Dallay

Dallay war ein französischer Herausgeber philatelistischer Kataloge, der ab 2001 Bewertungskataloge für Briefmarken Frankreichs und französisch geprägter Sammelgebiete veröffentlichte. Die Kataloge wurden von Luc Dartois und Jean-Bernard Pillet begründet und traten auf dem französischen Markt in Konkurrenz zu den etablierten Katalogen von Yvert et Tellier und Cérès. Nach der Zusammenführung mit weiteren französischen Kataloglinien erschien die Reihe ab 2008/2009 unter dem Titel Maury, Cérès & Dallay; später wurde sie in der Kataloglinie Spink Maury fortgeführt.

Geschichte

Dallay wurde 2001 von zwei Sammlern gegründet. Im Frühjahr desselben Jahres kündigte das Unternehmen den Catalogue de cotation des timbres de France 2001/2002 an. Die französische Tageszeitung Le Monde stellte den neuen Katalog 2001 als philatelistisches Ereignis vor und nannte Luc Dartois und Jean-Bernard Pillet als Autoren.

Der erste Band behandelte die Briefmarken Frankreichs. In den folgenden Jahren kamen weitere Bände hinzu, unter anderem zu den französischen Überseegebieten, zu Andorra, Monaco und den Französischen Süd- und Antarktisgebieten sowie zu ehemaligen französischen Kolonialgebieten und französischen Postämtern im Ausland.

Ende 2008 erschien der Katalog Maury, Cérès & Dallay : catalogue de timbres. Timbres de France, 2009. Damit wurden die Katalogtraditionen von Maury, Cérès und Dallay in einer gemeinsamen Reihe zusammengeführt. Die Reihe wurde danach weitergeführt; 2015 übernahm das Londoner Auktions- und Handelshaus Spink & Son die Arthur-Maury-Kataloge einschließlich der Rechte an den bestehenden und künftigen Ausgaben. Spätere Ausgaben erschienen unter der Bezeichnung Spink Maury.

Inhalt und Einordnung

Die Dallay-Kataloge unterschieden sich von den damals etablierten französischen Katalogen vor allem durch einen stärker dokumentarischen Ansatz. Neben Bewertungen enthielten sie größere Abbildungen und zusätzliche Angaben, etwa genaue Ausgabedaten, postalische Verwendungsangaben sowie die Namen von Entwerfern und Graveuren. Spätere bibliographische Beschreibungen der Kataloglinie nennen außerdem Ausgabe- und Rückzugsdaten, Auflagen oder Verkaufszahlen sowie Bewertungen von Briefen.

Auf dem französischen Markt konkurrierte Dallay vor allem mit Yvert et Tellier und Cérès. Der französische Conseil de la concurrence beschrieb 2005 den relevanten Markt für französische Bewertungskataloge zu Briefmarken Frankreichs als stark konzentriert und nannte für die Jahre, in denen alle drei Anbieter gleichzeitig vertreten waren, Marktanteile von etwa 83 Prozent für Yvert et Tellier, 11 Prozent für Cérès und 6 Prozent für Dallay.

Rechtsstreit um die Yvert-Nummerierung

Ein wesentlicher Konfliktpunkt war die Nummerierung der Briefmarken. Die im Handel und unter Sammlern verbreitete Yvert-Nummerierung galt im französischen Markt als faktische Referenz. Das Berufungsgericht Paris untersagte Dallay 2004, die Nummerierung von Yvert et Tellier im eigenen Katalog zu verwenden, und sprach Yvert et Tellier Schadensersatz wegen Urheberrechtsverletzung und unlauteren Wettbewerbs zu. Der französische Kassationshof wies 2006 die Revision gegen diese Entscheidung zurück.

Parallel dazu wandte sich Dallay an den Conseil de la concurrence. Dieser stellte 2005 fest, dass die Yvert-Nummerierung im Sektor zu einer faktischen Norm geworden war und dass Konkordanztabellen den Wechsel zwischen unterschiedlichen Katalognummerierungen erleichtern konnten. Yvert et Tellier verpflichtete sich daraufhin, konkurrierenden Katalogherausgebern eine Lizenz zur Veröffentlichung von Konkordanztabellen zwischen der Yvert-Nummerierung und der jeweiligen eigenen Nummerierung einzuräumen.

Nachwirkung

Die Dallay-Kataloge wirkten vor allem durch ihren Einfluss auf die französische Kataloglandschaft nach. Mit ihrem erweiterten Informationsangebot setzten sie die etablierten Anbieter unter Druck und trugen dazu bei, dass Zusatzinformationen und Spezialrubriken in französischen Briefmarkenkatalogen größere Bedeutung erhielten. In der späteren Kataloglinie Spink Maury wurden Inhalte und Spezialgebiete aus Cérès und Dallay ausdrücklich weitergeführt, darunter Varianten, technische Angaben, Vergrößerungen, moderne Briefbewertungen, Paketmarken, Jahrgangs- und Kriegsmarken.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Décision n° 05-D-25 du Conseil de la concurrence du 31 mai 2005 relative à des pratiques mises en œuvre par la société Yvert & Tellier sur le marché des catalogues de cotation de timbres-poste. (PDF) Conseil de la concurrence, 31. Mai 2005, abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  2. 1 2 Pierre Jullien: Le catalogue Dallay nouveau est arrivé. In: Le Monde. 25. August 2001, abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  3. ↑ Livres publiés par l'éditeur Cérès et Dallay. In: Librairie Eyrolles. Abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  4. ↑ Collection Arthur Maury. In: Librairie Mollat. Abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  5. ↑ Spink Takes The Reins Of Legendary Philatelic Catalogues. In: Spink. 2015, abgerufen am 17. Mai 2026 (englisch).
  6. ↑ Spink Maury – French Stamps Price Guide, 2022–2023. In: LIBERTY's Books. Abgerufen am 17. Mai 2026 (englisch).
  7. ↑ Collection Arthur Maury. In: Librairie Mollat. Abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  8. ↑ Cour d’appel de Paris, 4ème chambre, section A, arrêt du 18 février 2004. In: Legalis. 18. Februar 2004, abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  9. ↑ Cour de Cassation, Chambre civile 1, du 7 mars 2006, 04-13.971. In: Légifrance. 7. März 2006, abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).
  10. ↑ Spink Maury – French Stamps Price Guide 2017. In: LIBERTY's Books. Abgerufen am 17. Mai 2026 (französisch).