Eherner Reiter (Reiterstandbild)

Eherner Reiter, linke Seite mit kyrillischer Inschrift
Eherner Reiter, rechte Seite mit lateinischer Inschrift

Der Eherne Reiter (russisch Медный всадник Medni wsadnik) auf dem Senatsplatz in Sankt Petersburg erinnert an Kaiser Peter I. von Russland, genannt „der Große“. Das barocke Reiterstandbild wurde im Jahr 1782 vom Bildhauer Étienne Maurice Falconet errichtet. Es steht auf dem Donnerstein (russisch Гром-камень Grom-kamen), dem größten von Menschen bewegten Stein der Welt.

Beschreibung

Mit der populären Bezeichnung Eherner Reiter wird das 1782 errichtete bronzene Reiterstandbild des Kaisers Peter der Große auf dem Sankt Petersburger Senatsplatz benannt. Die Reiterstatue ist eines der Wahrzeichen von Sankt Petersburg. Kaiser Peter I. von Russland ist hoch zu Ross auf einem sich aufbäumenden Pferd dargestellt, unter dessen Hufen eine Schlange zertreten wird. Die Szene soll Peters Sieg über die Schweden in der Schlacht bei Poltawa symbolisieren. Der Herrscher ist mit Lorbeerkranz, Toga und hochgebundenen Sandalen in antikisch-idealisierender Weise dargestellt. Er sitzt ohne Steigbügel auf einem Fell statt des damals üblichen Sattels, und auch sein Schwert hat kein zeitgenössisches Vorbild. Das kourbettierende Pferd setzt die ansteigende Bewegung des monolithen, natürlich geformten Sockels fort. Der weiter unten beschriebene Donnerstein-Sockel trägt die Beschriftung in Latein („Petro Primo / Catharina Secunda / MDCCLXXXII“) auf der rechten und auf Russisch („Петру Первому / Екатерина Вторая / Лѣта 1782“; deutsch: „Peter dem Ersten / Katharina die Zweite / 1782“) auf der linken Seite.

Das Motiv des auf den Hinterbeinen stehenden Pferdes ist eine hellenistische Bilderfindung und wurde in der Nachantike erstmals von Leonardo da Vinci zeichnerisch aufgegriffen, aber nicht als Skulptur verwirklicht. Erst Pietro Tacca gelang die Realisierung eines solchen statisch heiklen Bronzegusses im Reiterdenkmal für Philipp IV. (1635–1640, Madrid). Gianlorenzo Berninis Reiterdenkmal des Kaisers Konstantin ist dagegen noch technisch und kompositorisch an den Reliefhintergrund gebunden und auch sein Ludwig XIV. benötigte noch kaschierte Stützen.

Das Denkmal in St. Petersburg steht am Ende einer bemerkenswerten Tradition barocker Reiterdenkmäler, die ausschließlich der Verherrlichung von Herrschern vorbehalten waren. Die antikisierende Kostümierung und der Gestus der flach ausgestreckten rechten Hand sollten an römische Reiterstandbilder (etwa das Mark Aurels) erinnern. Aber auch auf den ikonographischen Typus des Drachenbezwingers St. Georg (des russischen Nationalheiligen) wird mit dem zertretenen Reptil unter der Hinterhand des Pferdes angespielt.

Geschichte

Eherner Reiter und Isaakskathedrale, um 1900

Die Kaiserin Katharina die Große ließ das Denkmal von dem berühmten französischen Bildhauer Étienne-Maurice Falconet errichten. Seine Schülerin Marie-Anne Collot schuf den Kopf des Kaisers, Fjodor Gordejew die Schlange. Den Guss leitete Wassili Jekimow. Katharina wollte mit dem monumentalen Denkmal ebenso Peter wie sich selbst Unsterblichkeit verleihen. Falconet war 1766 einem Ruf der Kaiserin nach St. Petersburg gefolgt, arbeitete dort 1768 bis 1770 am Modell des Denkmals, aber erst als 1780 der riesige Findling für den Sockel nach St. Petersburg gebracht worden war, konnte zwei Jahre später das 13,60 m hohe Denkmal enthüllt werden.

Eine technische Meisterleistung war der Transport des Sockels. Der Donnerstein genannte Monolith wiegt etwa 1250 Tonnen und wurde in einem Stück aus der Umgebung des etwa 22 km entfernten Lachta (finnisch Lahti) auf einer Art Kugellagerbahn und auf einem für diesen Zweck gebauten Kahn herantransportiert. Der Findling war während der Eiszeit an dem Fundort nahe der Küste liegen geblieben. Seit die Baugrube voll Wasser lief, existiert an der Fundstelle ein kleiner See (Petersee). Später errichtete man davor eine russisch-orthodoxe Kirche.

Die Aufgabe, einen so schweren Stein zu bewegen, stellte 1780 eine Meisterleistung des Ingenieurs Marinos Charvouris dar. Er galt als die schwerste bis zu diesem Zeitpunkt in einem Stück bewegte Masse. Der ursprüngliche Findling wog fast 2000 Tonnen und wurde mit Holzkohlefeuern etwas geglättet. Charvouris ließ den Findling ausgraben, ersann eine Art Wagenkasten und ließ diesen mit Seilwinden und Muskelkraft bewegen. Die Arbeiten dauerten ein ganzes Jahr. Angesichts des sumpfigen Bodens in dem Gebiet war das Gelingen des Vorhabens nicht sicher. Entgegen allen Befürchtungen kamen keine Menschen zu Schaden. Auf zeitgenössischen Abbildungen ist der Transportvorgang dargestellt.

Zudem gibt es umfangreiche Beschreibungen in der russischen Literatur, die zu einer Legendenbildung um das Denkmal führten. So soll ein Blitz in den Stein eingeschlagen sein, was zur Veränderung der Farbe an dessen Vorderseite geführt haben soll. Tatsächlich hat man wohl zwei weitere Findlinge angefügt, um die Form einer Welle nachzustellen, wodurch der Eindruck eines Risses entsteht. Die steinerne Welle mit dem Reiter symbolisiert die Eroberung des Meeres.

Rezeption

Ansicht des Denkmals Peters I. auf dem Senatsplatz in Sankt Petersburg, Wassili Iwanowitsch Surikow, 1870

Nach dem 1833 geschriebenen Gedicht „Der eherne Reiter“ (im russischen Original „Медный всадник“) von Alexander Puschkin, das von diesem gewissermaßen ewig gleichen Reiter und dem Kampf eines kleinen Mannes handelt, bekam die Figur ihren charakteristischen Beinamen. Das Puschkin-Gedicht gehört bis heute zum literarischen Kanon an russischen Schulen; es ist daher allen Russen geläufig. Das Denkmal spielt bis heute eine bedeutende Rolle im Stadtbild. Fast ständig liegen frische Blumen zu seinen Füßen, frisch verheiratete Paare kommen hierher, um zu feiern und sich vor ihm fotografieren zu lassen. Im Jahre 2002 ließ die Stadtverwaltung das Denkmal restaurieren.

1870 verarbeitete der russische Maler Wassili Iwanowitsch Surikow den Ehernen Reiter in seinem Gemälde Ansicht des Denkmals Peters I. auf dem Senatsplatz in Sankt Petersburg.

Seit 1934 ist der Eherne Reiter das Erkennungszeichen von Lenfilm (russ. Ленфильм), einem der größten Filmstudios Europas mit Sitz in Sankt Petersburg.

Siehe auch

Literatur

Commons: Eherner Reiter (Reiterstandbild) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Lexikon der Kunst, Band 4, Leipzig 1977, S. 81, Artikel Reiterstandbild. Für weitere Beispiele zu diesem Bildtyp siehe
    Commons: Equestrian statues with 2 legs on ground – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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Koordinaten: 59° 56′ 11,6″ N, 30° 18′ 7,81″ O