Ein Dirndl oder Dirndlkleid ist ein bayerisches und österreichisches Kleid, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufkam und heute vielfach als typisch alpenländische und bayerische Tracht angesehen wird. Es besteht gewöhnlich aus einem Mieder mit Rock, einer weißen Bluse und einer Schürze.
Dirndl ist eine Verkleinerungsform von Dirn – der bairisch-österreichischen Variante von hochdeutsch Dirne – und bezeichnet in den entsprechenden Mundarten ein junges Mädchen. Die Ableitung des Dirndlkleides aus dem Dirndl wird auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts datiert.
Die Entstehung des Dirndls ist eng verknüpft mit der Sommerfrische wohlhabender Städter in ländlichen Gebirgs- und Vorgebirgsregionen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die modische Anpassung an das ländliche Umfeld wurde durch adlige Vorbilder wie Erzherzog Johann und Kaiser Franz Joseph I. salonfähig, die bei der ländlichen Jagd steirische Tracht trugen. In Bayern förderte gleichzeitig König Max II. das Tragen von Tracht, die allerdings erfunden war.
Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Sommerfrische-Kleidung in weiteren Kreisen und auch international popularisiert. Maßgeblich beteiligt waren daran die jüdischen Brüder Moritz und Julius Wallach aus Geseke bzw. Bielefeld, die 1900 in München das Trachtenhaus Wallach gründeten.
Julius Wallach notierte später in seinen Erinnerungen: "Schon anno 1902 hatte ich diese kleidsame Tracht aus Tirol übernommen und bin somit als Entdecker dieser kleidsamen Tracht anzusehen." Sein Bruder Moritz Wallach nennt eine andere Jahreszahl, bestätigt ihn aber: Sein Bruder Julius habe 1906 "aus dem Brixtental in Tirol ein Trachtenkostüm mitgebracht" ; daraus habe Moritz Wallach gemeinsam mit der Schneiderin Graf "eine kleidsame Tracht für die Damen der Stadt" entwickelt. "So entstand ... das erste Dirndlkleid, das sich bald großer Beliebtheit erfreute", schreibt Moritz Wallach in seinen Erinnerungen. Der Durchbruch erfolgte 1910, als die Brüder Wallach zum 100-jährigen Jubiläum des Oktoberfests kostenlos den Landestrachtenzug ausstatteten. Hintergrund war der in der Heimatliteratur immer wieder kolportierte Gegensatz zwischen dem angeblich natürlichen, unverdorbenen und unverfälschten Landvolk und der Künstlichkeit und Verworfenheit der Stadtgesellschaft.
Die Entwicklung des Dirndlkleides markierte einen der wichtigsten Ausgangspunkte für das heutige Verständnis von alpenländischer Tracht. In der wirtschaftlich schlechten Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Dirndl zum Kassenschlager, da es als schlichtes Sommerkleid eine preiswerte Alternative zu den oft teuren und aufwendig gearbeiteten historischen Frauentrachten war. In den 1930er Jahren wurde das Dirndlkleid besonders durch die Operette Im weißen Rößl weltweit Mode. Die patente Rößl-Wirtin im Dirndlgewand wurde zu einer Galionsfigur der Salzkammergut-Fremdenverkehrswerbung. Ebenso machte die singende und trachtentragende Trapp-Familie die Dirndlkleider bei den Salzburger Festspielen und später auf ihren weltweiten Tourneen überall bekannt.
Während der Zeit des Nationalsozialismus entwarf Gertrud Pesendorfer, die „Reichsbeauftragte für Trachtenarbeit“, die von ihr im nationalsozialistischen Sinn „erneuerte Tracht“. Für das Dirndl führte sie drei Veränderungen ein, die bis heute stilbildend für Dindlformen sind: sie vereinfachte die Röcke, indem sie die ausladenden Unterröcke entfernte und die vormals bodenlange Rocklänge auf 7/8-Länge kürzte. Sie kreierte die eng geschnürte und geknöpfte Taille, die die weibliche Brust stark betont und so das Dirndl erotisierte. Drittens führte sie die weiße, kurzärmelige Bluse ein, die mit dem katholischen Tabu unbedeckter weiblicher Unterarme brach. Im Sinne des „NS-Ahnenerbes“ sollten Symbole wie Lebensbaum und -rad, Vogelpaare, Dreispross die „arisch reinen Bauerntrachten“ zieren und der „Stärkung der inneren Front“ dienen. Pesendorfer wurde – obwohl als gelernte Sekretärin ohne fundierte Ausbildung – zur Geschäftsführerin des Tiroler Volkskunstmuseums ernannt. Jüdinnen und Juden wurde das Tragen alpenländischer Tracht verboten. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Hintergrund ihres Tuns und den von ihr kreierten Dirndlformen blieb bis in die 1980er Jahre aus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand das Dirndl als „Austrian Look“ international Verbreitung. Dazu trug auch die steigende Bekanntheit des Münchner Oktoberfests bei. Das Dirndl erfuhr zahlreiche Abwandlungen. Während das Tragen von Tracht noch in den 1970er Jahren auf Volksfesten wie dem Cannstatter Wasen oder dem Gäubodenvolksfest kaum verbreitet war, nimmt es seit der Jahrtausendwende stark zu, es ist von einem „Trachtenboom“ die Rede. 2010 verkaufte C&A in Deutschland in Spitzenzeiten tausend Dirndl am Tag. Rocklänge und Schürze, Farben, Materialien und Dekolleté verändern sich mit wechselnden Trends. Seit den 2000er Jahren nehmen sich auch vermehrt Modeschöpfer des Themas Dirndl an.
Um die Jahrtausendwende kamen zahlreiche Medienberichte auf, die der Position der Schürzenschleife eine Bedeutung zuschrieben. Binde sich die Trägerin ihre Schleife auf der, aus ihrer Sicht, vorderen rechten Seite, signalisiere sie beispielsweise, dass sie vergeben, verlobt oder verheiratet sei. Nach Angaben des Trachtenvereins Miesbach ist die Symbolik der Schleifenposition eine erfundene Tradition ohne historische Grundlagen. Die Schleife als Kennzeichen des Familienstandes sei überflüssig, da verheiratete Frauen ohnehin anders als ledige Mädchen gekleidet gewesen seien. Laut der Volkskundlerin Gesine Tostmann ist es reine Geschmackssache, ob die Schürzenbänder hinten oder vorn zur Schleife gebunden werden. Zwar überliefert Tostmann die Positionierung der Schleife vorn rechts für verheiratete und die vorn links für ledige Frauen als historische Praxis, allerdings ohne Angabe einer Region oder Epoche, in der dies gegolten haben soll.

Je nach Anlass kann das Dirndlkleid aus ein- oder mehrfarbigem Baumwollstoff, Leinen oder aus Seide gefertigt sein, auch Dirndl aus synthetischen Fasern werden verkauft. Das meist einteilige Kleid trägt den Verschluss (Reißverschluss, Haken und Ösen, verschiedenartigen Knöpfen oder Schnürung) vorn mittig. Ein Reißverschluss kann auch am Rücken oder an der Seite angebracht sein. Traditionell hat das Dirndl eine Tasche vorn oder an der Seite eingearbeitet, die unter der Schürze verborgen ist. Dazu wird eine meistens weiße Dirndlbluse (mit Puffärmeln oder schmalen Ärmeln, lang- oder kurzärmelig) getragen sowie ein Schultertuch oder ein kurzes Halstuch. Ein Kropfband, auch Würgerband genannt, mit Schmuckanhänger ergänzt oft das Dirndl.
Das Dirndlfliegen oder Dirndlspringen ist seit den 1990er Jahren vor allem im österreichischen und bayerischen Alpenraum verbreitet. Dabei springen Frauen (und auch Männer) im Dirndl von einem Sprungbrett in einen See oder ein Schwimmbecken, die Flugfiguren werden von einer Jury bewertet. Diese Form des Wasserspringens ist eher dem Bereich Funsport zuzuordnen.
Im Jahr 2016 brachte die Österreichische Post eine gestickte Briefmarke in Form eines Dirndls heraus.