Falius wuchs als Sohn eines Unternehmers in Hamburg auf und wurde mit 15 Jahren vom Jugendamt aus dem Elternhaus genommen. Erste musikalische Gehversuche machte er bereits mit elf Jahren mit dem Schreiben von Liedtexten, die er später aufnahm. Die so entstandenen Aufnahmen – überwiegend dem Streetrap zuzuordnen – brachten dem Rapper kleinere Erfolge ein. Alkohol- und Drogenkonsum sowie Straftaten, die auch eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung zur Folge hatten, standen ihm jedoch im Weg. Darauf wurde ihm ein Sozialarbeiter zugeteilt, der ihm beim Reflektieren seines Lebens und seiner Selbstfindung half. Durch Ändern von Charakter und Rapstil konnte Disarstar sein Augenmerk mehr auf Philosophie und Gesellschaftskritik lenken.
Dies spiegelte sich in Disarstars Musik wider, die nun lyrisch mehr seiner „Abkehr von Substanzmissbrauch und der Hinwendung zur Sinnsuche“ galt. So veröffentlichte er von 2010 bis 2013 Mixtapes und EPs zum kostenlosen Download. Das Independent-Label Showdown Records nahm ihn 2014 unter Vertrag. Dort erschienen das Gratis-Mixtape Manege frei sowie die EP Tausend in Einem, als erste kommerzielle Veröffentlichung. Als Support Act von Kontra K Ende des Jahres auf dessen Loyal-Tour spielte Disarstar erstmals vor größerem Publikum. 2015 folgte die Aus dem Schatten ins Licht-Tour, auf der Disarstar ebenfalls mitwirkte. Am 26. Juni 2015 erschien sein Debütalbum Kontraste, welches auf Platz 19 der deutschen Albumcharts einstieg. Um die Wartezeit bis zu seinem nächsten Studioalbum zu überbrücken, veröffentlichte er 2016 mit Sturm und Drang ein weiteres kostenloses Mixtape.
Anfang des Jahres 2017 wechselte Disarstar von Showdown Records zum Major-Label Warner Music Germany und kündigte kurz darauf sein zweites Album Minus X Minus = Plus für den 31. März an. Dieses erreichte Platz 16 in den deutschen Albumcharts. Im Rahmen der darauffolgenden Minus X Minus = Plus Tour trat Disarstar schließlich erstmals vor eigenem Publikum auf. Im Anschluss begann er mit den Arbeiten an seinem dritten Album Bohemien, welches am 15. Februar 2019 veröffentlicht wurde. Danach wurde es ruhig um den Hamburger, bis er sich im Dezember mit der ersten Single seines vierten Albums Klassenkampf & Kitsch zurückmeldete.
Am 12. März 2021 erschien sein fünftes Album Deutscher Oktober. Mit Platz 5 erreichte Disarstar damit seine bisher höchste Platzierung in den deutschen Albumcharts. Seit Juli 2022 steht Disarstar beim Label Four Music unter Vertrag, unter welchem er bisher drei Alben veröffentlichte, darunter auch die Kollaboration mit Jugglerz 2024, das mit Platz drei der deutschen Charts sein bisher größter Erfolg war.
2024 gab Disarstar bekannt, dass er Vater geworden ist und eine Tischlerlehre macht. Während dieser Zeit dachte er darüber nach, die Karriere als Rapper hinter sich zu lassen. Doch er habe „so dagesessen und das gar nicht ausgehalten“ und meldete sich 2025 mit Hamburger Aufstand zurück. Auf diesem Album thematisiert er auch seine Abwendung vom Alkohol- und Drogenkonsum.
Disarstar selbst spricht davon, in einem Widerspruch zu leben, indem er den Kapitalismus kritisiert, selbst aber durch seinen Musikverkauf Teil dieses Systems ist: „Ich kritisiere den Kapitalismus und diese Kritik kannst du dir bei Amazon kaufen. Aber als Marxist lebe ich permanent in einem Widerspruch.“ Dass er an diesem System aber teilnehmen muss, bezeichnet er als Teil seiner Kritik.
Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 gerieten antizionistische und antisemitische Passagen aus frühen Stücken Disarstars in die Kritik. Darin heißt es unter anderem: „Tod den Zionisten, Freiheit über Geld, wann wachst du endlich auf, westliche Welt?“, „Rache für Gaza“ und „bald ist Schluss, es trifft euch wie ein Flugzeug, das in Wolkenkratzer fliegt“. Disarstar gab daraufhin an, dass die Texte aus einem anderen Lebensabschnitt stammten und er sich bereits seit vielen Jahren klar gegen Antisemitismus positioniere. Der Deutsche Presserat rügte im März 2024 Bild und Bild.de für einen Artikel vom 23. Oktober 2023 mit dem Titel NDR feiert Judenhass-Rapper und sah darin einen Verstoß gegen die journalistische Sorgfalt und den Schutz der Ehre. Disarstar reagierte auf die Vorgänge musikalisch mit der Veröffentlichung des Songs Die verlorene Ehre der Katharina Blum am 9. November 2023.
Namensgebung
Der sich aus den zwei Bestandteilen Dieser und Star zusammensetzende Name hat für ihn zum einen die wörtliche Bedeutung der beiden Komponenten, als auch die der Falschschreibung von Desaster.
↑Disarstar über Rap, Liebe und Lohnabhängigkeit, Neues Deutschland, 23. Februar 2019
123Finn Starken:Hamburger Rapper über St. Pauli und Marx: „Ich lebe permanent im Widerspruch“. In: Die Tageszeitung: taz. 14.März 2021, ISSN0931-9085 (taz.de[abgerufen am 4.Dezember 2021]).
12Carolina Schwarz:Konzert des Rappers Disarstar: Nur irgendwie Melancholie. In: Die Tageszeitung: taz. 18.Oktober 2023, ISSN0931-9085 (taz.de[abgerufen am 22.Januar 2025]).
12Dario Bojic:Antisemitismus und Antizionismus: Definition und Bedeutung. 25.Oktober 2023 (k.at[abgerufen am 27.Oktober 2023]).
↑Solidarität verbindet: Disarstar, abgerufen am 16. Oktober 2026
↑Finn Starken:Hamburger Rapper über St. Pauli und Marx: „Ich lebe permanent im Widerspruch“. In: Die Tageszeitung: taz. 14.März 2021, ISSN0931-9085 (taz.de[abgerufen am 8.Januar 2025]).