Dark Romance (zu Deutsch: Dunkle Romantik) ist ein Subgenre des Liebesromans und des New-Adult-Genres. In Dark-Romance-Geschichten bewältigen die Hauptcharaktere aufkommende Konflikte und durchlaufen eine positive Entwicklung. Die Romane enden typischerweise mit einem glücklichen Ende für die Hauptfiguren. Eine Trigger-Warnung vor Beginn der Geschichte ist üblich, um auf die in solchen Büchern behandelten Themen hinzuweisen.
Dark Romance greift unter anderem die folgenden Themen auf:
Einige Dark-Romance-Romane enthalten übernatürliche Elemente wie Vampire oder Werwölfe.
Verfasser von Dark Romance sind vorwiegend Autorinnen. Viele davon kommen aus den USA wie beispielsweise H. D. Carlton, Penelope Douglas, Ana Huang und Sophie Lark. Eine bekannte britische Autorin ist Rina Kent.
Im deutschsprachigen Raum veröffentlichen u. a. folgende Autorinnen, die unter Pseudonym schreiben: Mia Kingsley (Pseudonym von Natalie Rabengut), Jane S. Wonda (auch J. S. Wonda) und Saphira White.
Beispiele für Dark-Romance-Romane sind Haunting Adeline von H. D. Carlton, Corrupt sowie Credence von Penelope Douglas und die Catching-Beauty- sowie Very-Bad-Reihe von Jane S. Wonda.
Die weiblichen Hauptfiguren haben oft belastende Erfahrungen gemacht, beispielsweise in Form von sexueller Belästigung.
Die männlichen Hauptfiguren werden als mächtig und gefährlich dargestellt. Sie üben keinen konventionellen Beruf aus, sondern sind häufig Mitglieder des organisierten Verbrechens oder in anderen Gruppen, die außerhalb der gesetzlichen Grenzen agieren. Ein zentrales Motiv des Genres ist der sogenannte „morally gray character“. In der Regel wird dieser von der männlichen Hauptfigur verkörpert, welcher damit als Antagonist oder Bösewicht erscheint und seine weiche Seite ausschließlich der weiblichen Hauptfigur offenbart.
Die Beziehung der Hauptcharaktere ist insgesamt von starker Intensität geprägt.
Es findet eine emotionale Katharsis der Protagonistin und des Protagonisten statt und die Charaktere erwartet ein hoffnungsvoller und positiver Ausgang der Erzählung.
Auch wenn viele dunkle Liebesgeschichten in einem monogamen heterosexuellen Rahmen zwischen einer Protagonistin und einem Protagonisten spielen, so gibt es auch andere Figurenkonstellationen. Bei Dark Romance mit Tropes (=Erzählmustern) wie „Reverse Harem“ (=umgekehrter Harem) oder „Why choose?“ (=warum sich entscheiden?) nimmt die Protagonistin gleichzeitig Beziehungen mit mehreren männlichen Charakteren auf und lebt mit ihnen in polyamoren Konstellationen mit unterschiedlicher sozialer Rollenverteilung.
Zudem gibt es zahlreiche queere Dark-Romance-Bücher, die Liebesgeschichten unter Frauen oder unter Männern schildern mit vielfältigen Geschlechterrollen. Bücherfans haben auf Literaturplattformen wie goodreads entsprechende Sammlungen von LGBT Dark Romance, Gay Dark Romance und Queer Dark Romance angelegt samt zugehörigen Bewertungen und Besprechungen der Bücher und ihrer Hauptfiguren.
Sowohl Contemporary Romance als auch Dark Romance thematisieren die Herausforderungen romantischer Beziehungen.
Während in Contemporary Romance Konflikte meist durch persönliche Unsicherheiten oder Bindungsängste entstehen, resultieren sie in Dark Romance aus äußeren Umständen.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Darstellung der männlichen Hauptfigur. In Contemporary Romance übt diese meist einen konventionellen Beruf aus, der als maskulin und bodenständig gilt, beispielsweise als Landwirt oder Wissenschaftler.
Zudem behandelt Contemporary Romance vorwiegend realitätsnahe Themen, wodurch sich die Leser leichter mit den Charakteren identifizieren können.
Zu Dark Romance äußern sich im öffentlichen Diskurs, etwa in Presse- und Fernseh-Beiträgen sowie in sozialen Medien, unterschiedliche Stimmen:
Robert Coordes vom Berliner Institut für Beziehungsdynamik weist auf problematische Aspekte der Rezeption von Dark Romance hin: Er betont, dass die wiederholte Darstellung toxischer Dynamiken in solchen Inhalten zu einer Normalisierung führen könne, bei der Gewalt in Beziehungen tolerierbar oder begehrenswert erscheine. Zudem bestehe die Gefahr einer Desensibilisierung, da wiederkehrende Gewaltszenarien die emotionale Reaktion auf solche Themen abschwächen könnten. Weiterhin könnten Dark-Romance-Inhalte Ängste in Bezug auf Beziehungen verstärken, insbesondere bei sensiblen Lesern. Personen, die sich in toxischen oder missbräuchlichen Beziehungen befänden, könnten durch den Konsum solcher Werke weiter dazu angeregt werden, diese Verhaltensmuster als normal oder unvermeidbar anzusehen. Eine wiederholte Konfrontation mit gewalttätigen Szenarien könne zu einer Zunahme der Aggressionsbereitschaft führen.
Die Psychologin Anaïs Kaluza kritisiert die Romantisierung toxischer und gewalttätiger Beziehungsdynamiken in Dark-Romance-Inhalten ebenfalls.
Die deutsche Dark-Romance-Autorin Jane S. Wonda widerspricht diesem Vorwurf und ist davon überzeugt, dass ihre Romane zeigten, wie die Hauptfiguren ungesunde Beziehungen überwänden. Dark Romance-Autoren wie Alessia Gold warnen vor einem Lesen der Bücher durch Minderjährige.
Die Journalistin Natalia Grabke teilt die Ansicht, dass in vielen Dark-Romance-Büchern problematische Beziehungsstrukturen nicht ausreichend hinterfragt würden, betont jedoch auch, dass ähnliche Machtgefälle zwischen Männern und Frauen in anderen Buchgenres und insbesondere in der Mainstream-Pornographie völlig normal seien und dort kaum hinterfragt würden. Die Kritik an Dark Romance sei nicht unberechtigt, aber es gebe "eine Schieflage in der Debatte, in der insbesondere von Frauen für Frauen geschriebene Inhalte schneller moralisch bewertet werden als vergleichbare Phantasien in anderen Genres".
Außerdem argumentiert die chinesisch-amerikanische Dark-Romance-Autorin Ana Huang, Dark Romance sei für eine reife Leserschaft konzipiert, die zwischen Fiktion und Realität unterscheiden könne.
Im hessischen Lahn-Dill-Kreis wurde empfohlen, Dark Romance-Literatur nicht in Schulbibliotheken aufzunehmen.
Erste Veröffentlichungen zu Dark Romance in wissenschaftlichen Fachzeitschriften liegen vor. Sie analysieren die Texte, die Gemeinschaften der überwiegend weiblichen Autorinnen und Leserinnen, sowie die Wirkungen des Genres vor dem Hintergrund unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen: