Dieter Freese

Dieter Freese (* 14. August 1939 in Dreschvitz) ist ein deutscher Raubmörder und Geldschrankknacker, der wegen seiner Ausbrüche in den Jahren 1962 und 1989 für großes Aufsehen sorgte.

Leben

Freeses Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, als Freese drei Jahre alt war. Freese fiel früh durch Gewalttaten auf. Er wurde daher im Alter von sechs Jahren im Kinderheim Schönwalde untergebracht. Von dort aus wurde er in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Ueckermünde überwiesen und kam später in eine Pflegefamilie. Nachdem er von dort weggelaufen war, wurde er mit 13 in einen Jugendwerkhof eingewiesen, wo er bis zum Alter von 17 Jahren blieb. Nach der Entlassung wollte er der Fremdenlegion beitreten, wurde jedoch nicht angenommen, da er zu jung war. Schließlich siedelte er ins Ruhrgebiet über. Nach seiner Zeit im Jugendwerkhof hielt er sich mit Gelegenheitsarbeiten und kleineren Straftaten über Wasser.

Am 25. Juli 1961 überfiel er erstmals eine Bank in Boppard und erbeutete 7.000 DM (heutiger Wert etwa 19.000 Euro). In der Zeit danach bildete er seine Bande, mit der er sieben Banken im Rhein-Main-Gebiet und in der Pfalz überfiel. Bei einem Raubüberfall zusammen mit vier Komplizen ermordete Freese am 14. Februar 1962 den Filialleiter der Sparkasse in Winningen an der Mosel, da dieser ihn mit den Worten „Ihr werdet alle ins Gefängnis kommen!“ provoziert habe. Bei dem Überfall wurden lediglich 1.600 DM erbeutet (etwa 4.000 Euro). Nach der Tat begaben sich die Bandenmitglieder getrennt auf die Flucht, versammelten sich aber in einer Gartenlaube in der Nähe von Boppard. Die Frau eines Komplizen informierte die Polizei über das Versteck. Während seine Komplizen festgenommen wurden, konnte Freese entkommen.

Freese suchte Ende Februar in der Umgebung des Siebengebirges Unterschlupf, zunächst in einem leerstehenden Wochenendhaus in Hövel bei Aegidienberg und später in den Königswinterer Ofenkaulen. Am 1. März versuchte ein Polizeibeamter, den Flüchtigen dort zu stellen. Freese gelang es jedoch, den Polizisten zu entwaffnen und zu fliehen. Mit der entwendeten Dienstwaffe Walther PPK erschoss er den Diensthund, der ihm nachsetzte.

Freese flüchtete mit einem gestohlenen Wagen weiter nach Bayern. Am 9. März fanden ihn zwei Polizisten nahe der tschechoslowakischen Grenze bei Freyung. Freese lag völlig erschöpft und schlafend in einem Waldstück.

Er und seine Komplizen wurden vor dem Landgericht Koblenz angeklagt. Freese wurden 160 Straftaten vorgeworfen. Am 5. November 1963 wurde er zu zweimal lebenslangem Zuchthaus wegen Mordes, 15 Jahren Zuchthaus wegen der übrigen Taten, darunter wegen schweren Raubes und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Auch seine Komplizen wurden zu Zuchthausstrafen zwischen vier und 13 Jahren, teilweise mit Sicherungsverwahrung, verurteilt.

Strafhaft und Entlassung

Am 1. Februar 1989 gelang Freese die Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Diez, womit er erneut in die Schlagzeilen kam. Schließlich fand ein Bahnpolizist mit Schäferhund zwölf Tage später den schlafenden Freese in einem Schafstall bei Boppard. Im Jahr 1992 gelang dem Verbrecher abermals die Flucht, wobei er erst zwei Monate später entdeckt wurde.

Am 27. September 1993 wurde Freese nach 30 Jahren Haft aus der Justizvollzugsanstalt Diez entlassen und in ein Betreuungsheim für ehemalige Langzeithäftlinge im Landkreis Euskirchen überstellt. Von dort setzte er sich ab. Recherchen der Rhein-Zeitung im Jahr 2012 ergaben, dass Freeses weiterer Verbleib nicht geklärt ist. Zuvor hatten Medien berichtet, Freese sei tot aufgefunden worden.

Verfilmung

Die Geschichte Dieter Freeses war das Vorbild für die Folge 21 der NDR-Krimiserie Stahlnetz unter dem Titel Der fünfte Mann, die erstmals am 23. August 1966 ausgestrahlt wurde.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Fall Freese: Chronologie der Ereignisse. in: Rhein-Zeitung, 14. Februar 2012
  2. 1 2 3 Hubertus Becker: Wer erschossen wird, ist selber schuld! Rhein-Mosel-Verlag, Bullay/Mosel 2022, ISBN 978-3-89801-460-1.
  3. 1 2 3 Urteil im Freese-Prozess. Telefonbericht von Horst Kleinheisterkamp. In: SWR Mediathek. SWR, 5. November 1963, abgerufen am 27. August 2026.
  4. ↑ http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/Sonst-niet-ich-dich-um-article778390.html
  5. ↑ 50 Jahre nach dem Raubmord: Lebt „Gangsterboss“ Freese noch? in: Rhein-Zeitung, 14. Februar 2012
  6. ↑ Jürgen Johann: Die Region erlebte deutsche Kriminalgeschichte (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive), in: Rhein-Zeitung, 28. Juli 2007 ( auf der Website der Gemeinde Winningen, abgerufen am 15. Februar 2012)
  7. ↑ Stahlnetz Folge 23 – Der fünfte Mann im Stahlnetz-Episodenführer
Personendaten
NAME Freese, Dieter
KURZBESCHREIBUNG deutscher Raubmörder und Geldschrankknacker
GEBURTSDATUM 14. August 1939
GEBURTSORT Dreschvitz