David Marr (* 19. Januar 1945 in Essex; † 17. November 1980 in Cambridge (Massachusetts)) war ein englischer Psychologe, Informatiker und Mathematiker. Er gilt als einer der Begründer der Neuroinformatik und entwickelte ein Modell des Sehens als Informationsverarbeitung des Gehirns, die nach den Prinzipien der elektronischen Datenverarbeitung eines Computers funktioniert.
Der Marr Prize wurde nach ihm benannt und wird alle zwei Jahre auf der International Conference on Computer Vision (ICCV) vergeben.
Ausgebildet an der Rugby School studierte Marr Mathematik und Neuroinformatik an der Universität Cambridge, an der er 1971 bei Giles Brindley promoviert wurde (A general theory for cerebral cortex). Später war er Professor am Massachusetts Institute of Technology. Unheilbar an Leukämie erkrankt, schrieb er unter großen Anstrengungen am Ende seines Lebens an seinem Hauptwerk Vision, das erst zwei Jahre nach seinem Tod unter Mithilfe vieler Kollegen erschien.
1979 erhielt er den IJCAI Computers and Thought Award.
Marr verknüpfte Ergebnisse der Psychologie, Künstlichen Intelligenz und Neurophysiologie zu einem neuen Modell der Funktionsweise des Sehens. Für ihn ist Sehen eine Informationsverarbeitung des Gehirns, das gar nicht mit Bildern operiert, deren Licht ja bereits auf der 2-dimensionalen Netzhaut gestoppt und von ihr in neuronale Aktivität umgewandelt wird. Diese elektrischen Aktivitätsmuster repräsentieren die Außenwelt und werden erst im Gehirn zu dem kombiniert, was wir Sehen nennen. Um diesen Prozess zu verstehen, muss man nach Marr Fragen auf drei Ebenen klären:
Diese Unterscheidungen Marrs erlangten in der Folge auch Bedeutung in anderen Disziplinen, so bei Design und Analyse künstlicher neuronaler Netze.
Sehen als die Verarbeitung von zweidimensionalen Daten der Netzhaut (Retina) zu einer dreidimensionalen Beschreibung der Welt ist nach Marr ein Prozess, der in vier Stufen abläuft:

Obschon Marrs Modell des Sehens umstritten ist, so lieferte es als Nebenprodukt einen wichtigen Beitrag zur erst Ende der 1980er Jahre entstehenden Theorie der Wavelets. Insbesondere zur Erkennung von Kanten sind nach Marr die Nullstellen der zweiten Ableitung der Helligkeitsfunktion entscheidend, also ihre Wendepunkte, siehe nebenstehende Abbildung. Da die Retina ein zweidimensionales Bild liefert, führt dieser Ansatz mathematisch auf die zweite Ableitung der zweidimensionalen Gaußschen Normalverteilung als Filterfunktion,
Heute nennt man diese Funktion oft Marr-Wavelet, es ist der mit (−1) multiplizierte und wegen seiner Form sogenannte Mexikanische Hut:

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Marr, David |
| KURZBESCHREIBUNG | englischer Mathematiker |
| GEBURTSDATUM | 19. Januar 1945 |
| GEBURTSORT | Essex |
| STERBEDATUM | 17. November 1980 |
| STERBEORT | Cambridge (Massachusetts) |