David Scheidemann (auch Schideman; * vor 1591; † um 1629, vermutlich außerhalb von Hamburg) war ein deutscher Organist und Komponist der norddeutschen Orgelschule.
Über die Herkunft und die Ausbildung von David Scheidemann liegen keine historischen Aufzeichnungen vor. Seine berufliche Laufbahn lässt sich ab dem Jahr 1591 nachweisen, als er als Organist im niedersächsischen Oberndorf (Oste) (damals Averndorp) tätig war. Während seiner bis 1595 andauernden Amtszeit an der dortigen Orgel arbeitete er erstmals mit dem Hamburger Orgelbauer Hans Scherer dem Älteren zusammen. Diese Verbindung sollte sich Jahre später in Hamburg als bedeutend erweisen.
Um die Monatswende von Februar auf März 1595 verlegte Scheidemann seines Lebensmittelpunkt nach Wöhrden (historisch Oldenwöhrden) in Dithmarschen. Dort stand ihm ein Instrument zur Verfügung, das der Orgelbauer Antonius Wilde kurz zuvor fertiggestellt hatte. In dieser Phase wurde um 1596 sein Sohn Heinrich Scheidemann geboren, der später zu einem der einflussreichsten Orgelkomponisten des Barock heranreifen sollte. Ein weiterer Sohn, Philipp Scheidemann, schlug eine Laufbahn als Porträtmaler („Conterfeier“) ein und erwarb im Mai 1624 das Hamburger Bürgerrecht. Neben seiner festen Anstellung in Wöhrden war David Scheidemann auch als Orgelsachverständiger gefragt; so ist im September 1598 seine Teilnahme an einer Orgelabnahme im nahegelegenen Hemme dokumentiert.
Nachdem die renommierte Organistenstelle an der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen nach dem Tod von Johannes Hesterbarch zwei Jahre vakant geblieben war, trat Scheidemann 1604 dessen Nachfolge an. In den zeitgenössischen Hamburger Quellen wurde er zu dieser Zeit auch als „David aus Dithmarschen“ bezeichnet. Bereits 1605 initiierte er ein ambitioniertes und sehr kostspieliges Projekt: Er beauftragte die renommierte Werkstatt der Orgelbauerfamilie Scherer mit einer umfassenden Erweiterung der Katharinenorgel. Nach Erkenntnissen der modernen Musikwissenschaft kam dieser tiefgreifende Umbau, bei dem auch ein völlig neuer Prospekt entstand, faktisch einem Neubau gleich.
Scheidemann förderte früh das Talent seines Sohnes Heinrich und erteilte ihm den ersten Musikunterricht. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde von St. Katharinen finanzierte er ab 1611 dessen dreijährige Weiterbildung bei dem berühmten niederländischen Meister Jan Pieterszoon Sweelinck in Amsterdam.
Wann genau David Scheidemann aus dem aktiven Dienst ausschied und wann er verstarb, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Seine letzte namentliche Erwähnung in den Akten fällt in das Jahr 1620. In der Forschung wird traditionell das Jahr 1629 als sein Todesjahr angesetzt, da in diesem Jahr sein Sohn Heinrich die Stelle an St. Katharinen übernahm. Weil sich in den Hamburger Kirchenbüchern kein Begräbniseintrag für David Scheidemann findet, wird davon ausgegangen, dass er die Stadt im Alter verließ und andernorts verstarb.
Historische Bedeutung erlangte David Scheidemann vor allem als Mit-Herausgeber des wegweisenden Hamburger Melodeyen-Gesangbuchs von 1604. Dieses Gemeinschaftswerk, das er zusammen mit Hieronymus Praetorius, Joachim Decker und Jacob Praetorius veröffentlichte, gilt als Meilenstein der protestantischen Kirchenmusik. Mit diesem Druck setzte sich in Hamburg die Praxis durch, vierstimmige Kantionalsätze so zu setzen, dass die Hauptmelodie gut hörbar im Diskant (der Oberstimme) liegt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scheidemann, David |
| ALTERNATIVNAMEN | Schideman, David |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Organist und Komponist der norddeutschen Orgelschule |
| GEBURTSDATUM | vor 1591 |
| STERBEDATUM | um 1629 |
| STERBEORT | unsicher: nicht Hamburg |