Diane Decker

Diane Decker (* 12. Mai 1956 in Lausanne) ist eine Schweizer Tänzerin und Choreografin aus dem Kanton Waadt. Sie ist seit den 1980er Jahren eine wichtige Akteurin in der Waadter und Genfer Tanzszene und ihre Arbeit markierte den Beginn des zeitgenössischen Tanzschaffens in der Romandie.

Biografie

Ausbildung

Diane Decker besuchte bereits im Alter von sechs Jahren Kurse des klassischen Tanzes in Lausanne. Nach der gymnasialen Matur erhielt sie ein Stipendium, welches ihr ermöglichte ein Jahr, von 1974 bis 1975, an einer amerikanischen Universität zu studieren. Dort besuchte sie vor allem Tanzkurse in englischem Tanz und Modern Dance bei Martha Graham, Merce Cunningham und Alvin Ailey in New York.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz studierte sie zwei Jahre an der Philosophischen Fakultät der Universität Lausanne und absolvierte 1980 die Zwischenprüfung in Psychologie.

Beruflicher und künstlerischer Werdegang

1979 schuf sie mit Dominique Genton den Pas de deux Faux-à-Face, welcher den ersten Preis am Internationalen Choreografie-Wettbewerb von Nyon gewann. 1980 choreographierte sie La Valse des ombres, eine Aufführung für zehn Tänzer, welche im darauf folgenden Jahr am Stadtfest in Lausanne gezeigt wurde und als das erste Stück des modernen Tanzes in der Romandie bezeichnet wird. Diese beiden Stücke «drücken das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, nach Befreiung von allen Arten innerer und äusserer Zwänge [...] aus, indem sie das Wesen in seinem Ringen mit der eigenen Dualität und in der Konfrontation mit all den Hindernissen inszenieren, die seinen Aufbruch verhindern» Zeitgleich gab sie Kurse in Körperausdruck am Gymnasium von Vevey und bediente die Kasse und die Bar des Théâtre Boulimie.

Ihr Hauptwerk, das Stück Lysis (Altgriechisch Auflösung – Lösung im ursprünglichen Sinn), das 1987 in Genf uraufgeführt wurde, ist von den Körperhaltungen hysterischer Personen inspiriert. Nach dem Autor "spricht es die Schwierigkeit in einer Beziehung zu sein an, aber auch die Suche nach der Kommunikation" und zielt darauf ab, "sich zu fragen wo sich das Theaterstück zwischen Kunst und Wahnsinn befindet". Zu ihrem Werk Rire, welches 1990 uraufgeführt wurde, schrieb das Journal de Genève: "Diane Decker wollte den Emotionen Gestalt verleihen, die unser Lachen auslösen oder begleiten – jenes Lachen, dessen Ausbrüche unsere Muskulatur, unser Skelett und unseren Atemrhythmus in Bewegung versetzen." (Diane Decker a voulu donner corps aux émotions qui causent ou accompagnent notre rire, lui dont les éclats mettent en branle notre musculature, notre ossature et notre rythme respiratoire).

Diane Decker war 1989 eine der drei Mitbegründerinnen der Compagnie Vertical Danse, welche sie aber 1992 verliess.

Lehre und andere Tätigkeiten

Ab 1975 Unterrichtete sie Contemporary in der Romandie. 1982 war sie an der Gründung der Tanzdienstage (Mardis de la danse) im Opernhaus Lausanne sowie 1984 an der Gründung des Collectif danse (Gemeinsames Tanzen) beteiligt.

Von 1993 bis 1999 war sie Präsidentin des Waadtländer Verbands für zeitgenössischen Tanz.

Ausserdem ist sie seit 1983 diplomierte Psychomotoriktherapeutin (Studium in Genf) und forscht seit 1995 gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Pascal Auberson zu den Themen Rhythmus und Bewegung.

Persönliches

1978 lernte sie den Pianisten Pascal Auberson kennen, mit dem sie zwei Kinder hat, darunter den Saxophonisten César Decker.

Werke

Auszeichnungen

Archiv

Videos aus dem Nachlass von Diane Decker befindet sich bei der Stiftung SAPA (Swiss Archive of Performing Arts) in Zürich. Zusätzlich führte SAPA ein Oral History Interview mit der Tänzerin durch.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Lisa De Rycke: Diane Decker. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz – Dictionnaire du théâtre en Suisse. Band 1. Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 437 f (französisch).
  2. 1 2 Oral History Interview Diane Decker. In: Stiftung SAPA. Abgerufen am 31. August 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 Jacqueline Jaquerod, « Diane Decker : L'essentiel, c'est de créer de l'émotion » (avec photographie), La Tribune de Lausanne, 12. Juli 1980, S. 11 (lire en ligne Archiv)
  4. 1 2 Diane Decker, Darstellende Künste. In: Fondation vaudoise pour la culture. Abgerufen am 25. August 2024.
  5. ↑ Jean-Pierre Pastori: Fascinante Valse des ombres. 24 heures, 3. August 1980, S. 17, abgerufen am 26. August 2026.
  6. 1 2 Patrick Lefrançois: "Diane Decker à l'Octogone". In: Gazette de Lausanne. 25. Februar 1988, S. 17 (letempsarchives.ch).
  7. 1 2 Jocelyne Clerc: L'hystérie comme danse (mit Fotos). In: L’Hebdo. 15. Oktober 1987, S. 121 (bcu-lausanne.ch).
  8. ↑ Stéphane Bonvin: La danse du rire. Journal de Genève, 21. Januar 1991, abgerufen am 31. August 2026.
  9. ↑ Christophe Passer, "Avec Diane, je suis tombé amoureux de la femme et de l'artiste" In L'Illustré. 17. Oktober 2007, S. 42
  10. ↑ Véronique Châtel, « Pascal Auberson : «La musique nous permet de nous passer de mots »Archiv», Générations, 1. März 2023, abgerufen am 25. August 2024
  11. 1 2 Patrick Lefrançois: Consécration pour Diane Decker. In: Gazette de Lausanne. 29. Februar 1988, S. 13 (letempsarchives.ch).
  12. ↑ Stéphane Bonvin: La danse du rire. In: Journal de Genève. 21. Januar 1991, S. 13 (letempsarchives.ch).
  13. ↑ Isabelle Fabrycy: Fous rires complices. In: Le Matin. Nr. 12, 1. Dezember 1990 (bcu-lausanne.ch).
  14. ↑ Bestand: Decker, Diane. Stiftung SAPA, Schweizer Archiv der Darstellenden Künste. Signatur: A-2054-AR/0771. Link