Digital Health ist ein umfassender Begriff für die Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Versorgung. Auch wenn die Abgrenzung zum älteren Begriff E‑Health nicht immer eindeutig ist, wird Digital Health im Allgemeinen als breiter aufgefasst und umfasst neben E-Health neuere Anwendungsfelder wie Big Data, Genomik und Künstliche Intelligenz in der Medizin.
Digital Health ist ein interdisziplinärer Bereich, an dem viele Akteure beteiligt sind, darunter Mitarbeiter in Krankenhäusern, Wissenschaftler und Forscher aus den Bereichen Gesundheits- und Ingenieurwesen, Sozialwissenschaften, öffentliche Fürsorge, Ökonomie und Management.
Die angewandten Technologien umfassen sowohl Hardware- als auch Softwarelösungen und -dienste, einschließlich Telemedizin, webbasierten Diagnosen, E-Mail, Mobiltelefonie, SMS, tragbaren Geräten und Sensoren zur Fernüberwachung. Im Allgemeinen beschäftigt sich Digital Health mit der Entwicklung vernetzter Gesundheitstechnologie, um den Einsatz von Computertechnologien, intelligenten Geräten, computergestützten Diagnosetechniken und Kommunikationsmedien zu verbessern und den Patienten und den Beschäftigten in Gesundheitsberufen beim Umgang mit Krankheiten und Gesundheitsrisiken zu helfen bzw. deren Gesundheit und Wohlbefinden zu unterstützen.
Als Folge der digitalen Revolution gehören u. a. drahtlose Geräte, Sensortechnologien, Mikroprozessoren und integrierte Schaltkreise, das Internet, soziale Netzwerke, Mobilfunknetze und genetische Informationen zu den Schlüsselelementen von Digital Health.

Digital Health wird von verschiedenen Bereichen gebildet. Dazu gehören die Bewertung und Überwachung von Gesundheitstechnologie zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten, zur Überwachung von Patienten sowie zur Rehabilitation oder Langzeitpflege. Zu diesen Technologien gehören Hilfsmittel, Rehabilitationsrobotik für Menschen mit Behinderungen, um ihre Unabhängigkeit im Alltag zu unterstützen, sowie unauffällige Überwachungssensorik und tragbare Geräte. Mit Unterstützung von Entscheidungshilfen können Ärzte am Ort der Behandlung diagnostizieren sowie patientenbezogene Daten analysieren und interpretieren. Computersimulationen, Modellansätze und maschinelle Lernmethoden führen zu gesundheitsbezogenen Ergebnissen.
E-Health ermöglicht die Verbindung von Gesundheitsinformationen und -diensten zur Datenübertragung, -speicherung und -abfrage für klinische, pädagogische und administrative Zwecke.
mHealth ist die Unterstützung von Medizin und öffentlicher Gesundheit durch mobile Geräte. Anwendungen von Gesundheitstechnik umfassen Forschung, Entscheidungsfindung, Optimierung, Ergonomie, Quality Engineering sowie Informationstechnologie und Kommunikation. Die Prinzipien der Mensch-Computer-Interaktion basieren meist auf benutzerspezifischen, erlebnisorientierten oder aktivitätsgesteuerten Designs. Virtuelle Realität bzw. Rehabilitation mit Hilfe von Video- und anderen Spielen ermöglichen Ausbildung und Patientenaufklärung als soziales und interaktives Erlebnis. Sprech- und Hörsysteme, Spracherkennung und andere medizinische Geräte können das Sprechen und Hören unterstützen (z. B. Cochlea-Implantate). Telemedizin, Telecoaching und Telerehabilitation sind Formen der Patientenbetreuung aus der Entfernung.
Der Innovationsprozess für Digital Health wird in fünf Hauptprozesse eingeteilt, angefangen von der Ermittlung des Gesundheitsproblems über Forschung bis hin zu digitalen Lösungen, deren Bewertung und Einbindung in die klinische Praxis. Die COVID-19-Pandemie hat die Entwicklung und Nutzung von Digital Health stark beschleunigt, dies beispielsweise in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Telemedizin und Gesundheitsmanagement.
Wie bei der digitalen Transformation von anderen Industrien ist es noch nicht klar abzusehen, wie genau sich Gesundheitssysteme durch Digital Health nachhaltig wandeln werden. Aus der Vielzahl von kleinen Veränderungen lassen sich jedoch drei größere Veränderungsfelder für das Gesamtsystem ableiten:
Im Medizinstudium werden Aspekte von Digital Health als Teil des Kerncurriculums im Querschnittsbereich Epidemiologie, medizinische Biometrie und medizinische Informatik (Q1) unterrichtet. Mehrere medizinische Fakultäten haben Digital Health seit den 2010er Jahren in ihre Wahlpflichtangebote integriert. Dies umfasst einzelne Kurse sowie eigenständige Wahlfächer über mehrere Studienjahre. In Public Health und Gesundheitsökonomie ist Digital Health bislang (Stand 2024) nur in einem kleinen Teil der Studiengänge curricular verankert.
Für Studiengänge der Medizinischen Informatik machen Digital Health-Themen wie Medizindatenmanagement, Informationssysteme der Krankenversorgung, Telematik und Consumer Health Informatics wesentliche Teile des Curriculums aus (vgl. etwa den Kompetenzkatalog der GMDS). In den Ingenieurwissenschaften hat Digital Health Berührungspunkte mit der biomedizinischen Technik. Daneben wird Digital Health inzwischen auch als eigenständiger, interdisziplinärer Masterstudiengang angeboten.
