Danger Dan

Danger Dan (2015)
Danger Dan singt einen Song bei einem Live-Konzert in der Roten Flora in Hamburg
Danger Dan, 2023

Danger Dan (* 1. Juni 1983 in Aachen; bürgerlich Daniel Pongratz) ist ein deutscher Musiker. Er ist solistisch und als Mitglied der Hip-Hop-Band Antilopen Gang aktiv.

Leben und Wirken

Daniel Pongratz wuchs als einer von vier Söhnen von Ludwig A. Pongratz in Aachen auf. Seine Eltern stammten aus der linken Szene, sein Vater wurde später Professor für Pädagogik an der Technischen Universität Darmstadt. Sie förderten früh sein musikalisches Talent, genauso wie das seines jüngeren Bruders Tobias. Daniel Pongratz spielte schon früh in verschiedenen Punk-Bands, aber auch als Pianist in einer Funkband, während sein Bruder den Hip-Hop für sich entdeckte und auch ihn damit in Berührung brachte.

Mitte der 2000er Jahre wurde bei ihm die Augenerkrankung Retinopathia pigmentosa diagnostiziert, die zur Erblindung führt, was er in dem Titel Dass es hier so schön ist seines Albums Keine Angst thematisiert.

Er war zwischenzeitlich Schüler am Viktoria-Gymnasium Aachen, dem er in seinem Album Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt den sehr kritischen Song Ingloria Victoria widmet. Ohne Abitur begann er ein Studium der Musiktherapie an der Universität Maastricht in den Niederlanden, das ihm durch eine bestandene Aufnahmeprüfung möglich geworden war. Dort lernte er Sebastian Sturm kennen und wurde Teil der Reggae-Band Jin Jin aus Aachen. Sein Studium brach er daraufhin ab, um als Musiker sein Geld zu verdienen. Nebenbei arbeitete er als Musiklehrer an einer Hauptschule. Mit Sebastian Sturm spielte er die beiden Alben This Change Is Nice (2006) und One Moment in Peace (2010) ein. Sebastian Sturm, Moses Christoph und er gründeten zusammen das Cheer Up Trio und tourten unter anderem durch die Vereinigten Staaten und Europa. Das Trio blieb bis etwa 2012 zusammen.

Dem Hip-Hop blieb Daniel Pongratz treu. Zusammen mit seinem Bruder Tobias (Panik Panzer) sowie Koljah gründete er 2005 das Gangsta-Rap-Satire-Projekt Caught in the Crack, das 2005 und 2008 zwei Internetalben veröffentlichte. Dort gab er sich den Namen Dan Juan de Marcos, und als Rapper übernahm er das Pseudonym Danger Dan, das er schon als Reggaemusiker verwendet hatte. Parallel entstand das Hip-Hop-Kollektiv Anti-Alles-Aktion. Aus diesem Projekt wurde schließlich zusammen mit Panik Panzer, Koljah und NMZS die Antilopen Gang.

2008 erschien als Solodebüt die EP Coming out. Auf dem Album setzt er sich unter anderem mit Antisemitismus und der Shoah auseinander. Laut der Jüdischen Allgemeinen war der Song Sommerlüge die erste Auseinandersetzung mit Holocaust und Antisemitismus im deutschen Rap. Ansonsten widmete er sich verschiedenen Musik- und Theaterprojekten, unter anderem war er im Auftrag des Goethe-Instituts in 17 verschiedenen Ländern aktiv und organisierte dort Radioprojekte, Konzerte und Theateraufführungen. 2012 erschien seine zweite EP Dinkelbrot & Ölsardinen sowie das Kollaborationsalbum Aschenbecher mit NMZS.

Anschließend begann die Antilopen Gang erfolgreich zu werden und Danger Dan fokussierte sich auf dieses Projekt, das nach dem Suizid von NMZS aus ihm, seinem Bruder und Koljah besteht.

Am 1. Juni 2018, seinem 35. Geburtstag, erschien sein erstes Soloalbum Reflexionen aus dem beschönigten Leben auf Jochens kleiner Plattenfirma. Es erreichte Platz 20 der deutschen Albumcharts.

Am 26. März 2021 veröffentlichte er die Single Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt, in der er die Grenzen der Kunstfreiheit anhand von Attacken gegen Jürgen Elsässer, Götz Kubitschek, Alexander Gauland und Ken Jebsen thematisiert. Der Song stieg am 2. April 2021 auf Platz 69 in die deutschen Singlecharts ein und wurde auf dem bandeigenen Label Antilopen Geldwäsche veröffentlicht. Innerhalb der ersten beiden Wochen nach Veröffentlichung wurde das Musikvideo auf YouTube 1,3 Millionen Mal aufgerufen. Am 9. April 2021 stellte Pongratz, begleitet am Klavier vom Pianisten Igor Levit, den Song in der Fernsehsendung ZDF Magazin Royale vor. Das Original-Video (17,5 Millionen Aufrufe) und der Fernseh-Mitschnitt (5,8 Millionen) verzeichnen mehr als 23 Millionen Aufrufe (Stand: Juli 2026).

Im Dezember 2021 belegte Danger Dan als erster Künstler überhaupt zeitgleich die Plätze 1 bis 3 der radioeins-Jahrescharts (mit den Liedern Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt, Lauf davon und Eine gute Nachricht).

In der Netflix-Serie Kacken an der Havel, die im Februar 2026 erschien und deren Hauptfigur von seinem Rap-Kollegen Fatoni gespielt wird, hat er einen Gastauftritt.

Für die 100. Ausgabe der ZDF-Satire-Sendung Die Anstalt (unter dem Titel „Die AntifAnstalt“) sollten Danger Dan und Igor Levit das Lied Keine Angst präsentieren. Am 16. Juli 2026 sagte die ZDF-Geschäftsleitung den Auftritt ab, da der Liedtext als „unzulässige Anleitung zu gewaltbereitem Widerstand“ verstanden werden könne und somit gegen die Programmrichtlinien verstoße. Die Entscheidung wurde in einem offenen Brief an den ZDF-Intendanten Norbert Himmler von acht der sechzig Mitglieder des ZDF-Fernsehrates als mutlos kritisiert, „die kritische Einordnung des Liedtexts, auch mit den Künstlern, wäre Aufgabe der Redaktion der Anstalt gewesen“. In den darauffolgenden Tagen kletterte das Video an die Spitze der YouTube-Musikcharts in Deutschland. Am 21. Juli 2026 gaben Danger Dan und Igor Levit parallel zur Sendungsausstrahlung im ZDF unter dem Motto „Die keine Angstalt“ ein Konzert im Columbia Theater in Berlin, welches live auf YouTube übertragen wurde. Die Gastgeber der Anstalt (Max Uthoff und Claus von Wagner) und Gäste der aktuellen Sendung waren Teil des Publikums.

Privates

Danger Dan hat eine Tochter. Im Lied Warum es nicht geklappt hat (Album Keine Angst) singt er über seine Beziehung zu seinem Ex-Freund.

Diskografie

Studioalben

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT  CH
2018 Reflexionen aus dem beschönigten Leben
Jochens kleine Plattenfirma
DE20
(2 Wo.)DE
AT57
(1 Wo.)AT
CH69
(1 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 1. Juni 2018
2021 Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
Antilopen Geldwäsche
DE1
(39 Wo.)DE
AT4
(9 Wo.)AT
CH12
(6 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 30. April 2021
2026 Keine Angst
Ölsardinenindustrie
DE2
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2026DE
AT5
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2026AT
CH8
(… Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2026CH
Erstveröffentlichung: 2. Oktober 2026

Kollaboalben

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE
2012 Aschenbecher
Selbstverlag
DE28
(1 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: 21. Oktober 2012
mit NMZS

Livealben

EPs

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartsChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE
2012 Dinkelbrot & Ölsardinen
Selbstverlag
DE31
(1 Wo.)DE
Erstveröffentlichung: April 2012

Weitere EPs

Singles

Jahr Titel
Album
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungen
(Jahr, Titel, Album, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT
2021 Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
DE25
(8 Wo.)DE
AT62
(3 Wo.)AT
Erstveröffentlichung: 26. März 2021
Eine gute Nachricht
Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
DE— aDE —
Erstveröffentlichung: 23. April 2021
Mir kann nichts passieren
–
DE— bDE —
Erstveröffentlichung: 15. Oktober 2021
mit Max Herre
2026 Keine Angst
Keine Angst
DE7
(2 Wo.)DE
AT67
(1 Wo.)AT
Erstveröffentlichung: 17. Juli 2026
Folgende Lieder erschienen nicht als Single, wurden aber durch das Album zum Download und Streaming bereitgestellt und konnten somit eine Platzierung erlangen:
 
2022 Unsere Bank
Zorn & Liebe
DE— cDE —
Erstveröffentlichung: 2. September 2022
Provinz feat. Danger Dan
a 
Eine gute Nachricht konnte sich nicht in den offiziellen deutschen Singlecharts platzieren, erreichte jedoch Platz 1 der Single-Trend-Charts (30. April 2021).
b 
Mir kann nichts passieren konnte sich nicht in den offiziellen deutschen Singlecharts platzieren, erreichte jedoch Platz 1 der Single-Trend-Charts (22. Oktober 2021).
c 
Unsere Bank konnte sich nicht in den offiziellen deutschen Singlecharts platzieren, erreichte jedoch Rang 7 der Single-Trend-Charts (9. September 2022).

Weitere Singles

Weitere Veröffentlichungen

Mit Antilopen Gang

Mit Caught in the Crack

Gastbeiträge (ohne Antilopen Gang)

Auszeichnungen

Commons: Danger Dan – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Danger Dan bei laut.de. Abgerufen am 10. Juni 2018
  2. ↑ Westfälische Nachrichten: Angst vor dem Erblinden wird zum Song, Aus aller Welt, Namen und Nachrichten, dpa, 15. August 2026
  3. ↑ Michael Zirnstein: München: Konzert von Danger Dan in der Isarphilharmonie – Kritik. 31. Januar 2023, abgerufen am 2. November 2023.
  4. ↑ Philipp Killmann: Danger dan: Coming out. 20. November 2008, abgerufen am 10. Juni 2018.
  5. ↑ Alex Barbian: Danger Dans „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ – Politische Kampfansage gegen Neue Rechte. In: deutschlandfunkkultur.de. Deutschlandradio, 29. März 2021, abgerufen am 1. April 2021.
  6. ↑ Offizielle Deutsche Charts – Offizielle Deutsche Charts. Abgerufen am 5. April 2021.
  7. ↑ Thomas Correll: Danger Dan bei Böhmermann: Klare Worte gegen Kubitschek und Co. In: nordbayern.de. 11. April 2021, abgerufen am 13. April 2021.
  8. ↑ Antilopen Gang: Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (Antilopen Gang) auf YouTube, 26. März 2021, abgerufen am 2. Juni 2024.
  9. ↑ ZDF Magazin Royale: Danger Dan ft. Igor Levit ft. RTO – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (ZDF Magazin Royale) auf YouTube, 10. April 2021, abgerufen am 2. Juni 2024.
  10. ↑ Die radioeins Hörercharts – Die 100 besten Songs des Jahres 2021. Abgerufen am 28. November 2022.
  11. ↑ Amélie Apel: Willkommen in KACKEN AN DER HAVEL: Netflix veröffentlicht den offiziellen Trailer. In: Netflix. 26. Januar 2026, abgerufen am 28. Februar 2026.
  12. ↑ Lied „Keine Angst“ – ZDF sagt Auftritt von Danger Dan und Igor Levit ab. In: Deutschlandfunk Kultur. 16. Juli 2026, abgerufen am 19. Juli 2026.
  13. ↑ Zur Debatte um die 100. Ausgabe „Die Anstalt“. In: Presseinformationen. zdf.de, Juli 2026, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. Juli 2026 (deutsch).
  14. ↑ Andreas Fanizadeh: Mit Legalismus gegen Rechtsextremismus? In: TAZ. 19. Juli 2026, abgerufen am 1. August 2026.
  15. ↑ Erik Tuchtfeld: „Wir halten die Absage für einen Fehler“. In: netzpolitik.org. 20. Juli 2026.
  16. ↑ Norbert Schiegl: Streaming-Schnelltest: Danger Dan mit „Keine Angst“ in den YouTube-Charts vorn. In: musikwoche.de. 20. Juli 2026.
  17. ↑ Hella Wittenberg: Danger Dan und Igor Levit: „Die Keine Angstalt“ nach ZDF-Absage. In: Musikexpress. 20. Juli 2026 (deutsch).
  18. ↑ Vanessa Wobb: Danger Dan spielt „Keine Angst“ nun doch mit Igor Levit. In: MoreCore. 21. Juli 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  19. ↑ Philipp Rhensius: Danger Dan holt sich seine Bühne zurück. In: taz. 21. Juli 2026, abgerufen am 21. Juli 2026.
  20. ↑ https://www.tagesspiegel.de/kultur/danger-dan-von-der-antilopen-gang-her-mit-dem-bundesverdienstkreuz-131402.html
  21. ↑ Rapper Danger Dan spricht über Coming-out. Abgerufen am 4. Oktober 2026 (deutsch).
  22. ↑ Danger Dan über sein neues Album: „Ich habe mich nie als besonders hetero erlebt“. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 4. Oktober 2026]).
  23. 1 2 3 4 Chartquellen: DE AT CH
  24. ↑ Offizielle Single Trending Charts. In: mtv.de. GfK Entertainment, 30. April 2021, abgerufen am 30. April 2021.
  25. ↑ Offizielle Single Trending Charts. In: mtv.de. 22. Oktober 2021, abgerufen am 22. Oktober 2021.
  26. ↑ Single Trending Charts. In: mtv.de. GfK Entertainment, 9. September 2022, abgerufen am 10. September 2022.
  27. ↑ Single Trending Charts. In: mtv.de. GfK Entertainment, 9. September 2022, abgerufen am 10. September 2022.
  28. ↑ Süddeutsche Zeitung: Abräumer des Jahres: Preisregen für Danger Dan. Abgerufen am 28. November 2022.
  29. ↑ Danger Dan gewinnt drei Preise für Popkultur und dankt Antifa. Abgerufen am 6. Oktober 2021.
  30. ↑ Shortlist 2021. In: LISTEN TO BERLIN: AWARDS. Abgerufen am 28. November 2022.
  31. ↑ Die radioeins Hörercharts – Die 100 besten Songs des Jahres 2021. 2. Januar 2022, abgerufen am 5. Juni 2023.
  32. ↑ Deutscher Kleinkunstpreis für Carolin Kebekus und Danger Dan, ndr.de, erschienen und abgerufen am 23. November 2022
Personendaten
NAME Danger Dan
ALTERNATIVNAMEN Pongratz, Daniel (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Rapper
GEBURTSDATUM 1. Juni 1983
GEBURTSORT Aachen