Daniel Silva (* 19. Dezember 1960) ist ein amerikanischer Schriftsteller und ehemaliger Journalist. Er verfasste eine Reihe von Spionageromanen mit der Hauptfigur Gabriel Allon, einem israelischen Restaurator und Agenten im Auftrag des Mossad.
Silva wurde in Michigan geboren und wuchs in Kalifornien auf. Ein Studium der Internationalen Beziehungen brach er 1984 ab, als ihm eine Stelle bei United Press International angeboten wurde. Für UPI arbeitete er in San Francisco, in Washington, D.C. und als Nahostkorrespondent in Kairo und am Persischen Golf, wo er unter anderem über den Ersten Golfkrieg berichtete. Nach der Rückkehr nach Washington wurde er Executive Producer von Talkshows für CNN. Die Tätigkeit gab er 1997 auf, um sich auf die Schriftstellerei zu konzentrieren.
Als Autor debütierte Silva 1997 mit The Unlikely Spy, einem Roman über Liebe und Betrug rund um die Invasion der Alliierten in Frankreich im Zweiten Weltkrieg. Sein zweiter und dritter Roman, The Mark of the Assassin und The Marching Season, handeln von dem CIA-Offizier Michael Osbourne und dem KGB-Mann Jean-Paul Delaroche. In seinem vierten Roman, The Kill Artist, stellte Silva eine neue Figur vor, den Kunstrestaurator und israelischen Geheimagenten Gabriel Allon, der seither der Protagonist seiner Romane ist.
Obwohl selbst Amerikaner nimmt Silva in der Gabriel-Allon-Reihe die Warte eines Israelis ein, der für den Mossad, den israelischen Auslandsgeheimdienst, arbeitet. Laut Hans-Peter Schwarz sind die Romane „ein Plädoyer für die Unbarmherzigkeit, mit der Israel in einer Welt von Feinden und lauen Freunden ums Überleben kämpfen muss.“ Dabei greift er die Themen der israelischen Zeitgeschichte auf: das Trauma des Holocausts, die Bedrohung Israels, eine endlose Folge terroristischer Attentate und die moralische Ambivalenz mit der Israel selbst mit terroristischen Mitteln agiert. Auch die Gegenseite im israelisch-palästinensischen Konflikt behält er im Blick: die verletzte Würde und verlorene Heimat der Palästinenser, die zum Nährboden ihres Hasses wird. Er zeigt laut Schwarz, „dass jede Seite in der unendlichen Geschichte des Palästina-Konflikts auf ihre Weise im Recht ist“, auch wenn er „unerschütterlich“ für die jüdische Seite Partei ergreife. Silva ist selbst zum jüdischen Glauben konvertiert und seit 2009 Mitglied im Memorial-Council für die Holocaust-Museen der USA.
Mit seinem Serien-Protagonisten Gabriel Allon hat Silva eine Figur vom Format eines George Smiley oder Jack Ryan (siehe Werk von Tom Clancy) geschaffen. Seine Familiengeschichte spiegelt das Schicksal vieler Juden des 20. Jahrhunderts. Die Mutter stirbt an den Spätfolgen ihres Aufenthalts in einem Konzentrationslager, der Vater wandert nach Israel aus, Allon wächst in einem Kibbuz auf, doch bleibt „ein wurzelloser, eigenbrötlerischer Individualist“, der sich in die Welt der bildenden Kunst flüchtet und sich in Europa als Restaurator alter Gemälde einen Namen macht. Ari Schamron, der Direktor des Mossad, in dessen Name und Persönlichkeit der ehemalige israelische General und Ministerpräsident Ariel Scharon anklingt, rekrutiert ihn als jungen Studenten um die Terroristen des Schwarzen Septembers vom Münchner Olympia-Attentat 1972 aufzuspüren und zu töten. Die Vergeltung folgt durch ein Autobombenanschlag auf Allons Familie, bei dem sein Sohn stirbt und die Frau schwer gezeichnet überlebt. Allon quittiert den Dienst, doch lässt er sich von seiner Vaterfigur Schamron immer wieder widerstrebend zu Einsätzen für sein Land überreden. Schon der Titel des ersten Romans The Kill Artist transportiert die Widersprüchlichkeit der Figur, die gleichzeitig Kunstwerke heilt und Menschen tötet, ihr unvereinbares Doppelleben, das den Hintergrund der Serie bildet.
Silva lebt in Georgetown, dem historischen Stadtteil von Washington, D.C. Seine Romane recherchiert er vor Ort in Israel und Europa, so auch in Portugal, wo er familiäre Wurzeln hat. Silvas Vertrautheit mit dem jeweiligen Handlungsort verleiht den Romanen laut Schwarz ein „regionales Flavour“. Seine knappen, atmosphärischen Impressionen von Städten und Landschaften machen zusammen mit dem Tempo der Romane für Schwarz ihren hauptsächlichen Reiz aus. Auch die Figuren sind keine bloßen Abziehbilder, sondern haben psychologische Tiefe, was auch die Antagonisten einschließt. Insgesamt beschreibt Schwarz Silva als „den derzeit eindrucksvollsten Autor einer Generation, die auf die Thriller-Größen der Jahrzehnte des Kalten Krieges nachgefolgt ist“. Ihre Botschaft sei „Alarmismus vor inneren und äußeren Feinden sowie Alarmismus vor großen Katastrophen“. Beigemischt seien „durch Gescheitheit gedämpfte Parteilichkeit“ und Melancholie beim Blick in Vergangenheit und Zukunft.
Silva ist mit der ehemaligen NBC-Korrespondentin Jamie Gangel verheiratet, die seit 2015 als CNN-Spezialkorrespondentin arbeitet (Stand Dez. 2022). Sie haben zwei gemeinsame Kinder.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Silva, Daniel |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Journalist und Autor |
| GEBURTSDATUM | 19. Dezember 1960 |