Detlef Garbe

Detlef Garbe (* 10. August 1956 in Göttingen) ist ein deutscher Historiker. Von 1989 bis 2019 war er Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Von Januar 2020 bis Juli 2022 leitete er als Gründungsvorstand die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte.

Wirken

Nach Freiwilligendienst bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und einem Studium der Geschichte mit den Nebenfächern Evangelische Theologie und Pädagogik promovierte er an der Universität Hamburg als Stipendiat des Evangelischen Studienwerks über die Geschichte der Zeugen Jehovas im Dritten Reich. Er gehörte 1982 zu den Gründern der Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes und arbeitete im Museum für Hamburgische Geschichte und bei zeitgeschichtlichen Ausstellungsprojekten. Garbe hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu den Themen Geschichte der Konzentrationslager, Wehrmachtjustiz, Vergangenheitsbewältigung und zu marginalisierten Opfergruppen publiziert, insbesondere zu den Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus. Er wurde 1989 Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, die bis 2019 der Hamburger Kulturbehörde unterstand. Er ist seit 1994 Redakteur der „Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland“ (seit 2020 in Mit-Herausgeberschaft der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland fortgeführt als "Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung"). Seit 1994 war er auch als Lehrbeauftragter für Zeitgeschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg tätig.

Garbe gehört zahlreichen Fachbeiräten an, u. a. dem Expertengremium Gedenkstättenförderung bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Beirat der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Von 2017 bis 2019 fungierte er als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten. Für seine Leistungen zur Erforschung der NS-Geschichte Hamburgs und Norddeutschlands wurde er 2017 vom Verein für Hamburgische Geschichte mit der Lappenberg-Medaille ausgezeichnet. Der Hamburger Senat verlieh ihm 2019 den Ehrentitel Professor für „seine großen Verdienste um die Erinnerungskultur in Hamburg“. Im Juni 2019 wurde Garbe im Rahmen einer Umstrukturierung der Hamburger Gedenkstättenarbeit Leiter der „Abteilung Gedenkstätten und Lernorte“ im Amt Kultur und anschließend Vorstand der neu gegründeten Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte. Als Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und als Stiftungsvorstand folgte ihm Oliver von Wrochem nach. Am 30. Juni 2022 wurde Garbe in den Ruhestand verabschiedet. Zu diesem Anlass würdigten ihn zahlreiche Kolleginnen und Kollegen deutscher und ausländischer Gedenkstätten mit der von Habbo Knoch und Oliver von Wrochem herausgegebenen Festschrift: „Entdeckendes Lernen: Orte der Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen“.

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten in Deutschland. Abgerufen am 1. August 2025.
  2. ↑ Jan Haarmeyer: Vom Nestbeschmutzer zum Professor. In: Hamburger Abendblatt vom 18./19. Mai 2019, S. 21, Online hier
  3. ↑ Neue Organisationsstruktur in der Gedenkstättenarbeit. Abgerufen am 14. Mai 2021.
  4. ↑ Hamburger Gedenkstättenstiftung nimmt Arbeit auf. Abgerufen am 14. Mai 2021.
  5. ↑ Prof. Dr. Detlef Garbe, langjähriger Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, in den Ruhestand verabschiedet. In: hamburg.de. 22. Juni 2022, abgerufen am 1. August 2025.