Der Strand Diaskari (Παραλία Διασκάρι) liegt an der Bucht von Makrygialos (Όρμος Μακρυγιαλού) des Libyschen Meeres und gehört zur Ortsgemeinschaft Pefki (Πεύκοι) der Gemeinde Ierapetra (Ιεράπετρα). Der Ort Pefki befindet sich 4,5Kilometer nördlich. Vom Tourismus an der Südküste geprägte Ort Makrygialos (Μακρυγιαλός) liegt 1,7Kilometer westlich. Der Hügel Vigla (Βίγλα), auf dem der archäologische Fundort lokalisiert wurde, trennt Diaskari vom Strand Langada (Παραλία Λαγκάδα) mit der Mündung des Flusses Andromylos (Ανδρόμυλος Ποταμός) im Südosten. Die Bezeichnung Vigla ist eine Entlehnung vom lateinischenVigilia und bedeutet „Wache“. Der Hügel zwischen Diaskari und Langada ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen 471Meter hohen Berg Vigla oberhalb von Makrygialos.
Strukturen auf dem Hügel Vigla
Anfang der 1970er Jahre entdeckte der griechische Archäologe Costis Davaras bei einer Bodenbegehung und Kartierung des Gebietes um Makrygialos etwa 300Meter östlich des Strandes Diaskari die Überreste einer ausgedehnten Siedlung, die er zunächst der spätminoischen Phase SMIII zuordnete. Auf den Grundstücken von E.Karantinos und P.Kopanaki erfolgten 1972 insgesamt elf je 5× 5Meter große Sondierungsgrabungen, die Gebäudestrukturen aufzeigten, deren Raumböden gepflastert und Wände gemauert waren, wie das Auffinden von Ziegelbruchstücken belegte. Die prähistorische Siedlung, deren Ausmaße und Bedeutung nach ihrem Entdecker fast mit Gournia gleichkam, nahm den gesamten Hügel Vigla ein. Davaras konzentrierte seine systematischen Ausgrabungen 1973 und 1977 jedoch auf die „Minoische Villa“ von Makrygialos, deren Standort sich 2,8Kilometer westlich der Siedlungsreste bei Diaskari befindet und die wahrscheinlich ausschließlich in der spätminoischen Phase SMIB bestand.
Abgedeckter Bereich am Ostrand von Vigla Richtung Langada
Nach der Reinigung und Begutachtung der Keramikfunde von Diaskari und weiterer Fundstücke, die beim Bau von Hotels gemacht wurden, sowie einer Geländeuntersuchung durch die Archäologen Metaxia Tsipopoulou, Donald Haggis und dem PetrologenPeter Day kam Davaras zu der Auffassung, dass die Siedlung auf dem Vigla bereits in der spätminoischen Phase SMI existierte, wenn nicht früher. Keramikfragmente zeigen Elemente des floralen- und des Meeresstils der minoischen Kunst der Neupalastzeit. Paul Faure vermutete in der Region von Makrygialos das antike Syrinthos (Σύρινθος), eine Polis, die bei Stephanos von Byzanz erwähnt wird. Davaras schlussfolgerte daraus, dass der deutlich vorhellenische Name wahrscheinlich die minoische Bezeichnung des Gebietes war. Gelegentlich wurde das ToponymSyrinthos als pelasgisch charakterisiert. Auch die Verortung des antiken Stalai (Στῆλαι) wird mit Makrygialos in Verbindung gebracht.
Karavospilios (‚Schiffshöhle‘)
Daten zu den neupalastzeitlichen Siedlungsmustern deuten darauf hin, dass Makrygialos-Diaskari, neben Petras und Zakros, das Zentrum einer dritten wirtschaftlichen und politischen Einheit im Osten Kretas darstellte, eine Auffassung, die 1997 von Metaxia Tsipopoulou und Anastasia Papacostopoulou formuliert wurde. Die Beziehungen dieser Zentren untereinander und zu den großen Palästen Zentralkretas bleibt unklar. Die Verbindung der „Minoischen Villa“ von Makrygialos zur Siedlung von Diaskari beschrieb Costis Davaras, entsprechend Philip P. Betancourt und Nanno Marinatos, als die einer „herrschaftlichen Villa“ zu einer Hafensiedlung, von deren Doppelhafen bei Diaskari und Langada die Fischerei und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten nach Osten gepflegt wurden. Inwieweit der Name Diaskari auf die Bezeichnung Dioskourion (Διοσκουρίων) für die Hafensiedlung, nach einem hier bestehenden Tempel der Dioskuren mit ihrer besonderen Beziehung zur Seefahrt, zurückgeht, gehört in den Bereich der Spekulation. Ebenso unsicher ist, ob sich in der vor der tektonischen Absenkung Ostkretas im Altertum höher über dem Meeresspiegel befindlichen Höhle Karavospilios (Καραβόσπηλιος ‚Schiffshöhle‘) am Meeresufer unterhalb des Vigla tatsächlich eine Werft befunden hat, auf die ihr Name weist.
Im Jahr 2009 beschrieb Krzystof Nowicki eine minoische Fundstätte auf dem Felsgrat oberhalb der Küstenebene zwischen Diaskari und Kalo Nero östlich von Makrygialos. Sie liegt auf einer Höhe von etwa 150Metern und war von einer heute stark erodierten Mauer aus mittelgroßen Steinen umgeben. Die meisten Keramikfragmente, die in einem Bereich von 16× 8Metern gefunden wurden, stammen aus der mittelminoischen Zeit, vermutlich der Phase MMII, während wenige weitere Funde auf eine kurzzeitige Besetzung in ENII des Endneolithikum oder der frühminoischen Phase FMI hindeuten.
Costis Davaras:The “Cult Villa” at Makrygialos. In: Robin Hägg (Hrsg.): The Function of the “Minoan Villa”. Proceedings of the Eighth International Symposium at the Swedish Institute at Athens, 6–8 June 1992. Svenska Institutet i Athen, 1997, ISSN0586-0539, S.118–120 (englisch, Digitalisat[abgerufen am 8.Januar 2019]).
Einzelnachweise
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12345Costis Davaras:The “Cult Villa” at Makrygialos. In: Robin Hägg (Hrsg.): The Function of the “Minoan Villa”. Proceedings of the Eighth International Symposium at the Swedish Institute at Athens, 6–8 June 1992. Svenska Institutet i Athen, 1997, ISSN0586-0539, S.118 (englisch, Digitalisat[abgerufen am 8.Januar 2019]).
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↑Costis Davaras:The “Cult Villa” at Makrygialos. In: Robin Hägg (Hrsg.): The Function of the “Minoan Villa”. Proceedings of the Eighth International Symposium at the Swedish Institute at Athens, 6–8 June 1992. Svenska Institutet i Athen, 1997, ISSN0586-0539, S.120,Fig.3und4 (englisch, Digitalisat[abgerufen am 8.Januar 2019]).
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↑Costis Davaras:The “Cult Villa” at Makrygialos. In: Robin Hägg (Hrsg.): The Function of the “Minoan Villa”. Proceedings of the Eighth International Symposium at the Swedish Institute at Athens, 6–8 June 1992. Svenska Institutet i Athen, 1997, ISSN0586-0539, S.119 (englisch, Digitalisat[abgerufen am 8.Januar 2019]).
↑Διασκάρι.Pefki Village,2018;abgerufen am 8.Januar 2019(griechisch).
↑Diaskari.Pefki Village,2018;abgerufen am 8.Januar 2019(englisch).
↑Krzystof Nowicki:Report on Investigations in Greece. XII. Studies in 2004–2010. In: Archeologia Classica. Band60. L’Erma di Bretschneider, 2009, ISSN0391-8165, Middle Minoan II and Late Minoan IB–II Defensive/Refuge Sites, S.75–76 (englisch, online[abgerufen am 8.Januar 2019]).
Diaskari – Vigla.In:Digital Crete: Archaeological Atlas of Crete.Foundation for Research and Technology-Hellas (FORTH), Institute for Mediterranean Studies;abgerufen am 1.Januar 2019(englisch).