2015 bekam Donald Martiny ein Stipendium als Artist in Residence der Sam & Adele Golden Foundation for the Arts in New Berlin, New York und war in der Jahresausstellung der Künstler dort vertreten. Ebenfalls im Jahr 2015 erhielt Donald Martiny den Auftrag zwei große Werke für das One World Trade Center zu fertigen, die dort ständig ausgestellt sind. Martiny war auch als Dozent tätig, u.a. an der Cornell University und am Ackland Museum of Art. Dort leitete er 2016 ein öffentliches Gespräch über den Maler Hans Hofmann im Rahmen einer Ausstellung von dessen Werken.
Werk
Donald Martiny nennt sich selbst einen gestural abstractionist (deutsch: gestischer Abstraktionist). Im englischen Sprachraum bezeichnet dies eine Methode, wie der Maler die Farbe auf ein Objekt aufträgt:
“The idea was that the artist would physically act out his inner impulses, and that something of his emotion or state of mind would be read by the viewer in the resulting paint marks.”
„Die Idee war, dass der Künstler seine inneren Impulse physisch auslebt und dass der Betrachter etwas von seiner Emotion oder seinem Gemütszustand in dem sich daraus ergebenden Farbaufträgen widerspiegelt.“
– Tate Galleries
Martiny selbst beschreibt seine Arbeit so:
“My paintings are actual authentic gestures. These brushstrokes are very much me and I want to be present in the works as honestly and authentically as I can be. They are a record of my physicality at a specific point in time.”
„Meine Bilder sind echte authentische Gesten. Diese Pinselstriche sind sehr ich und ich möchte in den Werken so ehrlich und authentisch wie möglich präsent sein. Sie sind eine Aufzeichnung meiner Körperlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt.“
– Isabel Wong: Asia Tatler: “Art Talk …”
In Deutschland wird diese Maltechnik als Action Painting bezeichnet und gehört zum abstrakten Expressionismus. Martiny malt nicht auf Leinwänden oder rechteckigen Hintergründen. Seine Werke sind unmittelbar der gefrorene Pinselstrich, so wie Martiny ihn in seinen Bewegungen gestaltet hat. Dafür experimentierte Martiny jahrelang mit der Beschaffenheit der Farbe, die einerseits flüssig genug sein sollte, um den Pinselstrich gut wiedergeben zu können und gleichzeitig so haltbar in trockenem Zustand, dass das Werk an der Wand befestigt werden kann, ohne zu brechen. Verstärkt wird das fertige Werk durch eine in den genauen Maßen des Pinselstrichs zugeschnittenen Aluminiumplatte als Unterlage. Die Gemälde wirken dann wie ein Relief an der Wand.
Die Farbe, die Martiny verwendet, besteht aus einer Mischung aus wasserbasierten Polymeren, die mit Pigmenten angereichert werden. Manchmal streckt er diese Mischung noch mit so genannten Microbubbles (gasgefüllte Mikrobläschen), die dafür sorgen, dass die Farbe leicht wirkt.
Im Gegensatz zu anderen Künstlern des Action Paintings entstehen Martinys Werke nicht nur spontan. Er erstellt zunächst eine Skizze im Kleinen und, wenn sie ihm gefällt, produziert er das Werk in immer größeren Abmessungen. Dabei arbeitet er immer auf dem Boden, weil ihm diese Situation die größte Freiheit bei den Pinselstrichen gibt. Er stellt seine Pinsel selbst her, und manchmal nimmt er auch die Hände, um alle seine aktuellen Emotionen in dem Werk ausdrücken zu können.
Er sagt dazu: “Brushstrokes are dances trapped in paintings”(deutsch: „Pinselstriche sind Tänze, die in Gemälden gefangen sind.“)
Im November 2022 gestaltete Donald Martiny das Bühnenbild für die Tanzperformance von Amy Hall Garner von der Paul Taylor Dance Company im David H. Koch Theater im Lincoln Center for the Performing Arts, die den Titel Somewhere in the Middle trug: „Donald Martiny’s set — hanging brushstroke pieces that show dimension through the thick, sometimes bumpy paint texture — changes in color and shape throughout the work, matching the liveliness of Mark Eric’s bright costumes (briefs and bras overlaid with transparent fabric).“ (In Deutsch: „Das Bühnenbild von Donald Martiny - hängende Pinselstriche, die durch die dicke, manchmal holprige Farbtextur Dimensionen erkennen lassen - wechselt im Laufe des Stücks in Farbe und Form und passt zur Lebendigkeit von Mark Erics leuchtenden Kostümen (mit transparentem Stoff überzogene Slips und BHs).“)
Videografie
2013: Video zu der Biennale Non-Objective, Le Pont-de-Claix, Frankreich (2013): 10′ 14″
2015: Video über die Ausstellung Donald Martiny: Freeing the Gesture, Fort Wayne Museum of Art, USA (Mai 2014): 09′ 26″
2015: Video über die Ausstellung State of the Art – Art of the State, Cameron Art Museum, USA (2015): 05′ 18″
2016: Video zu den Arbeiten von Donald Martiny im World Trade Center 02′ 32″
2021: Video der Arbeiten von Donald Martiny in der Gruppenausstellung Color Theory, Bentley-Gallery, Phoenix, Arizona, USA 01′ 20″
2023 (2019): Video zu der Ausstellung Donald Martiny: Fu in principio Materia Divina, Casa del Mantegna, Mantua, Italien (2019): 08′ 16″
Audio
2015: A Chapel Hill Artist Paints His Way Into The World Trade Center
2019: Simply Red, Galerie Sonja Roesch, Houston, USA
2020: 2020 Front Burner: Highlights in Contemporary North Carolina Painting, North Carolina Museum of Art, Raleigh, USA
2021: Color Theory, Bentley Gallery, Phoenix, USA
2022: Personal Structures, Palazzo Bembo, Venedig, Italien (im Rahmen des Begleitprogramms zur Biennale)
Kunst im öffentlichen Raum
2015: Zwei Werke im One World Trade Center: Lenape (benannt nach einem Indianerstamm, der früher große Teile der heutigen Bundesstaaten New York und New Jersey bevölkerte) und Unami (benannt nach der mittlerweile ausgestorbenen Sprache der Lenapes).
2019: Hugin + Munin (benannt nach Odins Raben Hugin und Munin) in der Lobby des Frost Tower in Fort Worth, Fort Worth, USA
Literatur
Donald Martiny; Raimund Stecker; Luca Viglialoro:Donald Martiny – Point and counterpoint. Punkt und Kontrapunkt. Modo, Freiburg im Breisgau 2021, ISBN 978-3-86833-294-0 (englisch).
ArteA Galerie (Hrsg.):Bram Bogart, Pino Pinelli, Donald Martiny. ArteA Galerie, Mailand 2016 (englisch, italienisch, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 05. März bis 15. April 2016).
Carter Ratcliff, Charles A. Shepard III, Deborah Swallow, Lawrence J. Wheeler:Donald Martiny: Monumental Gestures: Paintings form 2013–2016. Donald Martiny, Chapel Hill 2016, ISBN 978-0-692-35127-7 (englisch).
Donald Kuspit, Noah Becker:Donald Martiny: Open Paintings 2019. strudelmedia design, New York; Wien 2019 (englisch).
Liza Roberts:Art of the State: North Carolina. The University of North Carolina Press, Chapel Hill 2022, ISBN 978-1-4696-6124-7 (englisch).