Im Gegensatz zu anderen Kommunikationsformen hat die digitale Kommunikation einige Besonderheiten und Unterschiede. Sie stellt daher ein eigenes Forschungsfeld dar, das an der Schnittstelle zwischen Informatik und Kommunikationswissenschaft liegt.
Fachgebiete
Im Rahmen der Forschung zu digitaler Kommunikation stellen die folgenden Aspekte wichtige Schwerpunkte dar:
Mensch-Maschine-Kommunikation: Sie beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich menschliche Kommunikation automatisieren lässt und wie die Schnittstellen zwischen Technik und Mensch optimalerweise gestaltet werden sollten.
Computervermittelte Kommunikation: Sie beschäftigt sich mit der Wechselwirkung, die zwischen den Kommunikationsmedien und ihren Nutzern auftreten.
Netzbasierte Kommunikation: Methoden mit Hilfe derer Menschen über Computernetzwerke kommunizieren.
Kommunikationstechnik: Sie beschäftigt sich mit der technischen Gestaltung von Kommunikationsmedien.
Analoge und digitale zwischenmenschliche Kommunikation
Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick stellte als „metakommunikativesAxiom“ auf: „Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber der für eindeutige Kommunikationen erforderlichen Syntax.“
Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Kommunikation mittels einer gezeichneten Katze eine rein analoge Kommunikation verkörpert. Das Kommunizieren mittels Wörtern, welche durch Ziffern einen Begriff darstellen, verkörpert die digitale Kommunikation. Im Beispiel der Katze ergeben die Ziffern K-a-t-z-e einen Begriff, welcher dann in den Köpfen der Kommunikationsteilnehmer das Abbild des Tieres hervorrufen. Dabei hat der Begriff „Katze“ nichts wirklich Katzenhaftes, genauso wenig wie der Begriff des „Flugzeuges“ etwas Fliegendes besitzt.
Die Digitalisierung hat in der Menschheitsgeschichte – nach der Entwicklung der Sprache, der Schrift, des Telefons und der Telefax-Technik – zu einer starken Zunahme der ausgetauschten Nachrichten geführt. Ein Beispiel dafür stellen die Sozialen Medien dar. Die Beschleunigung der Kommunikation und die sich daraus ergebenden ständigen Unterbrechungen führen, so eine Studie der University of California, Irvine, zu einem stark fragmentierten Arbeitsalltag und zu ständiger Arbeit an mehreren Projekten zugleich, mit negativen Auswirkungen auf die Priorisierung von Aufgaben und die Unternehmensproduktivität.
Rüdiger Grimm, Patrick Delfmann:Digitale Kommunikation: Sprache, Protokolle und Datenformate in offenen Netzen (=De Gruyter Studium). 2. Auflage. De Gruyter, Berlin; Boston 2017, ISBN 978-3-11-049535-5.
Nicola Döring:Sozialpsychologie des Internet: die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen (=Internet und Psychologie. Band2). 2. Auflage. Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen 2003, ISBN 978-3-8017-1466-6.
Matthias Johannes Bauer, Tim Müßle:Psychologie der digitalen Kommunikation (=Wirtschafts- und Sozialpsychologie. Band4). utzverlag, München 2020, ISBN 978-3-8316-4836-8.
Jutta Rump, Silke Eilers (Hrsg.):Die vierte Dimension der Digitalisierung: Spannungsfelder in der Arbeitswelt von morgen (=IBE-Reihe). Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2020, ISBN 978-3-662-59417-9, doi:10.1007/978-3-662-59418-6.
Einzelnachweise
Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson:Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien. 13. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern 2017, ISBN 978-3-456-85745-9.
↑Rüdiger Grimm, Patrick Delfmann:Digitale Kommunikation: Sprache, Protokolle und Datenformate in offenen Netzen (=De Gruyter Studium). 2. Auflage. De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2017, ISBN 978-3-11-049535-5, doi:10.1515/9783110495454.Fehler in Vorlage:Literatur–*** Parameterproblem: Dateiformat/Größe/Abruf nur bei externem Link