Der Dan-David-Preis, im Jahr 2000 von Dan David gegründet, ist eine Gruppe internationaler Auszeichnungen, die herausragende Beiträge zur Erforschung der Geschichte und anderer Disziplinen würdigen und fördern, die Licht auf die Vergangenheit der Menschheit werfen. Jedes Jahr werden bis zu neun mit je 300.000 US-Dollar dotierte Preise an herausragende Wissenschaftler und Praktiker der historischen Disziplinen vergeben, die am Anfang oder in der Mitte ihrer Laufbahn stehen. Mit einer jährlichen Gesamtdotierung von 3 Millionen US-Dollar ist er der höchstdotierte Geschichtspreis der Welt; darin enthalten sind 300.000 US-Dollar für ein internationales Postdoc-Stipendienprogramm an der Universität Tel Aviv, dem Sitz des Preises. Getragen wird der Preis von der Dan-David-Stiftung.
Bis 2021 bestand der Preis aus drei jährlichen Preisen zu je 1 Million US-Dollar für innovative und interdisziplinäre Forschung in drei Zeitdimensionen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Preisträger spendeten 10 Prozent ihres Preisgeldes für Promotionsstipendien für herausragende Doktoranden sowie für Postdoc-Stipendien in ihrem eigenen Fachgebiet, die an Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt vergeben wurden.
Im September 2021 gab der Dan-David-Preis bekannt, dass er seinen Schwerpunkt künftig auf die Förderung der Arbeit von „Historikern, Kunsthistorikern, Archäologen, Vertretern der Digital Humanities, Kuratoren, Dokumentarfilmern und allen, die unser Wissen und Verständnis der Vergangenheit vertiefen“ verlagern werde.
Die Dan-David-Stiftung wurde im Jahr 2000 von dem in Rumänien geborenen israelischen Unternehmer und Philanthropen Dan David mit einem Stiftungskapital von 100 Millionen US-Dollar gegründet. Der Dan-David-Preis wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, innovative und interdisziplinäre Forschung auszuzeichnen und zu fördern, die traditionelle Grenzen und Paradigmen überschreitet. Jedes Jahr wurden in wechselnden Fachgebieten drei Preise zu je 1 Million US-Dollar an Personen vergeben, die herausragende Beiträge für die Menschheit geleistet hatten. Gründungsdirektor der Stiftung war von 1999 bis 2002 Gad Barzilai. Ihr Vorsitzender ist seit 2007 Itamar Rabinovich.
Jimmy Wales nimmt den Dan-David-Preis an der Universität Tel Aviv entgegen, 2015
Im Vorfeld des 20-jährigen Jubiläums im Jahr 2021 richtete sich der Dan-David-Preis neu aus und verwies dabei auf den Rückgang der weltweiten Investitionen in die Geisteswissenschaften und den relativen Mangel an bedeutenden geisteswissenschaftlichen Preisen. Der neu konzipierte Preis konzentriert sich darauf, herausragende Forschung in den historischen Disziplinen zu fördern und Wissenschaftler und Praktiker zu würdigen, deren Arbeit die Vergangenheit der Menschheit erhellt und die öffentliche Debatte durch ein tieferes Verständnis der Geschichte bereichert.
Der Preis kündigte an, ab 2022 jedes Jahr bis zu neun Preise zu je 300.000 US-Dollar an Wissenschaftler und Praktiker aus aller Welt zu vergeben, die am Anfang oder in der Mitte ihrer Laufbahn stehen, um bedeutende Leistungen in der Erforschung der Vergangenheit zu würdigen und die künftigen Vorhaben der Gewinner zu unterstützen. Ab 2022 wird nicht mehr zwischen drei Preiskategorien unterschieden.
Zu den Preisträgern gehören der Cellist Yo-Yo Ma (2006), der israelische Schriftsteller Amos Oz (2008), der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore (2008), die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (2010), die französische Ökonomin Esther Duflo (2013) und der Immunologe Dr. Anthony Fauci (2021).
Der Preis war gelegentlich Gegenstand politischer Kontroversen. 2016 lehnte Catherine Hall vom University College London den Dan-David-Preis unter Verweis auf den israelisch-palästinensischen Konflikt ab. Ihr Preisgeld wurde für Stipendien an der Universität Tel Aviv gespendet. 2026 forderten mehr als 100 Wissenschaftler in einem offenen Brief den australischen Historiker Matthew Champion von der Universität Melbourne auf, die Auszeichnung wegen des Gaza-Kriegs und der Politik Israels in der Region abzulehnen. Der Vorstoß stieß auf Widerspruch der Universitätsleitung und anderer Wissenschaftler, die Versuche kritisierten, internationale akademische Auszeichnungen zu politisieren.
Ab 2022 wurden die Empfänger des Preises nicht mehr als Preisträger, sondern als Gewinner bezeichnet. Die ersten Gewinner wurden am 1. März 2022 bekannt gegeben.
| Jahr | Thema | Preisträger |
| 2002 | Vergangenheit – Geschichte | Bibliothek Warburg |
| Gegenwart – Technologie, Information und Gesellschaft | W. Daniel Hillis | |
| Zukunft – Biowissenschaften | Sydney Brenner, John E. Sulston, Robert H. Waterston | |
| 2003 | Vergangenheit – Paläoanthropologie | Michel Brunet |
| Gegenwart – Print- und elektronische Medien | James Nachtwey,[17] Frederick Wiseman[18] | |
| Zukunft – Kosmologie und Astronomie | John N. Bahcall | |
| 2004 | Vergangenheit – Städte: Historisches Erbe | Rom, Istanbul, Jerusalem |
| Gegenwart – Führung: Unsere Welt verändern | Klaus Schwab | |
| Zukunft – Hirnforschung | Robert H. Wurtz, Amiram Grinvald, William Newsome | |
| 2005 | Vergangenheit – Archäologie | Graeme Barker, Israel Finkelstein |
| Gegenwart – Darstellende Kunst: Film, Theater, Tanz, Musik | Peter Brook | |
| Zukunft – Materialwissenschaft | Robert Langer, George Whitesides, C. N. R. Rao | |
| 2006 | Vergangenheit – Musik | Yo-Yo Ma |
| Gegenwart – Journalismus | Magdi Allam, Mónica González Mujica, Adam Michnik, Goenawan Mohamad | |
| Zukunft – Krebstherapie | John Mendelsohn, Joseph Schlessinger | |
| 2007 | Vergangenheit – Historiker | Jacques Le Goff |
| Gegenwart – Zeitgenössische Musik | Pascal Dusapin, Zubin Mehta | |
| Zukunft – Die Suche nach Energie | James E. Hansen, Jerry Olson, Sarah Kurtz | |
| 2008 | Vergangenheit – Kreative Darstellung der Vergangenheit | Amos Oz, Tom Stoppard, Atom Egoyan |
| Gegenwart – Soziale Verantwortung | Al Gore[19] | |
| Zukunft – Geowissenschaften | Ellen Mosley-Thompson und Lonnie G. Thompson, Geoffrey Eglinton | |
| 2009 | Vergangenheit – Astrophysik – Geschichte des Universums | Paolo de Bernardis, Andrew E. Lange, Paul Linford Richards[20] |
| Gegenwart – Führung | Tony Blair[20] | |
| Zukunft – Global Public Health | Robert Gallo[20] | |
| 2010 | Vergangenheit – Der Weg zur Demokratie | Giorgio Napolitano |
| Gegenwart – Literatur: Darstellung des 20. Jahrhunderts | Margaret Atwood, Amitav Ghosh | |
| Zukunft – Computer und Telekommunikation | Leonard Kleinrock, Gordon Moore, Michael O. Rabin | |
| 2011 | Vergangenheit – Evolution | Marcus Feldman |
| Gegenwart – Kino und Gesellschaft | Ethan und Joel Coen[21] | |
| Zukunft – Altern: Die Herausforderung annehmen | Cynthia Kenyon, Gary Ruvkun | |
| 2012 | Vergangenheit – Geschichte/Biografie | Robert Conquest, Martin Gilbert |
| Gegenwart – Bildende Kunst | William Kentridge | |
| Zukunft – Genomforschung | David Botstein, Eric Lander, Craig Venter | |
| 2013 | Vergangenheit – Klassische Altertumswissenschaft, das moderne Erbe der Antike | Geoffrey Lloyd |
| Gegenwart – Ideen, öffentliche Intellektuelle und Philosophen der Gegenwart | Michel Serres, Leon Wieseltier | |
| Zukunft – Präventivmedizin | Esther Duflo, Alfred Sommer | |
| 2014 | Vergangenheit – Geschichte und Erinnerung | Krzysztof Czyżewski, Pierre Nora, Saul Friedländer |
| Gegenwart – Kampf gegen den Gedächtnisverlust | John A. Hardy, Peter St George-Hyslop, Brenda Milner | |
| Zukunft – Künstliche Intelligenz, der digitale Geist | Marvin Minsky | |
| 2015 | Vergangenheit – Die Vergangenheit erschließen: Historiker und ihre Quellen | Peter Brown, Alessandro Portelli |
| Gegenwart – Die Informationsrevolution | Jimmy Wales | |
| Zukunft – Bioinformatik | Cyrus Chothia, David Haussler, Michael S. Waterman | |
| 2016 | Vergangenheit – Sozialgeschichte – Neue Richtungen | Inga Clendinnen, Arlette Farge |
| Gegenwart – Kampf gegen die Armut | Anthony Atkinson, François Bourguignon, James Heckman | |
| Zukunft – Nanowissenschaften | A. Paul Alivisatos, Chad A. Mirkin, John Pendry | |
| 2017 | Vergangenheit – Archäologie und Naturwissenschaften | Svante Pääbo, David Reich |
| Gegenwart – Literatur | Jamaica Kincaid, Abraham B. Jehoshua | |
| Zukunft – Astronomie | Neil Gehrels, Shrinivas Kulkarni, Andrzej Udalski | |
| 2018 | Vergangenheit – Wissenschaftsgeschichte | Lorraine Daston, Evelyn Fox Keller, Simon Schaffer |
| Gegenwart – Bioethik | Ezekiel Emanuel, Jonathan Glover, Mary Warnock | |
| Zukunft – Personalisierte Medizin | Carlo M. Croce, Mary-Claire King, Bert Vogelstein | |
| 2019 | Vergangenheit – Makrogeschichte | Kenneth Pomeranz, Sanjay Subrahmanyam |
| Gegenwart – Verteidigung der Demokratie | Michael Ignatieff, Reporter ohne Grenzen | |
| Zukunft – Kampf gegen den Klimawandel | Christiana Figueres | |
| 2020 | Vergangenheit – Bewahrung und Wiederbelebung von Kultur | Lonnie Bunch, Barbara Kirshenblatt-Gimblett |
| Gegenwart – Gleichstellung der Geschlechter | Gita Sen, Debora Diniz | |
| Zukunft – Künstliche Intelligenz | Demis Hassabis, Amnon Shashua | |
| 2021 | Vergangenheit – Geschichte der Gesundheit und der Medizin | Alison Bashford, Katharine Park, Keith Wailoo |
| Gegenwart – Public Health | Anthony Fauci | |
| Zukunft – Molekulare Medizin | Zelig Eshhar, Carl H. June, Steven A. Rosenberg |
| Jahr | Gewinner | Fachgebiet |
| 2022 | Mirjam Brusius | Visuelle und materielle Kultur in globalen und kolonialen Kontexten |
| Bartow Elmore | Umweltgeschichte des globalen Kapitalismus | |
| Tyrone McKinley Freeman | Geschichte der afroamerikanischen Philanthropie | |
| Verena Krebs | Mittelalterliches Äthiopien und interkulturelle Begegnungen | |
| Efthymia Nikita | Bioarchäologie des Mittelmeerraums | |
| Nana Oforiatta Ayim | Kuratorin, Schriftstellerin, Künstlerin und Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt auf dem afrikanischen Erbe | |
| Kristina Richardson | Islamische Welt des Mittelalters und die Roma | |
| Natalia Romik | Architektin und Public Historian, die sich für die Bewahrung der Erinnerung an das jüdische Leben in Osteuropa einsetzt | |
| Kimberly Welch | Rechtsgeschichte der Südstaaten der USA in der Antebellum-Zeit | |
| 2023 | Saheed Aderinto | Sozial- und Kulturhistoriker des modernen Afrika, der ungewöhnliche Perspektiven und Kategorien wie Sexualität, Kindheit, Schusswaffen, Tiere und Musik nutzt, um die Vergangenheit Nigerias zu verstehen |
| Ana Antic | Historikerin der Psychiatrie und Europas im 20. Jahrhundert, die Fragen von Politik, Gewalt und psychischer Gesundheit untersucht | |
| Karma Ben Johanan | Ideenhistorikerin interreligiöser Begegnungen mit Schwerpunkt auf katholisch-jüdischen Beziehungen | |
| Elise K. Burton | Historikerin, die zur Geschichte von Wissenschaft, Rassenkonzepten und Nationalismus im modernen Nahen Osten forscht, mit Schwerpunkt auf Genetik, biologischer Anthropologie und Evolutionsbiologie | |
| Adam Clulow | Globalhistoriker Europas und Ostasiens, der Computerspiele und virtuelle Realität nutzt, um Geschichte zu popularisieren | |
| Krista A. Goff | Historikerin, die mit Oral History und Alltagsquellen die Erfahrungen wenig erforschter ethnischer Minderheiten in der Sowjetunion untersucht | |
| Stephanie E. Jones-Rogers | Historikerin, die die sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Beziehungen von Frauen zu versklavten Menschen und zum Sklavenhandel in der transatlantischen Welt erforscht | |
| Anita Radini | „Archäologin des Schmutzes“, die winzige Staubreste aus dem Zahnstein analysiert, um mehr über das Arbeitsleben und die Lebensumwelt von Menschen in der Vergangenheit zu erfahren | |
| Chao Tayiana Maina | Public Historian, die mit digitalen Technologien bisher verborgene oder unterdrückte historische Narrative in Kenia erfasst und bewahrt | |
| 2024 | Keisha N. Blain | Schwarzer Internationalismus und Aktivismus Schwarzer Frauen im 20. Jahrhundert |
| Benjamin Brose | Kulturgeschichte des Buddhismus und der asiatischen Religionen | |
| Cécile Fromont | Visuelle und materielle Kulturen Afrikas, Lateinamerikas und Europas in der Frühen Neuzeit | |
| Cat Jarman | Archäologie der Wikingerzeit und Public Archaeology | |
| Daniel Jütte | Kulturgeschichte materieller Objekte und alltäglicher Technologien in Europa | |
| Stuart M. McManus | Globalgeschichte der Renaissance und der Sklaverei | |
| Kathryn Olivarius | Krankheit, Staatsbürgerschaft und Wirtschaft in den Südstaaten der Vereinigten Staaten in der Antebellum-Zeit | |
| Katarzyna Person | Holocaust-Archive und die Wiedergewinnung marginalisierter Stimmen | |
| Tripurdaman Singh | Kolonialismus, Dekolonisation und die Entstehung der Demokratie in Südasien | |
| 2025 | Abidemi Babatunde Babalola | Anthropologische Archäologie von Wissenschaft und Technik in Westafrika |
| Mackenzie Cooley | Natur und Medizin in der Welt der Frühen Neuzeit | |
| Bar Kribus | Archäologie Äthiopiens sowie Geschichte und materielle Kultur der Beta Israel (äthiopische Juden) | |
| Fred Kuwornu | Dokumentarfilmer, der sich mit Identität, Rassenkonzepten und historischer Darstellung auseinandersetzt | |
| Dmitri Levitin | Ideengeschichte der Frühen Neuzeit und Wissensgeschichte | |
| Beth Lew-Williams | Rassenkonzepte und Migration in den modernen USA | |
| Hannah Marcus | Wissenschaft und Wissenschaftskultur im Europa der Frühen Neuzeit | |
| Alina Șerban | Geschichte, Kultur und Identität der Roma, vermittelt durch Film und Theater | |
| Caroline Sturdy Colls | Archäologie des Holocaust und von Stätten des Völkermords | |
| 2026 | R. Isabela Morales | Public History der Sklaverei und der Emanzipation in den USA |
| Verena Meier | Verfolgung der Sinti und Roma im modernen Europa; Universität Heidelberg / Technische Universität Berlin | |
| Giancarlo Marcone Flores | Archäologie des vorspanischen Peru und partizipatives Kulturerbe; Universidad de Ingeniería y Tecnología – UTEC, Peru | |
| Andrew Lipman | Geschichte Nordamerikas in der Frühen Neuzeit; Barnard College, Columbia University | |
| Dagomar Degroot | Geschichte des Umweltwandels auf der Erde und im Sonnensystem; Georgetown University | |
| Howard Chiang | Medizin, Geschlecht und Sexualität im modernen Ostasien; University of California, Santa Barbara | |
| Matthew Champion | Geschichte vormoderner Zeitlichkeiten; Universität Melbourne | |
| Roland Betancourt | Byzantinische Kunstgeschichte und zeitgenössische Populärkultur; University of California, Irvine | |
| Max Bergholz | Gewalt zwischen Bevölkerungsgruppen, Nationalismus und Erinnerung im modernen Europa; Concordia University, Montreal, Kanada |