVD-As (Philips, Sony).

Nachteile

Anschlussmöglichkeiten (vom Zuspieler zum Verstärker)
analog digital
2× Cinch 6× Cinch S/PDIF 1) (koaxial oder optisch) Firewire HDMI 2) (ab Version 1.1)
DVD-Audio 2.0 ausreichend ausreichend akzeptabel ideal ideal
DVD-Audio 5.1 unzureichend ausreichend unzureichend ideal ideal
1) 
Übertragungsmaximum liegt bei Stereo-PCM 24 Bit 96 kHz.
2) 
Selbst bei einer HDMI-1.3-Verbindung werden MLP-kodierte Daten im Spieler dekodiert und als LPCM-Signal an den Verstärker übertragen. Eine direkte Weitergabe der originären MLP-Daten zu einem Dolby-TrueHD-fähigen Verstärker ist (bisher) nicht möglich bzw. nicht vorgesehen.

Verbreitung

Die DVD-A ist derzeit (2024) praktisch vom Markt verschwunden. Im deutschen Absatzmarkt werden, zusammen mit der wesentlich weiter verbreiteten SACD und über alle Musik-Genres hinweg, ca. 100.000 Tonträger pro Jahr (Stand 2021, entspricht 0,3 % des Gesamtmarktes) verkauft, mit stark sinkender Tendenz. Im Gegensatz zur DVD-A, die zu keiner Zeit einen entscheidenden Durchbruch erzielen konnte, war die SACD zwischenzeitlich im Klassikbereich und bei Filmmusiken vergleichsweise erfolgreich. Das Format der DVD-A richtete sich, aufgrund der besseren technischen Möglichkeiten, in erster Linie an Musik-Enthusiasten. Diese legen, bei digital vertriebener Musik, Wert auf die besseren Eigenschaften von höherer Abtastrate und besserer Auflösung. Mittlerweile werden vergleichbar hochqualitative Musikaufnahmen, auch ohne den Gebrauch von physischen Medien, in speziellen Hi-Res-Audio-Formaten wie ALAC, AIFF, FLAC, WAV mit PCM-Rohdaten oder DSD zum Download angeboten.

Software für den PC

Mittlerweile ist die DVD-Audio auch am PC einsetzbar – ganz im Gegensatz zum Hauptgegenspieler, der SACD, deren HD-Layer dort nicht einmal lesbar ist.

Zum Abspielen

Zum Erstellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Super-Audio: Nur für Fledermäuse. Stiftung Warentest
  2. ↑ Grafik, Musikabsatz über physikalische Medien 2021. Bundesverband Musikindustrie e. V., abgerufen am 26. Januar 2023.
  3. ↑ Hi-Res Audio: The Basics. Abgerufen am 16. Dezember 2018.
  4. ↑ plugin
  5. ↑ Website des Burn-Projektes