Johannes Dietrich Hahn (* 14. April 1946 in Frankfurt am Main) ist ein ehemaliger deutscher Publizist, der als Biograf seines Großvaters Otto Hahn bekannt wurde.
Dietrich Hahn ist der einzige Sohn des Kunsthistorikers Hanno Hahn und dessen Frau Ilse Hahn, geb. Pletz, und der einzige Enkel des Kernchemikers und Nobelpreisträgers Otto Hahn. Seine Kindheit und Jugend verlebte er in Frankfurt-Berkersheim und in Rom, wo er die Deutsche Schule besuchte. Nach dem frühen Unfalltod seiner Eltern im Jahr 1960 kehrte er nach Deutschland zurück.
Lise Meitner war seine Patentante. Als er sie im Juli 1965 zum letzten Mal in Cambridge besuchte, sagte sie zu ihm: „Über deinen lieben Großvater kann man gar nicht genug schwärmen, alle lieben ihn, alle verehren ihn, und ich ganz besonders. Bist du dir im Klaren, was es heißt, sein Enkel zu sein? Es ist ein Geschenk Gottes. Hast du das überhaupt verdient, Burscherl?“
Ab 1968 studierte er Darstellende Kunst an der Staatlichen Hochschule für Musik (Abt. IX, Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel) und bei Professor Marlise Ludwig in Berlin.
Von 1972 bis 1978 war er als Theaterschauspieler an verschiedenen deutschen Bühnen tätig. Danach konzentrierte er sich auf seine publizistische Arbeit. Ab 1983 war er außerdem zeitweise in Neuseeland verlegerisch aktiv.
Im Jahr 1988 stiftete Hahn die Otto-Hahn-Friedensmedaille, die vom Landesverband Berlin-Brandenburg der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen alle zwei Jahre verliehen wurde (zuletzt 2018). Anlässlich des 30. Todestages seiner Eltern stiftete er 1990 den Hanno-und-Ilse-Hahn-Preis, der von der Bibliotheca Hertziana in Rom an junge Kunsthistoriker verliehen wurde (zuletzt 2017).
In den 1970er Jahren wuchs Dietrich Hahns Interesse an Wissenschaftsgeschichte, insbesondere des 20. Jahrhunderts. Er beschäftigte sich als Autodidakt intensiv mit dem Leben und Werk von Otto Hahn und Lise Meitner.
Seit 1975 publizierte er Bücher und zahlreiche Beiträge für Presse, Hörfunk und Fernsehen, vornehmlich über Otto Hahn, Lise Meitner und Walther Gerlach. 1975 gab er im Econ Verlag den historischen Briefwechsel zwischen Hahn und Meitner (November 1938 bis März 1939) heraus. Karl-Erik Zimen, der Gründungsdirektor des Hahn-Meitner-Instituts in Berlin, schrieb das Vorwort.
Anlässlich des 100. Geburtstags von Otto Hahn erschien 1979 Dietrich Hahns Hauptwerk, eine Biografie Otto Hahns „in Bildern und Dokumenten“ im List Verlag, mit über 700 kommentierten Reproduktionen und Faksimiles historischer Dokumente. Der Wissenschaftshistoriker Friedrich Herneck war der Meinung, es gebe für keinen anderen Naturforscher eine vergleichbar ausführliche Darstellung, „auch nicht für Einstein“. Hermann Rudolph schrieb eine lobende Rezension in der FAZ.
Es war Hahn ein wichtiges Anliegen, die wissenschaftlichen Leistungen der Entdecker der Kernspaltung authentisch zu dokumentieren und für eine historisch korrekte Darstellung zu sorgen. Beispielsweise meldete er sich 1980 bei einem Kolloquium in München mit Kritik zu Wort, als Fritz Krafft in einem Vortrag die Entdeckung der Kernspaltung beschrieb. Im nächsten Jahr schrieb er zum selben Thema einen kritischen Leserbrief an die Zeitschrift Physikalische Blätter, wiederum als Reaktion auf eine aus seiner Sicht unangemessene Darstellung durch Fritz Krafft.
Walther Gerlach hatte 1969 eine 84 Seiten lange Monografie Otto Hahn – Ein Forscherleben unserer Zeit veröffentlicht, die wenig beachtet wurde. Dietrich Hahn ergänzte sie mit detaillierten Übersichten (Zeittafel, Lehrveranstaltungen, Bibliographie) und gab sie 1984 neu heraus. Die Neuausgabe hat einen Umfang von 267 Seiten.
1995 erregte er mit einer Protestaktion Aufsehen, die sich im Sinne seines Großvaters gegen die von Präsident Jacques Chirac angekündigten französischen Atombombentests im Mururoa-Atoll richtete: Er gab das Ordenskreuz der Ehrenlegion, das Präsident Charles de Gaulle 1959 Otto Hahn verliehen hatte, samt Urkunde zurück und fügte eine vierseitige Protestnote an Chirac bei.
2002 verkaufte er den privaten Nachlass Otto Hahns an die Grunelius-Stiftung.
In den 2010er Jahren veranstaltete Dietrich Hahn vermehrt Lesungen und Vorträge, um über Otto Hahn und Lise Meitner zu informieren, so an der Akademie der Wissenschaften mit Carola Regnier und an der Universität Hamburg.
Im Oktober 2013 besuchte er die Stadt Hiroshima und wurde vom damaligen Bürgermeister Kazumi Matsui empfangen. An der Universität Hiroshima hielt er zwei Vorträge über Otto Hahn, insbesondere über dessen friedenspolitische Aktivitäten seit den Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Am Kenotaph im Friedenspark Hiroshima legte er einen Kranz nieder und gedachte der Opfer und der Hibakusha.
Im Jahr 2009 gab Hahn in einem Interview bekannt, er sei zweimal geschieden und habe keine Kinder, seine letzte Ehe liege lange zurück. Seit kurzem sei er wieder verlobt.
Als Herausgeber
Beiträge
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hahn, Dietrich |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Journalist und Publizist |
| GEBURTSDATUM | 14. April 1946 |
| GEBURTSORT | Frankfurt am Main |