Deakzession

Deakzession (aus lateinisch de „weg von“ und accedere „hinzukommen“, „wachsen“) bezeichnet die Aussonderung, Reduktion, Bereinigung, den Abbau oder Abgang von Beständen bzw. Sammlungen einer Bibliothek, eines Archivs oder eines Museums. Die Deakzession ist also eine Art der Bestands- oder Sammlungsbereinigung und bezeichnet damit den gegenteiligen Vorgang der Akzession (Erwerbung, Zugang).

Gründe und Kriterien für die Deakzession

Eine regelmäßige Bereinigung des Bestands wird in Bibliotheken, Museen und Archiven zunehmend als wiederkehrende Arbeit erkannt, die bestimmten Regeln unterliegt und dokumentiert werden soll.

Gründe für die Deakzession sind:

Durch die regelmäßige Deakzession von Büchern, Medien, Archivalien oder Sammlungsgegenständen wird verhindert, dass der Bibliotheks- oder Archivbestand oder die Sammlung eines Museums an Attraktivität verliert.

Die Aussonderung von Beständen bzw. Sammlungsgegenständen hat zur Folge, dass:

Formen der Deakzession

Im Museum

In der Bibliothek

Im Archiv

In Archivbibliotheken

In Archivbibliotheken wie der Herzogin Anna Amalia Bibliothek oder der Staatsbibliothek zu Berlin gelten strenge Grenzen bei der Aussonderung.

Kritik

Aussonderungsaktionen führen teilweise zu Kritik und Protesten. Vor allem für Archivbibliotheken werden Aussonderungen kritisch gesehen. So ist bei historischem Altbestand der Begriff Dublette umstritten, da zum Beispiel Inkunabeln unikale Merkmale aufweisen und damit nicht als Dublette gelten dürfen. Prinzipiell können alle im Hand- beziehungsweise Bleisatz gefertigten Drucke Unterschiede im Druckbild aufweisen, die durch Korrekturen, Änderungen aufgrund von Zensur oder den typographischen Kreislauf entstehen konnten. Auch Bucheinbände können sich unterscheiden. Ebenso können Bücher aller Erscheinungsjahre Provenienzspuren enthalten. Auch in diesen Fällen handelt es sich nicht um echte Dubletten. Vor allem bei historischem Bestand müssen Richtlinien zum Kulturgutschutz beachtet werden.

Deakzessionen können auch aus politischen Gründen stattfinden und dienen damit der Zensur, wie zum Beispiel die Aussonderungen während der Zeit des Nationalsozialismus im Zusammenhang mit den Bücherverbrennungen. Der Deakzession aus politischen Gründen diente auch die Liste der auszusondernden Literatur in der Sowjetischen Besatzungszone und in der Deutschen Demokratischen Republik.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Uwe Czubatynski: Betriebsorganisation. Konservierung, Zentralkatalogisierung, Kassation: Zum Problem der Aussonderung. In: Bibliotheksdienst. Band 38, Nr. 12, Januar 2004, ISSN 2194-9646, S. 1612, doi:10.1515/bd.2004.38.12.1612 (degruyter.com [abgerufen am 5. März 2020]).
  2. ↑ Roland Wagner: Aussonderungen an Universitätsbibliotheken. 15. November 2012, ISSN 1438-7662, doi:10.18452/2077 (hu-berlin.de [abgerufen am 14. September 2022]).
  3. ↑ Michael Knoche: Was sind Archivbibliotheken und wozu sind sie gut? (1). In: Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn. Abgerufen am 14. September 2022 (deutsch).
  4. ↑ Michael Knoche: Was sind Archivbibliotheken und wozu sind sie gut? (2). In: Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn. Abgerufen am 14. September 2022 (deutsch).
  5. ↑ Marius: Von entsorgten Büchern und Bibliotheken in Gefahr - Buch-Haltung. 5. September 2022, abgerufen am 14. September 2022 (deutsch).
  6. ↑ Michael Knoche: Print-Bestände der Bibliotheken schrumpfen – Gespräch mit Corinna Roeder. In: Aus der Forschungsbibliothek Krekelborn. Abgerufen am 14. September 2022 (deutsch).
  7. ↑ heise online: Software überlistet: US-Bibliothekare erfinden Kunden, um Bücher zu bewahren. Abgerufen am 14. September 2022.
  8. ↑ Klaus Graf: Kommentar zum FAZ-Artikel zu Eichstätt — “Aussonderungs- und Abgaberichtlinien im Altbestand” ? In: Archivalia. (hypotheses.org [abgerufen am 14. September 2022]).
  9. ↑ Klaus Graf: Über die Abgabe angeblicher Inkunabeldubletten durch Bibliotheken. In: Archivalia. Abgerufen am 14. September 2022 (deutsch).
  10. ↑ New tech for old books: collating Thomas Browne | RCP Museum. Abgerufen am 14. September 2022.
  11. ↑ Arbeitshilfe Manifestationen: verschiedene Ausgaben versus Druckvarianten. Deutsche Nationalbibliothek, Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS), 31. Juli 2019, abgerufen am 14. September 2022.
  12. ↑ Tobias Pohlmann: Erfüllungsgehilfen? Die Rolle der Bibliotheken im Rahmen der Bücherverbrennungen 1933. In: Perspektive Bibliothek. Band 1, Nr. 2, 2012, ISSN 2194-8992, S. 193–221, doi:10.11588/pb.2012.2.9462 (uni-heidelberg.de [abgerufen am 14. September 2022]).

Literatur