| Die Ohne | |
|---|---|
| Beschreibung | Zeitschrift für ledige Frauen |
| Sprache | Deutsch |
| Verlag | Vernal-Verlag (Deutschland) |
| Hauptsitz | Nowawes |
| Erstausgabe | 1. April 1924 |
| Erscheinungsweise | halbmonatlich |
| Verkaufte Auflage | unbekannte Anzahl Exemplare |
| Chefredakteur | Fritz Edmund May |
| ZDB | 2418380-5 |
Die Ohne (Untertitel Die Frau ohne Mann / Halbmonatsschrift für Junggesellinnen) war eine Frauenzeitschrift zur Zeit der Weimarer Republik. Sie richtete sich explizit an unverheiratete Frauen und behandelte für diese relevante Themen. Der erste Jahrgang erschien im Jahr 1924 im Vernal-Verlag in Nowawes bei Berlin.
Den größten inhaltlichen Anteil an den erhaltenen Ausgaben hat die belletristische Literatur in Form von Dichtung (oft mit Illustrationen), Kurzgeschichten und Fortsetzungsromanen. Darüber hinaus finden sich Rubriken wie „Die Mode von Morgen“, die sich Fragen der Mode widmet oder „Was uns bewegt“, in welcher Einsendungen von Lesenden veröffentlicht wurden. In letzterer entstand aus Antworten und Bezugnahmen auf frühere Einsendungen ein Diskurs über die Themen der Lebenswelt lediger Frauen. Auch zielten die Herausgebenden darauf ab, eine persönliche Vernetzung lediger Frauen untereinander, aber auch solcher mit offenen Männern, zu fördern. Beispielsweise dafür lässt sich der Club „Die Ohne“, wie auch die regelmäßige Rubrik an Inseraten („Der Verkehr“) nennen.
Bemerkenswert ist, dass „Die Ohne“, anders als andere Frauenzeitschriften der damaligen Zeit, bewusst ledige Frauen adressierte und ihren Themen eine Plattform bot. Dabei werden auch sonst tabuisierte Themen wie die Mutterschaft Lediger diskutiert. Die Zeitschrift ist somit ein Zeugnis von sich wandelnden weiblichen Selbstverständnissen unter dem Zeichen der Neuen Frau. Das Publikum bestand dabei zwar auch, aber nicht ausschließlich, aus lesbischen Frauen, wie die Beschäftigung mit Formen unehelicher heterosexueller Partnerschaft und diverse Kontaktanzeigen belegen.
Während die belletristische zu einem großen Teil aus der Feder männlicher Autoren stammt, sind die meisten gesellschaftlichen und politischen Beiträge genau wie viele der Gedichte unter diversen Pseudonymen veröffentlicht. Es lässt sich davon ausgehen, dass diese zumindest teilweise von Frauen verfasst wurden, die ihre Identität aus sozialen Gründen verbergen wollten. Als Gesamtverantwortlicher lässt sich Fritz Edmund May als Hauptschriftleiter ausmachen.
Die Ohne erschien zweimal monatlich im Vernal-Verlag in der damaligen Stadt Nowawes (heute zu Potsdam-Babelsberg). Sie ließ sich quartalsweise im Abonnement für 80 Pfennig pro Ausgabe beziehen. Für den Bezug aus Österreich und dem übrigen Ausland galten abweichend höhere Preise. Gedruckt wurde die Zeitschrift im Quartformat, klammergeheftet. Neben dem klarnamentlich benannten Hauptschriftleiter Fritz Edmund May, der Autorin Hede Linsmayer und dem Autor Hugo Poethko, veröffentlichten in der Ohne zahlreiche Schreibende ausschließlich mit Initialen oder unter meist wiederkehrenden Pseudonymen, darunter: Alba, Cavon, Issa von Etto, Ive, Mir und Novak.
Die Ohne widmete sich einer Vielzahl von für ihr Publikum relevanten Themen der Zeit, wie der Frage der Mutterschaft als unverheiratete Frau, dem Abtreibungsparagraphen § 218 StGB oder der moralischen Ablehnung nichtehelicher Partnerschaften. Ebenso behandelt wurden eher lebenspraktische Fragen wie die Schwierigkeiten einer Wohnsituation als Untermieterin, die Mode (in der Rubrik „Die Mode von Morgen“) oder auch die Reaktionen von Männern auf rauchende Frauen.
Aber auch Esoterik findet beiläufig einen Platz, wie die Rubrik „Medicamera obscura“ bezeugt. Um Leserinnen an sich zu binden, veranstaltete der Verlag verschiedene Aktionen wie Bücherverlosungen und Preisausschreiben.
In jeder Ausgabe wurden auch zahlreiche kommerzielle Anzeigen inseriert. Dabei richten sich die Reklamen vorwiegend an eine weibliche Kundschaft. Geworben wird z. B. für Diätseifen, Mittel gegen Menstruationsbeschwerden und diverse Kosmetika. „Die Ohne“ ist somit auch ein Zeugnis der Erschließung von Frauen als selbstständige, zahlungsfähige Kunden von die Artikeln, die sie für sich selbst erwerben und nicht als Verwalterin ihres familiären Haushalts.
Schon im ersten Jahrgang warb die Zeitschrift für den Club „Die Ohne“, zur „zwanglose[n] Aussprache“ unverheirateter Damen. Anstoß dafür gaben Zuschriften von Leserinnen an die Redaktion und das Engagement eines gewissen Herrn Felix Ziege als „warm für die Bewegung eintretende[r] freiwillige[r] Mitarbeiter unseres Blattes“. Der Club traf sich im Vereinszimmer der Berliner Conditorei Telchow, nahe des Zoologischen Gartens. Um die Privatsphäre der Teilnehmerinnen zu schützen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu gewährleisten, wurde um die schriftliche Anforderung einer Einladung gebeten.
Auch in anderen deutschen Städte sollen sich Ohne-Clubs gegründet haben, in denen sich unverheiratete Frauen austauschen und sich gemeinsam für ihre Situation einsetzen konnten. Im Zuge dessen, scheint sich auch die Bezeichnung der "Ohne" für unverheiratete Frauen über das Umfeld der Zeitschrift durchgesetzt haben.