Dihydroergocryptin

Strukturformel
Struktur von Dihydroergocryptin
Allgemeines
Freiname Dihydroergocryptin
Andere Namen
  • α-Dihydroergocryptin (α-DHEC)
  • (5′a,10a)-9,10-Dihydro-12′-hydroxy-2′-(1-methylethyl)-5′-(2-methylpropryl)-ergotaman-3′,6′,18-trion (IUPAC)
Summenformel C32H43N5O5
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 246-993-6
ECHA-InfoCard 100.042.706
PubChem 114948
ChemSpider 102887
DrugBank DB11274
Wikidata Q905717
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N04BC03

Wirkstoffklasse

Dopaminagonist

Eigenschaften
Molare Masse 577,72 g·mol−1
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Dihydroergocryptin (DHEC) ist ein von den Mutterkornalkaloiden abgeleiteter Arzneistoff. Es wirkt primär als Dopamin-D2-Agonist und weiterhin als D1-Partialagonist und wird hauptsächlich zur Behandlung des Morbus Parkinson eingesetzt.

Klinische Angaben

Anwendungsgebiete (Indikationen)

Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Morbus Parkinson

Die Anfangsdosis beträgt 10 mg pro Tag (mg/d). Nach jeweils zwei Wochen kann eine Steigerung um 10 mg/d bis zum Erreichen der erforderlichen Erhaltungsdosis erfolgen. Die Erhaltungsdosis beträgt i. d. R. 60 mg/d und in Einzelfällen bis zu 120 mg/d. Diese Dosierungen gelten auch für die Kombinationsbehandlungen mit Levodopa. Die Tagesdosis ist auf zwei Einnahmen zu verteilen.

Migräne-Kopfschmerzen

Die Intervall-Behandlung der Migränekopfschmerzen wird mit einer Dosis von 10 mg/d begonnen und kann nach zwei Wochen auf die Erhaltungsdosis von 20 mg/d erhöht werden. Auch bei Erfolg der Behandlung sollte die Einnahme von DHEC nach sechs Monaten unterbrochen und erst bei einem Rückfall wieder aufgenommen werden. Die Tagesdosis ist auf zwei Einnahmen zu verteilen.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen)

Besondere Vorsicht ist bei Psychosen und Bluthochdruck geboten.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit

Tierstudien haben unerwünschte Effekte auf die Föten gezeigt. DHEC kann Wehen vor dem Schwangerschaftstermin auslösen und kann die Milchabgabe hemmen. Daher darf DHEC bei Schwangerschaft oder während der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Sonstige Informationen

Geschichte

DHEC wurde in den 1990er Jahren durch die italienische Firma Poli (heute Polichem S.A., Lugano, Schweiz) in den Anwendungsgebieten Morbus Parkinson und Migräne entwickelt und anschließend an verschiedene Firmen in Deutschland und der Schweiz auslizenziert.

Studien

Die Zulassung von DHEC bei der Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson beruht auf Studien von Battistin et al. und Bergamasco u. a. Die Wirksamkeit bei der Behandlung von Migräne wurde von Bussone u. a. und Micieli u. a. bestätigt. Wie viele Dopaminagonisten wurde auch DHEC wurde bei der Behandlung von Patienten mit restless legs-Syndrom (RLS) untersucht. DHEC ist jedoch nicht zur Behandlung von RLS zugelassen.

Handelsnamen

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. ↑ C. de Mey, M. Althaus, E. Ezan, A. Retzow: Erythromycin increases plasma concentrations of alpha-dihydroergocryptine in humans. In: Clin Pharmacol Ther. 70, 2001, S. 142–148. PMID 11503008
  3. ↑ L. Battistin, P. G. Bardin, F. Ferro-Milone u. a.: Alpha-dihydroergocryptine in Parkinson's disease: a multicentre randomized double blind parallel group study. In: Acta Neurol Scand. 99, 1999, S. 36–42. PMID 9925236
  4. ↑ B. Bergamasco, L. Frattola, A. Muratorio u. a.: Alpha-dihydroergocryptine in the treatment of de novo parkinsonian patients: results of a multicentre, randomized, double-blind, placebo-controlled study. In: Acta Neurol Scand. 101, 2000, S. 372–380. PMID 10877152
  5. ↑ G. Bussone, R. Cerbo, N. Martucci u. a.: Alpha-dihydroergocryptine in the prophylaxis of migraine: a multicenter double-blind study versus flunarizine. In: Headache. 39, 1999, S. 426–431. PMID 11279920
  6. ↑ G. Micieli, A. Cavallini, S. Marcheselli u. a.: Alpha-dihydroergocryptine and predictive factors in migraine prophylaxis. In: Int J Clin Pharmacol Ther. 39, 2001, S. 144–151. PMID 11332869
  7. ↑ F. Tergau, S. Wischer, C. Wolf, W. Paulus: Treatment of restless legs syndrome with the dopamine agonist alpha-dihydroergocryptine. In: Mov Disord. 16, 2001, S. 731–735. PMID 11481700.