Divertikel

Divertikel sind in dieser Aufnahme mit Aufsicht von außen, als jene kleineren bläschenförmigen, unregelmäßig verteilten Ausstülpungen vom Inneren des sigmoiden Dickdarms (Darmlumen) nach außen zu sehen. Das horizontal verlaufende mäandernde Band ist eines der longitudinalen Muskelbänder (Taenium).
Ein Divertikel der Harnblase eines Mannes in der CT-Darstellung. Sie zeigt eine Ausstülpung des Blasenlumens in Richtung des Steißbeines, siehe rechts unten. Die VR-Darstellung links oben zeigt den mit einem Kreis beschriebenen Bereich.
Harnblasendivertikel eines 59-jährigen Mannes, Transversalebene

Als Divertikel (lateinisch Diverticulum) bezeichnet man in der Medizin eine bläschen-, birnen- oder sackförmige Ausstülpung der Wände von Hohlorganen. Divertikel treten vorgeburtlich als normale Entwicklungsstufe verschiedener Organe auf. Nach der Geburt sind Divertikel Abweichungen vom Normalzustand des Körpers. Ein Behandlungsbedarf besteht jedoch zumeist nur bei Beschwerden. Sie entstehen durch Druck oder Zug.

Divertikel mit möglichem Krankheitswert

Divertikel treten am häufigsten im Dickdarm (als Dickdarmdivertikel) auf, können aber auch in allen anderen Bereichen des Verdauungstrakts zwischen Schlund und Enddarm vorkommen. Im Harnapparat können Harnleiter (→ Harnleiterdivertikel), Harnblase (→ Balkenblase) oder Harnröhre betroffen sein. Relativ selten kommen Divertikel am Herzen vor. Gelegentlich treten sie als Trachealdivertikel in der Luftröhre auf.

Divertikel können angeboren oder erworben sein und werden nach ihren Formen unterschieden:

Bei einer Divertikulose (Divertikelkrankheit) liegen viele Divertikel vor. Diese verursachen grundsätzlich keine Beschwerden. Entwickeln sich bei einer Divertikulose Beschwerden, ist von einer symptomatischen unkomplizierten Divertikelkrankheit (SUD) die Rede. Die auftretenden unterschwelligen chronischen Entzündungen sind dabei lokal begrenzt. Erst bei einer Divertikulitis kommt es zur Entzündung eines oder mehrerer dieser Divertikel.

Divertikel in der vorgeburtlichen Entwicklung

Nieren, Lunge und Thymus werden im normalen Verlauf der vorgeburtlichen Entwicklung zunächst als Divertikel von Vorgängerstrukturen angelegt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. etwa Hans Adolf Kühn: Krankheiten des Magens und Zwölffingerdarmes. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 767–804, hier: S. 808 f.
  2. ↑ Anne F. Peery, Patrick R. Barrett, Doyun Park, Albert J. Rogers, Joseph A. Galanko, Christopher F. Martin, Robert S. Sandler: A High-Fiber Diet Does Not Protect Against Asymptomatic Diverticulosis. In: Gastroenterology. Februar 2012 (englisch, sciencedirect.com).
  3. ↑ Peter F. Suter et al.: Rektumdivertikel. In: Peter F. Suter, Barbara Kohn (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. 11. Auflage. Paul Parey, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8304-1193-2, S. 724.
  4. ↑ Divertikelkrankheit. In: innovall.de. Abgerufen am 29. Juni 2020.