| Afghanisches Persisch Dari-Persisch فارسی دری (Farsi-ye Dari) | ||
|---|---|---|
|
Gesprochen in |
Afghanistan | |
| Sprecher | Persisch-Sprecher: 126,6 Mio., davon Dari-Persisch-Sprecher: 33,4 Mio. | |
| Linguistische Klassifikation |
| |
| Offizieller Status | ||
| Amtssprache in | Afghanistan | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1 | fa | |
| ISO 639-2 | (B) per | (T) fas |
| ISO 639-3 | prs | |
Dari-Persisch, kurz Dari oder kurz Persisch, wissenschaftlich zuweilen afghanisches Persisch, ist mit 33,5 Mio. Sprechern eine der beiden überregionalen Amtssprachen und die Verkehrssprache Afghanistans, jedoch keine eigene Sprache, sondern wie das iranische Persisch eine Standardvarietät der modernen neupersischen Sprache. Als Standardvarietät hat es viele verschiedene Dialekte, darunter den Kabuler Dialekt, mit dem es nicht verwechselt werden sollte. Dari ist auch die Sprache der persischsprachigen Medien Afghanistans. Dari-Persisch steht zum iranischen Persisch etwa wie das österreichische Deutsch zum bundesdeutschen Hochdeutsch. Die hauptsächlichen Unterschiede finden sich im Wortschatz und in der Phonologie, was für die gegenseitige Verständlichkeit jedoch kein Hindernis darstellt. Das Dari-Persische ist reich an Sprichwörtern, welche die afghanische Kultur widerspiegeln, wie der US-Marinekapitän Edward Zellem in seinen zweisprachigen, von afghanischen Schulkindern illustrierten Büchern gezeigt hat.
Historisch ist die Bezeichnung Dari (persisch دری Dari,) seit dem 10. Jahrhundert in vielen arabischen und persischen Texten bezeugt. Ursprünglich bezeichnete Dari (Bedeutung: höfisch, wörtlich: Tor) das gehobene, am sassanidischen Königshof Ktesiphon gesprochene Mittelpersisch. Manchmal wurden damit auch mittelparthische Dialekte benannt. Neuere iranistische Forschungen ergaben, dass Dari auch das im Nordosten, auf dem ehemaligen Gebiet des Partherreichs und somit auch vom Parthischen beeinflusste Mittelpersische bezeichnete.
Über die Herkunft des Wortes Dari gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Mehrheit der Wissenschaftler glaubt, dass Dari sich auf das persische Wort در, DMG dar (deutsch Tür oder Tor) oder دربار, DMG darbār (deutsch Königshof) bezieht. Der Name erscheint in der Literatur seit der Samanidenzeit im 9. und 10. Jahrhundert, als Persisch zur Hof- und Amtssprache erhoben wurde. Mit dem Begriff darī („das Höfische“) wollten die Samaniden an das gehobene Mittelpersisch anknüpfen, gesprochen am Königshof Ktesiphon des vorislamischen persischen Sassanidenreiches, auf das sie sich auch sonst bezogen. Der ursprüngliche Name der Sprache, Pārsī (deutsch Persisch), hingegen wird in einer Mitteilung angegeben, die Ibn al-Muqaffa‘ zugeschrieben wird (zitiert von Ibn an-Nadim in seinem Buch Al-Fehrest).
Um das afghanische Persisch vom iranischen Persisch, das sich am Hauptstadtdialekt Teherans („Tehruni“) orientiert, zu unterscheiden, benannt ihn die afghanische Regierung 1964 um. Diese Bezeichnung sollte hervorheben, dass die modern-neupersische Standardvarietät Afghanistans die klassisch-neupersische Aussprache von Vokalen und ein klassisch-neupersisches Vokabular zum Teil noch bewahrt hat. Diese Umbenennung erfolgte auch in Zeiten des aufkommenden Nationalismus. Dari ist heute der Regierungsbegriff, die Bevölkerung nennt diese Standardvarietät im Inland meistens weiterhin Persisch (persisch فارسی Farsi), wobei auch Dari in Gebrauch ist. Vorzufinden ist auch die Bezeichnung Dari-Persisch (persisch فارسی دری Farsi-ye dari). Seit jener Umbenennung wird Dari in einigen westlichen Quellen auch als „afghanisches Persisch“ bezeichnet. In wissenschaftlichen Artikeln über Vergleiche der Aussprache und des Vokabulars wird die Bezeichnung afghanisches Persisch (im Englischen Afghan Persian) zuweilen auch verwendet, wobei afghanisch sich auf das Staatsgebiet, nicht auf die ehemalige Bezeichnung der Paschtunen, bezieht.
Das in Afghanistan gesprochene Dari-Persisch ist nicht mit dem Dialekt der in Iran lebenden Zarathustrier zu verwechseln, der dort Dari oder Gabri genannt wird.

Dari ist eine der beiden Amtssprachen Afghanistans, die andere ist Paschtu. In der Praxis dient Dari jedoch als de facto Lingua Franca unter den verschiedenen ethnolinguistischen Gruppen.
33,4 Millionen der 126,6 Millionen Persisch-Sprecher sprechen Dari-Persisch. Dari wird von ungefähr 25–50 % der Bevölkerung Afghanistans als Muttersprache gesprochen, daneben kommen andere persische Dialekte wie Hazaragi vor. Insgesamt beherrschen 80 % der Bevölkerung Afghanistans Persisch. Tadschiken, die ungefähr 27 % der Bevölkerung ausmachen, sind die Hauptsprecher. Hazara (9 %) und Aimāiqen (4 %) sprechen zwar auch Persisch, aber andere Dialekte, die für Dari-Sprecher verständlich sind. Darüber hinaus verwenden viele Paschtunen, die in Tadschik und Hazaristan leben, Dari als Muttersprache. Ungefähr 2,5 Millionen Afghanen in Iran und Afghanen in Pakistan, die Teil der afghanischen Diaspora sind, sprechen Dari als eine ihrer Hauptsprachen. Auch Migranten aus Afghanistan in westlichen Ländern sprechen häufig Dari, es gehört in manchen deutschen Städten wie Hannover oder Hamburg zu den bedeutendsten Migrantensprachen.
Dari beherrscht die nördlichen, westlichen und zentralen Gebiete Afghanistans und ist die gemeinsame Sprache in Städten wie Masar-e Scharif, Herat, Fayzabad, Pandschschir, Bamiyan und der afghanischen Hauptstadt Kabul, in der sich alle ethnischen Gruppen niederlassen. Darisprachige Gemeinden existieren auch in Gebieten im Südwesten und Osten von Paschtunen, wie in den Städten Ghazni, Farah, Sarandsch, Laschkar Gah, Kandahar und Gardez.
Als Standardvarietät hat das Dari-Persische viele verschiedene Dialekte, darunter den Kabuler Dialekt, mit dem es nicht verwechselt werden sollte.
Die Dialekte unterscheiden sich voneinander. So steht der Herater Dialekt (Herati) den Dialekten des Osten Irans näher als die Dialekte des Ostens Afghanistans oder Hazaragi. Der Dialekt von Herat teilt Wortschatz und Phonologie mit dem iranischen Persisch und den restlichen Dari-Persisch-Dialekten.
Der Kabuli-Dialekt ist zum Standardmodell von Dari in Afghanistan geworden, ebenso wie der Teherani-Dialekt in Bezug auf Persisch in Iran. Seit den 1940er-Jahren sendet Radio Afghanistan seine Dari-Programme in Kabuli-Persisch. Seit 2003 führen die Medien, insbesondere die privaten Rundfunk- und Fernsehsender, ihre Dari-Programme mit der Kabuli-Variante durch.
Das afghanische Persisch ist keine eigene Sprache, sondern genauso wie das iranische Persisch eine Standardvarietät des modernen Neupersisch. Deren Schriftsprache ist gleich. Die gesprochene Sprache unterscheidet sich zum Teil.
Da das Dari-Persisch nicht standardisiert wurde, hängt die Aussprache nicht nur vom Kontext und Register, sondern auch stark vom Individuum, seiner Sozialisation, seine interne und externe Migration, seiner Bildung und seiner sozialen Klasse ab. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten in der Aussprache des Dari-Persischen, die sich zusätzlich vom iranischen Persisch unterscheiden:
Dadurch ist das Dari-Persisch in diesen Punkten seiner Aussprache näher als das iranische Persisch am klassischen Persisch.
Allerdings muss betont werden, dass das westafghanische Dari-Persisch (der Dialekt der Provinz Herat) dem ostiranischen Persisch ähnlich ist. So weist es beispielsweise den Unterschied in Nummer sechs nicht auf.
Die Syntax des Dari-Persischen ist überwiegend genauso wie die des iranischen Persisch. Allerdings wird را rā im Dari-Persischen nicht nur wie im iranischen Persisch zur Kennzeichnung des direkten, sondern wie im klassischen Persisch auch zur Kennzeichnung des indirekten Objekts verwendet.
Die Schriftsprachen besitzen dasselbe Vokabular. Es gibt jedoch einige Wortpräferenzen, die das Dari-Persisch vom iranischen Persisch, jedoch aus denselben Gründen wie bei der Aussprache auch zwischen jedem afghanischen Sprecher unterscheiden lassen.
Es gibt lokal unterschiedliche Wörter für eine Reihe von Begriffen, ähnlich wie „Aprikose“ und „Marille“ im bundesdeutschen und österreichischen Deutsch. Ein Schuh wird in Iran als کفش, DMG kafš und in Afghanistan als پاپوش, DMG pāpōš, wörtlich „Fußbekleidung“, bezeichnet, und „mit etwas fertigwerden“ heißt in Iran چیزی را تمام کردن, DMG čīz-ī rā tamām kardan (wörtlich: „eine Sache fertig machen“), und in Afghanistan از چیزی خالص شدن, DMG az čīz-ē ḫāliṣ šudan (wörtlich: „von einer Sache frei werden“)
In Iran wurde 1935 eine Sprachakademie unter dem Namen Akademie für persische Sprache und Literatur (persisch فرهنگستان زبان و ادب فارسی, DMG Farhangestān-e zabān wa adab-e fārsī) eingerichtet, die das iranische Persisch reguliert. Unter anderem ist sie bestrebt, Fremdwörter durch persische zu ersetzen. Dieser Prozess hält bis heute an. Demgegenüber wurde in Afghanistan das afghanische Persisch nicht reguliert, dafür jedoch viel mehr Energie in die Weiterentwicklung des Paschto gesteckt. Daher heißt „Student“ im iranischen Persisch heute دانشجو, DMG dānešǧū, wörtlich: „Wissenssucher“, während man in Afghanistan weiterhin das aus dem Arabischen stammende Wort محصل, DMG muḥaṣṣil verwendet.
Ältere europäische Fremdwörter kommen in Iran tendenziell eher aus dem Französischen, in Afghanistan durch die Nähe Britisch-Indiens eher aus dem Englischen. Zum Beispiel heißt die Steckdose in Iran پریز, DMG perīz (von französisch prise), in Afghanistan aber ساکت, DMG sāket (von englisch socket). Auch wird der Name „Deutschland“ in Iran, persisch آلمان, DMG Ālmān, aus französisch „Allemagne“ abgeleitet, wohingegen dasselbe Land in Afghanistan auch جرمنى, DMG Ǧermanī (von englisch „Germany“) genannt wird.
Lehrbücher
Wörterbücher
Sprichwortsammlungen
Lesebücher
Literatursammlungen
Schrift
Einführungen
Literaturüberblick
Wörterbücher