| Dellplatz | |
|---|---|
Dellplatz mit Pfarrkirche St. Joseph | |
| Basisdaten | |
| Ort | Duisburg |
| Ortsteil | Dellviertel |
| Hist. Namen | Papendelle |
| Einmündende Straßen | Dellstraße, Neue Marktstraße, Wallstraße, Grünstraße, Papendelle |
| Nutzung | |
| Nutzergruppen | Fußverkehr, Kraftfahrzeuge, Parkplätze |
| Technische Daten | |
| Platzfläche | ca. 9300 m² |
Der Dellplatz ist ein Duisburger Platz im Zentrum des sogenannten Dellviertels südlich der Friedrich-Wilhelm-Straße und westlich der am Kantpark vorbeiführenden Düsseldorfer Straße.

Der Platz hieß im 19. Jahrhundert Papendelle. In dem 1850 erstellten Bauplan der Stadt war der Name Neumarkt vorgesehen. Seit 1890 weisen die Adressbücher den Platz als Dellplatz aus.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hieß das Dellviertel Papendell. Der Name rührt von der niederdeutschen Bezeichnung für Tal her und bezieht sich auf das Tal des Dickelsbachs. Der Platz umfasst die Fläche der Kirche St. Joseph und den sechseckigen östlich anschließenden Platz.
Der Dellplatz ist ein kultureller Mittelpunkt in Duisburg. Neben dem Kleinkunsttheater „Die Säule“ und dem Kulturhaus Grammatikoff befindet sich dort das Filmforum und die Hausbrauerei Webster.
Das Dellviertel lag außerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Auf dem Corputius-Plan, dem von Johannes Corputius verfertigten besonders detailgenauen Plan Duisburgs aus der Vogelschau, ist die Flusssenke des Dickelsbachs und der Ort des heutigen Dellplatzes im rechten oberen Teil gut zu erkennen.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte der Ausbau des Straßennetzes im Dellviertel. Die Papendell entstand aus der Erweiterung eines Straßenkreuzpunktes und wurde zu einem zentralen Marktplatz. Im Stadtviertel befanden sich bis ins 20. Jahrhundert unterschiedliche Gewerbebetriebe wie Textilspinnereien, Zucker-, Seifen- und Stärkefabriken. Heute befinden sich an diesen Stellen Wohnbauten.
Spontane Demonstration auf dem Dellplatz 1937
"Der Vorfall ereignete sich nach einer religiösen Woche in der Vorweihnachtszeit 1937. Sie fiel mit dem 50jährigen Priesterjubiläum des Prälaten Cüppers, Pfarrer von St. Josef, zusammen. Es begann alles scheinbar ganz harmlos und endete mit einem der größten Eklats während der 12jährigen NS-Herrschaft in Duisburg. Am Vorabend des 5. Dezember hatten sich zwei unbekannte Dominikaner-Patres aus Düsseldorf im St.-Vinzenz-Hospital einquartiert; es war der Gestapo nur gelungen, ihre Ordensnamen "Urbanus" und "Paulinus" herauszubekommen. Sie hielten in der Woche von 5.bis zum 12. Dezember abwechselnd an jedem Tag drei Predigten in der St.-Josefs-Kirche. Der Predigtzyklus war den Sakramenten gewidmet und politisch unverfänglich. So schien es jedenfalls nach dem Tenor zu sein, der von den Predigten des Pater Urbanus bestimmt wurde. Auch Pater Paulinus blieb während der ersten Tage im theologischen Rahmen. Dann bemerkten die Horchposten der Gestapo, daß der Pater Kurs auf die Katholische Aktion nahm und äußerst geschickt - immer gerade so weit, daß sich keine Handhabe zum polizeilichen Einschreiten bot - die nationalsozialistische Weltanschauung angriff. Am 8. Dezember ging Pater Paulinus einen gewagten Schritt weiter. In einem Gleichnis gab er zu verstehen, daß die Katholiken zur Versöhnung mit ihren bisher schärfsten Gegnern, den Kommunisten, bereit sein müßten, und ließ die lapidare Erklärung folgen, daß man nicht mehr nach fernen Ländern sehen müsse, um zu erkennen, wo die Feinde des Christentums ständen; er hatte hinzugefügt: "Wem heute noch nicht die Augen aufgegangen sind und erkannt hat, wohin der Weg führt, der kann ruhig nach Hause gehen; er braucht sich meine weiteren Worte nicht mehr anzuhören". Einige ängstliche Zuhörer blieben daraufhin den letzten Referaten fern, doch die meisten verharrten eisern bis zum Schluß der Vortrahsreihe. Auf den letzten Tag, den 12. Dezember, war die Jubiläumsfeier des Prälaten Cüppers festgesetzt, zu der Bischof Galen seinen Besuch angekündigt hatte. Der Gestapo war die zunehmende Spannung nicht entgangen, aber sie hatte es nicht mehr riskiert, drei Tage vor dem Eintreffen des Bischofs die Veranstaltungen zu untersagen. Am Morgen des 12. Dezember füllten Delegationen der Frauenkongregation, der Arbeitervereine und des (bereits verbotenen) Jungmännervereins die Bänke der St.-Josefs-Kirche. Galen traf pünktlich ein und zelebrierte das Pontifikalamt. Von überall her strömten Menschen auf den Dellplatz. In kürzester Zeit hatten sich über 2000 (so der Gestapobericht) eingefunden. Aus der Menge ertönte der Choral "Großer Gott wir loben Dich". Als der Bischof später von der Kirche zur Wohnung des Prälaten Cüppers geleitet wurde, rief jemand aus einer Gruppe "Treu Heil"; der Gruß galt als der Oppositionsgruß der katholischen Jugend in Duisburg. Das Stichwort zündete sofort in der Menge. In rhythmischem Wechsel hörte man dann die Rufe "Treu Heil" und "Heil Bischof", gleichzeitig waren hochgereckte Arme mit gespreizten Fingern zu sehen, ein spontan entstandenes Siegeszeichen (-V-?) oder ein Protestsysmbol gegen den Hitler-Gruß. Als daraufhin in Zivil getarnte Geheimpolizisten Verstärkung von den in Alarmbereitschaft wartenden Einsatzkommandos der Polizei holten und die Menge auseinanderzutreiben versuchten, kam es zu tumultartigen Szenen. Jugendliche und Frauen setzten sich heftig gegen die anrückenden Polizisten zur Wehr. An einigen Stellen war aus dem Handgemenge "gemeine Schweinehunde" herauszuhören. Über 20 Personen wurden festgenommen und abgeführt. [...] Die Gestapo vermutete, gestützt auf die Angaben eines V-Mannes, daß die Demonstration von einer Gruppe des Hamborner Jungmännervereins nicht nur ausgelöst, sondern auch bis ins Detail geplant worden sei, und nahm an, daß der Zwischenfall inszeniert worden war, um der ausländischen Presse Bilddokumente über die Katholikenverfolgung übergeben zu können. U.a. wurde ein Fotograf aus Düsseldorf (ein Herr Konrad) verhaftet, der mit einer Kleinbildkamera die Szene zu fotografieren versucht hatte. [...] Um den Zwischenfall nicht weite Kreise ziehen zu lassen, hatte die Gestapo eine einfache, aber offenbar erfolgreiche Methode angewandt. Die Störer wurden nicht nach Motiven befragt, sondern nach Feststellung der Personalien sofort wieder entlassen. So wurde den Opponenten demonstrativ gezeigt, daß ihr Verhalten nicht als politischer Akt, sondern als Übertretung einer Polizeivorschrift gewertet wurde. - Dem Impetus der spontanen Erregung waren auf diese Weise Züge des Banalen verliehen worden".
Koordinaten: 51° 25′ 48″ N, 6° 45′ 42″ O