Notwasserung

Ein Airbus A320 nach einer Notwasserung im Januar 2009 (US-Airways Flug 1549)

Eine Notwasserung ist eine Notlandung auf dem Wasser durch ein Fluggerät, das nicht für Wasserlandungen ausgelegt ist. Notwasserungen kommen in der modernen Luftfahrt äußerst selten vor. Eine Notlandung auf dem Land gilt grundsätzlich als weniger gefährlich als eine Notwasserung.

Liste von Notwasserungen von Verkehrsflugzeugen (Auswahl)

Bei Flugzeugen stellen Notwasserungen ein sehr riskantes Manöver dar, da sich die Wasseroberfläche bei typischen Landegeschwindigkeiten von Strahlverkehrsflugzeugen (ca. 250 km/h) sehr hart verhält und die Tragwerks- und Rumpfstruktur nicht für direktes Aufsetzen auf einer Oberfläche ausgelegt sind. Trotzdem gab es Notwasserungen, bei denen alle oder wenigstens einige der Passagiere überlebten:

Notwasserung des Pan-Am-Flugs 6

Anflugverhalten

Anflugverfahren von Verkehrsflugzeugen

Die Piloten müssen bei diesem Landungstyp darauf achten, dass beide Tragflächen gleichzeitig aufsetzen und die Maschine in einer waagerechten Fluglage verbleibt. Bei Landungen von Verkehrsflugzeugen halten Triebwerke, die unter den Tragflächen angebracht sind, dem sich im Moment des Eintauchens durch die Landegeschwindigkeit schlagartig aufbauenden Wasserwiderstand in der Regel nicht stand und reißen ab. Dabei sollte nach Möglichkeit die Außenhaut des Flugzeugrumpfes intakt bleiben. Flugzeuge, deren Triebwerke oberhalb der Tragflächen angeordnet sind, sind hier im Vorteil.

Ditching-Schalter in einem Airbus A330

Kurz vor dem Aufsetzen sollte der ditch mode aktiviert werden, soweit vorhanden. Er sorgt dafür, dass eine Vielzahl von Klappen verschlossen werden (z. B. das Outflowvalve) und die Maschine länger an der Wasseroberfläche verbleibt, so dass die Chance erhöht wird, dass Passagiere die Maschine über Notrutschen verlassen können, bevor das Flugzeug im Gewässer versinkt.

Wenn möglich, wird gegen den Wind gelandet. Bei größerem Wellengang wird parallel zu den Wellen gelandet, möglichst auf einem Wellenkamm. Die Landung erfolgt mit eingefahrenem Fahrwerk. Gelandet werden sollte mit geringer Sinkrate und geringstmöglicher Geschwindigkeit. Die Landung wird als – heckbetonte – Dreipunktlandung mit parallelem Wasserkontakt der Tragflächen durchgeführt, da sonst die Gefahr eines Überschlages besteht.

Notwasserung von Kleinflugzeugen

Die Notwasserung von Kleinflugzeugen ist wegen der geringeren Landegeschwindigkeit nicht ganz so gefährlich wie mit Verkehrsflugzeugen. Eine Notlandung auf dem Festland ist aber auch hier weniger gefährlich als eine Notwasserung.

Notwasserung von Segelflugzeugen

Segelflugzeuge werden mit ausgefahrenem Fahrwerk, verriegelter Haube und geschlossener Belüftung gewassert. Die Gurte sind so straff wie möglich anzuziehen.

In der älteren Literatur wird teilweise noch empfohlen, mit eingefahrenem Fahrwerk zu wassern. Neuere Versuche haben jedoch gezeigt, dass moderne Segelflugzeuge durch ihre strömungsgünstige Form nach dem Aufsetzen recht tief unter die Wasseroberfläche tauchen, was vor allem bei seichtem Wasser sehr gefährlich ist. Der Widerstand des ausgefahrenen Fahrwerks verringert die Eintauchtiefe merklich, ohne dass deswegen die Gefahr bestünde, dass sich das Segelflugzeug überschlägt.

Eine Wasserung sollte parallel zum Ufer erfolgen, einerseits wegen der Ausrichtung der Wellen, andererseits auch, um nicht versehentlich zu nahe ans Ufer zu geraten. Die Wasseroberfläche wird wie eine feste Landebahn angeflogen und das Flugzeug möglichst mit Minimalfahrt aufgesetzt. Nach dem Wiederauftauchen wird die Haube geöffnet oder notfalls abgeworfen, Gurtzeug und Fallschirm abgelegt und das Cockpit verlassen. Ein Segelflugzeug hat eine begrenzte Schwimmfähigkeit.

Hubschrauber

Bestimmte Hubschrauber-Typen verfügen über Notschwimmeigenschaften und über zusätzlich aufblasbare Schwimmer, die das Kentern des Hubschraubers nach einer Wasserung vermeiden sollen. Durch den hohen Schwerpunkt und den Wellengang besteht eine große Gefahr des Durchkenterns, weshalb dieses Szenario zum Inhalt von Notfalltrainings für potenziell betroffenen Personenkreise (z. B. Flugpersonal, Offshore-Arbeiter oder Marineangehörige) gehört.

Stillstand nach der Notwasserung

Eine Maschine, gleich welchen Typs, kommt allein durch die auf das Flugzeug einwirkende Reibung an der Wasseroberfläche zum Stillstand. Bei Strahlflugzeugen steht keine Schubumkehr zur Verfügung, da die Triebwerke bei der Wasserung im Regelfall abreißen, abgesehen davon, dass erhebliche Probleme mit den Triebwerken die Ursache für die Notwasserung gewesen sein dürften.

Literatur

Commons: Notwasserung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Notwasserung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Unfallbericht DC-4 N79998, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. März 2019.
  2. ↑ Unfallbericht CV-240 HB-IRW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. März 2019.
  3. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  4. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  5. ↑ Peter W. Frey: Dramatische Hilfeleistung mitten im Atlantik. NZZ vom 27. September 2012.
  6. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  7. ↑ Plane Crash Info: Douglas Dc-3 EC-AQH, 21. Juni 1964, abgerufen am 28. Februar 2017.
  8. ↑ Juan Carlos Diaz Lorenzo, Ultano Kindelán y TASSA / 2 (in Spanisch), abgerufen am 27. Februar 2017.
  9. ↑ Unfallbericht DC-3 EC-ACX, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. Januar 2018.
  10. ↑ Aviation Safety Network, 23. Juli 1969 aviation-safety.net
  11. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  12. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  13. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  14. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  15. ↑ Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network (englisch)
  16. ↑ Marc Pitzke: New York feiert das Hudson-Wunder. In: Spiegel online. (Abgerufen am 16. Januar 2009)