
Denise Vernay, geborene Denise Suzanne Jacob (geboren 21. Juni 1924 im 9. Arrondissement, Paris; gestorben 4. März 2013 im 13. Arrondissement, Paris), war eine jüdische französische Widerstandskämpferin. 1944 wurde sie verhaftet, als sie zwei Funkgeräte und Geldmittel für die Widerstandsorganisation Maquis des Glières transportierte. Sie wurde von der Gestapo gefoltert und anschließend ins KZ Ravensbrück deportiert. Nach dem Krieg wurde sie zu einer wichtigen Zeitzeugin über Widerstand und Deportation. Sie war die Schwester von Simone Veil.
Vernay war das zweite von vier Kindern von André Jacob (1891–1944), einem Architekten, und Yvonne Steinmetz (1900–1945). Sie hatte eine ältere Schwester namens Madeleine („Milou“), einen jüngeren Bruder namens Jean und eine jüngere Schwester, die später als Simone Veil eine bekannte Politikerin wurde. 1924 zog die Familie von Paris nach Nizza.
Zum Zeitpunkt der deutschen Besatzung in den letzten Jahren des Lycees schrieb sie zusammen mit einer Mitschülerin die von Radio Londres verbreiteten Parolen und Botschaften an die Schultafel und verteilte anschließend Flugblätter. Sie war Pfadfinderin und später Gruppenleiterin (cheftaine) in der laizistischen Fédération française des éclaireuses und führte den Fahrtennamen „Miarka“. 1941 legte sie das Baccalauréat in Philosophie und Mathematik ab.
Als sich im Herbst 1942 die Verhaftungsaktionen gegen ausländische Juden verschärften, schloss sie sich der Union générale des israélites de France in Nizza an und beteiligte sich daran, jüdische Kinder und deren Eltern zu verstecken.
Im September 1943, während eines Ausbildungslagers für Pfadfinderführerinnen, warnte ihr Vater sie und ihre ältere Schwester Milou vor der zunehmenden Intensität der Razzien. Vernay beschloss daraufhin, Kontakt mit der Résistance aufzunehmen. Über die Eltern einer befreundeten Pfadfinderführerin kam sie mit der Widerstandsbewegung Franc-Tireur in Verbindung. Im Oktober 1943 wurde sie im Alter von 19 Jahren mit ihrem Fahrtennamen „Miarka“ als Decknamen Verbindungsagentin der Bewegung in Lyon. Von Oktober 1943 bis Mai 1944 brachte sie geheime Nachrichten in Briefkästen im Zentrum von Lyon unter und verbreitete die Untergrundzeitung Franc-Tireur.
Am 18. März 1944 besuchte sie ihre Familie in Nizza zum 21. Geburtstag ihrer Schwester Milou. Nur zehn Tage später wurden ihre Angehörigen als Juden verhaftet und deportiert. Diese Nachricht veranlasste sie, noch gefährlichere Aufgaben in der Résistance zu übernehmen und sich einer Maquis anzuschließen.
Anfang April 1944 ging sie nach Annecy und wurde unter dem Decknamen „Annie“ Verbindungsagentin der Mouvements unis de la Résistance in Département Haute-Savoie. Freiwillig übernahm sie die Aufgabe, in der Département Saône-et-Loire abgeworfene Funkgeräte und Geldmittel abzuholen und zur Maquis des Glières zu bringen. Sie legte dazu 240 Kilometer mit dem Fahrrad bis nach Cluny zurück, übernahm dort die Ausrüstung und transportierte sie mit dem Taxi nach Caluire, wo sie von Reine Bruppacher, einer Führerin der Fédération française des éclaireuses, beherbergt wurde. Am folgenden Tag, dem 18. Juni 1944, wurde ihr Taxi auf dem Weg zum Bahnhof von Aix-les-Bains zwischen Bourgoin und La Tour-du-Pin von einer Gestapo-Einheit angehalten. Vernay wurde zum Gestapo-Hauptquartier am Place Bellecour in Lyon gebracht und von den Männern Klaus Barbies gefoltert. Unter anderem wurde sie einer Form des Waterboardings unterzogen.
Nach ihrer Verhaftung war sie zunächst zehn Tage im Fort Montluc inhaftiert. Anschließend wurde sie über das Internierungslager Fort de Romainville und das KZ Neue Bremm gebracht, bevor sie am 26. Juli 1944 Ravensbrück erreichte. Da sie unter einem Pseudonym registriert war und ihre jüdische Herkunft unbekannt blieb, wurde sie als Widerstandskämpferin und nicht als Jüdin deportiert, anders als die übrigen Mitglieder ihrer Familie. In Ravensbrück übernahm sie trotz eigener Erschöpfung wiederholt freiwillig die Plätze polnischer Mitgefangener, die durch medizinische Experimente geschwächt waren, um für sie die stundenlangen Appelle durchzustehen. Davon berichtete später Germaine Tillion, die Vernay in Ravensbrück kennenlernte und zur Freundin gewann. Am 2. März 1945 wurde sie in einem „Nacht-und-Nebel“-Transport nach Mauthausen verlegt, wo die Deportierten ermordet werden sollten. Ihre Befreiung erfolgte schließlich am 21. April 1945 durch eine Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.
Ihr Vater und ihr Bruder wurden in den Lagern ermordet. Ihre Mutter und ihre Schwestern wurden nach Auschwitz deportiert. Die Mutter starb in Bergen-Belsen, während die beiden Schwestern im April 1945 befreit wurden.
1947 heiratete sie Jacob Alain Weil, genannt Alain Vernay (1918–2015), einen ehemaligen Résistance-Kämpfer, Journalisten und Wirtschaftsberater. Das Paar hatte drei Kinder und sieben Enkelkinder.
Ihr gesamtes weiteres Leben widmete Vernay der Erinnerung an Widerstand und Deportation. Sie war aktives Mitglied der Association nationale des anciennes déportées et internées de la Résistance (ADIR) und wirkte gemeinsam mit Mitinhaftieren wie Geneviève de Gaulle-Anthonioz, Marie-José Chombart de Lauwe oder Anise Postel-Vinay an der Gründung von La Fondation pour la Mémoire de la Déportation mit. Gemeinsam mit Tillion erforschte sie die Geschichte des KZ Ravensbrück. Noch 2004 wurde sie aufgrund ihrer „hohen Kompetenz im Bereich der Erinnerungskultur“ vom Präsidenten für drei Jahre in das Haut Conseil de la mémoire combattante berufen.
Neben ihrem Engagement in der Erinnerungsarbeit war sie auch sozial tätig. Sie arbeitete für die Organisation La sauvegarde de l’adolescence, war von 1961 bis 1970 ehrenamtliche Bewährungshelferin und schloss sich 1968 Tillion zunächst an der École pratique des hautes études (EPHE) und später an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) an. Nach Feldforschungen über die Harki-Gemeinschaft verfasste sie 1976 unter Tillions Anleitung eine Studie unter dem Titel Un regroupement de Français musulmans. L’atelier de tissage de Lodève. Ab 1974 war sie Mitglied des Verwaltungsrats und später Vizepräsidentin des Service social familial nord-africain (SSFNA). In den Jahren 1975 bis 1976 gehörte sie der Kommission für die Integration von Einwandererfamilien an. Von 1977 bis 1979 war sie Mitglied der Arbeitsgruppe „Migranten“ des Conseil supérieur de l’information sexuelle, de la régulation des naissances et de l’éducation familiale (CSIS).
Vernay starb im Alter von 88 Jahren in Paris.
Nach dem Krieg wurde Vernay das Croix de guerre 1939–1945 mit Palmenzweig und mit Dekret vom 3. Januar 1946 die Médaille de la Résistance verliehen. Mit Dekret vom 8. August 1988 wurde sie Commandeur der Ehrenlegion und mit Dekret vom 14. November 2003 erhielt sie das Großkreuz des Ordre national du Mérite.
Im 3. Arrondissement von Lyon wurde am 25. Mai 2021 die Esplanade Denise-Vernay eingeweiht und Jardin des Grands-Explorateurs Marco-Polo et Cavelier-de-la-Salle im 6. Arrondissement von Paris befindet sich die Allée Denise-Vernay. In Albi, Orléans und Bordeaux sind Straßen nach ihr benannt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vernay, Denise |
| ALTERNATIVNAMEN | Jacob, Denise Suzanne |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Widerstandskämpferin der Résistance |
| GEBURTSDATUM | 21. Juni 1924 |
| GEBURTSORT | 9. Arrondissement, Paris, Frankreich |
| STERBEDATUM | 4. März 2013 |
| STERBEORT | 13. Arrondissement, Paris, Frankreich |