Data Warehouse

Ein Data Warehouse (kurz DWH oder DW; wörtlich „Datenlager“, im Deutschen dominiert die englische Schreibweise, die Schreibweise Datawarehouse wird jedoch auch verwendet) ist eine für Analysezwecke optimierte zentrale Datenbank, die Daten aus mehreren, in der Regel heterogenen Quellen zusammenführt. Der Begriff stammt aus dem Informationsmanagement in der Wirtschaftsinformatik. Vollständige Daten zum Beispiel eines Unternehmens oder eines größeren Projekts, die in der Regel als Rohdaten vorliegen und nicht bereits nach bestimmten Vorgaben verarbeitet oder ausgewählt wurden, werden hingegen in Data Lakes vorgehalten.

Begriff

Mitte der 1980er-Jahre wurde bei IBM der Begriff information warehouse geschaffen. Der Terminus data warehouse wurde erstmals 1988 von Barry Devlin verwendet.

Es gibt derzeit keine einheitliche Definition für den Begriff „Data Warehouse“. Weitgehend gilt jedoch:

Unterschiede bei den Definitionen finden sich vor allem im generellen Zweck eines Data Warehouses sowie im Umfang und Umgang mit den Daten im Data Warehouse.

Die Einschränkung „physisch“ ist notwendig, um das Data Warehouse von dem „logischen“ föderierten Datenbanksystem abzugrenzen.

Betrieb (Data Warehousing)

Der Erstellung eines Data Warehouses liegen zwei Leitgedanken zugrunde:

  1. Integration von Daten aus verteilten und unterschiedlich strukturierten Datenbeständen, um im Data Warehouse eine globale Sicht auf die Quelldaten und damit übergreifende Auswertungen zu ermöglichen.
  2. Separation der Daten, die für das operative Geschäft genutzt werden, von solchen Daten, die im Data Warehouse etwa für Aufgaben des Berichtswesens, der Entscheidungsunterstützung, der Geschäftsanalyse sowie des Controllings und der Unternehmensführung verwendet werden.

Der Gesamtprozess der Datenbeschaffung, Verwaltung und Auswertung eines Data Warehouses wird auch als Data Warehousing bezeichnet. Zum Data Warehousing gehören:

In den Data Marts werden die Daten häufig als mehrdimensionale Matrizen im sogenannten Sternschema oder in verwandten Datenschemata wie Schneeflocken- und Galaxy-Schema abgelegt.

In den letzten Jahren hat sich mehr und mehr die Abkehr von der turnusmäßigen Beladung hin zur Echtzeitbeladung des Data Warehouse vollzogen (real-time data warehousing). Manche Branchen wie die Telekommunikationsindustrie und der Einzelhandel hatten Bedarf nach sofort verfügbaren Daten unter Wahrung der Trennung von operativen und auswertenden Systemen. Real-Time-Data-Warehousing ermöglicht zudem das unmittelbare Zurückspielen der Ergebnisse in die operativen Systeme. Damit beeinflussen Analyseergebnisse von Daten des Data Warehouse wiederum die das Data Warehouse speisenden operativen Systeme (closed loop).

Anwendungen

Ausschnitt aus dem Data-Warehouse-System

Risiken

Die 59. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder vom 14./15. März 2000 weist in ihrer Entschließung zum Thema Data Warehouse, Data-Mining und Datenschutz auf das rechtliche Risiko hin, das mit diesen Verfahren verbunden ist.

Insbesondere ist das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und für den Schutz der Privatheit in Gefahr.

Grund ist die Möglichkeit der genannten Verfahren, personenbezogene Daten über ihre Zweckbindung hinaus zu speichern und zu nutzen, was unter bestimmten Umständen rechtswidrig ist. Als Empfehlung gilt, auf Techniken zu setzen, die eine anonymisierte oder pseudonymisierte Form der ursprünglich personenbezogenen Form der Daten verwenden.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Barry Devlin: Data Warehouse. From Architecture to Implementation. Addison-Wesley, ISBN 0-201-96425-2.
  2. ↑ P. Mertens et al.: Grundzüge der Wirtschaftsinformatik. 5. Auflage. Springer Verlag, Berlin 1998, S. 72.
  3. ↑ William H. Inmon: Building the Data Warehouse. John Wiley & Sons, 1996, ISBN 978-0-471-14161-7, Seite 33
  4. 1 2 Andreas Bauer, Holger Günzel: Data-Warehouse-Systeme: Architektur, Entwicklung, Anwendung. dpunkt, 2013, ISBN 3-89864-785-4
  5. 1 2 Ralph Kimball, Mary Ross: The Data Warehouse Toolkit. The Complete Guide to Dimensional Modeling. Wiley, ISBN 0-471-20024-7
  6. ↑ Thomas Zeh: Data Warehousing als Organisationskonzept des Datenmanagements. Eine kritische Betrachtung der Data-Warehouse-Definition von Inmon. In: Informatik – Forschung und Entwicklung. 18, Nr. 1, 2003 (PDF).