The Blind Girl

John Everett Millais – The Blind Girl, 1854–56.

The Blind Girl (dt.: „Das Blinde Mädchen“) ist ein Ölgemälde auf Leinwand von John Everett Millais aus dem Jahr 1856. Es zeigt zwei wandernde Bettlerinnen, vermutlich Schwestern, von denen eine blinde Musikerin ist und ihre Ziehharmonika auf dem Schoß hat. Sie verweilen nach einem Regenschauer am Straßenrand, bevor sie in die im Hintergrund sichtbare Stadt Winchelsea weiterreisen.

Das Gemälde wurde als Allegorie der Sinne interpretiert, welche die Erfahrungen der blinden und der sehenden Schwester gegenüberstellt. Die eine spürt die Wärme der Sonne auf ihrem Gesicht und betastet einen Grashalm, während die andere ihre Augen vor Sonne oder Regen schützt und einen gerade erschienenen doppelten Regenbogen betrachtet. Einige Kritiker haben den Regenbogen biblisch gedeutet, als Zeichen des Bundes Gottes, wie er in Gen 9,16 LUT beschrieben wird.

Als das Gemälde 1856 erstmals ausgestellt wurde, wies man Millais darauf hin, dass bei doppelten Regenbögen die Reihenfolge der Farben im zweiten Regenbogen umgekehrt ist. Millais hatte die Farben ursprünglich in beiden Regenbögen in der gleichen Reihenfolge gemalt. Er änderte dies.

Ein Kleiner Fuchs (tortoiseshell butterfly) sitzt auf dem Schal des blinden Mädchens und deutet an, dass sie sich ganz still hält. Das Schild um ihren Hals trägt die Aufschrift „Habt Mitleid mit den Blinden“ („Pity the Blind“).

Das Bild befindet sich im Birmingham Museum and Art Gallery, England. Es ist 83 × 62 cm groß.

Kulturgeschichtliche Referenzen

Der Autor und Physiker Arthur C. Clarke benutzte Das blinde Mädchen als Metapher unseres Menschseins im Universum. Die Menschheit der Jetztzeit wäre wie das blinde Mädchen, das weder Gewitterwolken noch Schmetterling bemerkt und so, anders als seine sich fürchtende Schwester, nichts von Gefahren oder der Schönheit des Universums mitbekommt.

Einzelnachweise

  1. ↑ Combining Details and Mood in The Blind Girl. The Victorian Web. victorianweb.org.
  2. ↑ M. Cohen: Engaging English art: Entering the Work in Two Centuries of English Painting and Poetry. Alabama: University of Alabama Press 1987.
  3. ↑ K. Flint: The Victorians and the Visual Imagination. Cambridge: Cambridge University Press 2000: S. 72.
  4. ↑ Philip Ball: Bright Earth: Art and the invention of color. University of Chicago Press 2003: S. 24. ISBN 978-0-226-03628-1
  5. ↑ ORF-Radio. 2022, S. Ca. Minute 55 (gegen Ende), abgerufen am 28. März 2026.