| Desulfofaba | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Systematik | ||||||||||||
| ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Desulfofaba | ||||||||||||
| Knoblauch et al. 1999 |
Desulfofaba ist eine Gattung von Bakterien. Die Art Desulfofaba gelida ist psychrophil ("kälteliebende"), sie zeigt Wachstum bei Temperaturen zwischen 1,8 und 10 °C. Bei Temperaturen über 10 °C findet kein Wachstum mehr statt. Die Arten zählen zu den dissimilatorischen sulfatreduzierenden Mikroorganismen, sie führen die Desulfurikation (Sulfatatmung) durch. Dabei werden Schwefelverbindungen, wie beispielsweise Sulfat (Anion der Schwefelsäure), zu Sulfid bzw. Schwefelwasserstoff reduziert. Es handelt sich um eine anaerobe Atmung. Anstatt wie bei der „normalen“ Atmung Sauerstoff, werden hierbei die Schwefelverbindungen als Elektronenakzeptoren genutzt. Als Elektronenspender (Donator) und Kohlenstoffquelle können je nach Art verschiedenen Verbindungen genutzt werden, wie beispielsweise Alkohole und Fettsäuren.
Die Zellen sind stäbchenförmig oder gekrümmte Stäbchen, im Durchschnitt mit einer Größe von 2,0–3,1 × 3,0–6,2 µm (je nach Art unterschiedlich). Sie kommen einzeln oder paarweise vor. Sporenbildung wurde nicht beobachtet. Die Gram-Färbung fällt negativ aus, die Zelle ist also von zwei Membranen mit dazwischen liegender, dünnen Mureinschicht umgeben. Die Beweglichkeit der Zellen von Desulfofaba gelida ist nur in älteren Kulturen zu beobachten. Die Zellen von D. hansenii enthalten kugelförmige Einschlüsse von 0,1–0,2 µm, die Polyhydroxyalkanoaten ähneln.


Sulfat und Sulfit dienen als terminale Elektronenakzeptoren und werden durch die Desulfurikation zu Schwefelwasserstoff (H2S) reduziert. Die Desulfurikation wird auch als Sulfatatmung oder dissimilatorische Sulfatreduktion bezeichnet. Schwefelverbindungen wie Sulfat oder Sulfit werden hier zu H2S umgewandelt: Die Elektronen werden vom Substrat, beispielsweise von Fettsäuren, auf die Schwefelverbindung übertragen. Desulfofaba gelida und Desulfofaba fastidiosa können beide Sulfat, Thiosulfat und Sulfit nutzen, D. gelida kann hierbei noch Thiosulfat nutzen. Die Art Desulfofaba hansenii kann nur Sulfat und Thiosulfat verwenden.

Desulfofaba hansenii kann in Gegenwart von Acetat (das Anion der Essigsäure) chemolithoheterotroph mit Wasserstoff (H2) und Kohlendioxid (CO2) wachsen.
Es folgt eine Tabelle mit einigen Merkmalen der Arten:
| Eigenschaften | Desulfofaba gelida | Desulfofaba hansenii | Desulfofaba fastidiosa |
|---|---|---|---|
| Morphologie | Stäbchen | Gebogenes Stäbchen | Gebogenes Stäbchen |
| Zellgröße in µm | 3,1 × 5,0–6,2 | 2,0–3,0 × 3,0–6,0 | 0,8–1,0 × 3,0–3,8 |
| Motilität | − (Motilität kann in älteren Kulturen vorkommen) | + | + |
| DNA-G+C-Gehalt (mol%) | 52,5 (LC) | 53,4, 53,0 (Genom) | 48,8 (LC) |
| Hauptmenachinon | MK-8 | Nr | Nr |
| Optimaler pH-Wert | 7.1–7.6 | 7.2–7.4 | 6,8–7,1 |
| Optimale Temperatur (°C) (Bereich) | 7 (1,8–10) | 20 (8–30) | 28 (5–33) |
| Optimale NaCl-Konzentration (g/l) | 14–25 | 13 | 10–16 |
| Wachstumsfaktorbedarf | − | Nr | Nr |
| Oxidation des Substrats | Unvollständig | Unvollständig | Unvollständig |
| Verbindungen, die als Elektronendonatoren und Kohlenstoffquellen verwendet werden | |||
| H2 / CO2 | − | +a | − |
| Formiat | +a | Nr | Nr |
| Acetat | − | − | − |
| Fettsäuren | Fettsäuren mit drei und mit vier C-Atomen (C3 und C4) | C3 | C3 |
| Ethanol | + | + | − |
| Andere Alkohole | n-Propanol, n-Butanol und Glycerin | n-Butanol | n-Propanol |
| Laktat | + | − | + |
| Pyruvat | + | + | − |
| Fumarat | + | + | − |
| Succinat | + | + | − |
| Malat | + | Nr | Nr |
| Andere | Alanin und Glycin | Alanin | − |
| Fermentatives Wachstum | + | − | + |
| Disproportionierung reduzierter Schwefelverbindungen | − | Nr | Nr |
| Verwendete Elektronenakzeptoren | |||
| Sulfat | + | + | + |
| Sulfit | + | + | + |
| Thiosulfat | + | − | + |
| Schwefel | − | + | − |
Das Genom des Typstamms von Desulfofaba hansenii, Stamm P1, ist über 6.7 Mbp lang und kodiert für 5.348 Proteine und 126 stabile RNA-Gene. Einzelne Kopien der dissimilatorischen Adenylylsulfat-Reduktase (aprBA) sind an den membrangebundenen Qmo-Komplex (qmoABC) gekoppelt. Das Enzym AprBA ist an der Bildung von Sulfit aus Sulfat beteiligt, der Qmo-Komplex ist ein Membran-Elektronentransportkomplex, der Elektronen zur Adenylylsulfat-Reduktase (AprBA) weiterleitet. Es sind jeweils einzelne Kopien der Gene für die dissimilatorische Sulfit-Reduktase vorhanden. Diese Reduktase dient der Bildung von Sulfid aus Sulfit.
Der Typstamm von Desulfofaba gelida, Stamm PSv29, wurde mit Propionat als Elektronendonator und Kohlenstoffquelle aus einer anoxischen marinen Sedimentprobe aus Hornsund in Spitzbergen isoliert. Der Typstamm von Desulfofaba fastidiosa, Stamm P2, wurde mit Propionat als einzigem Elektronendonator und Kohlenstoffquelle aus der Sulfat-Methan-Übergangszone eines marinen Sediments an der Ostküste Jütlands isoliert. Aus den Wurzeln des Seegrases Zostera marina wurde der Stamm P1, der Typstamm von Desulfofaba hansenii, unter Verwendung von Propionat als einzigem Elektronendonator und Kohlenstoffquelle isoliert.
Mitglieder der Gattung Desulfofaba sind in anoxischen Brack- und Meeressedimenten häufig anzutreffen, insbesondere in permanent kalten Gebieten. Desulfofaba gelida wächst bei 1,8 bis 10 °C, sie ist obligat psychrophil, während die anderen zwei Arten, D. fastidiosa und D. hansenii noch bei 33 bzw. 30 Grad Wachstum zeigen, aber auch noch bei relativ niedrigen Temperaturen (D. fastidiosa: 5 Grad, D. gelida: 8 Grad) wachsen. Sulfatreduzierende Bakterien sind für bis zu 50 % der Remineralisierung von organischem Kohlenstoff in marinen Böden verantwortlich und spielen somit eine wichtige Rolle im marinen Ökosystem. Das erste beschriebene Bakterium, welches die Sulfatreduktion durchführt und auch niedrige Temperaturen toleriert, ist Desulforhopalus vacuolatus. Es wurde im Jahr 1996 beschrieben und zeigt noch bei 0 °C Wachstum. Die Sulfatreduktion bei niedrigen Temperaturen ist neben Desulfofaba noch bei Bakterien wie beispielsweise Desulfofrigus, Desulfotalea und Desulfovibrio anzutreffen.
Das wichtigste Atmungschinon von D. gelida ist Menachinon-8. Die Zellen von D. gelida enthalten die polaren Lipide Phosphatidylglycerin (PG) und Phosphatidylethanolamin (PE). Die wichtigsten zellulären Fettsäuren sind C15:0 (Pentadecansäure) und C15:1 cis-9.
Die Gattung Desulfofaba wurde im Jahr 1999 von Christian Knoblauch zuerst beschrieben. Sie zählt zu der Familie Desulfobacteraceae. Hier sind viele sulfatreduzierende Bakterien vorhanden. Im August 2026 waren drei Arten von Desulfofaba beschrieben:
Die Art Desulfofaba hansenii wurde zuerst als Desulfomusa hansenii beschrieben und später aufgrund phylogenetischer Untersuchungen zu der Gattung Desulfofaba gestellt.
Die Arten der Gattung Desulfofaba bilden keine klar abgegrenzte Gruppe. Die Gensequenzidentität des 16S-rRNA-Gens beträgt zwischen Desulfofaba gelida und Desulfofaba hansenii bei 93,6 % und bei Desulfofaba fastidiosa 91,9 %, während die Identität zwischen Desulfofaba hansenii und Desulfofaba fastidiosa bei 91,0 % liegt. Daher wäre es gerechtfertigt, für die beiden letztgenannten Arten jeweils eine neue Gattung zu etablieren.
Der Name Desulfofaba bedeutet soviel wie "eine sulfatreduzierende Bohne" und bezieht sich auf den Stoffwechsel und das Aussehen der einzelnen Zellen.