Doria

Familienwappen

Die Doria (ursprünglich d'Oria) sind eine Patrizierfamilie der Republik Genua, die zu den bedeutendsten Geschlechtern des italienischen Adels zählt. Ab Anfang des 12. Jahrhunderts erwarb die reiche Kaufmannsfamilie Besitz am Golf von Genua, gründete Burgen und Orte im Norden Sardiniens und übernahm im 13. Jahrhundert Herrschaften im Piemont. In Genua selbst waren sie im 12. und 13. Jahrhundert die führende Familie.

Häufig kommandierten Dorias die Genueser Flotte, so 1284 in der Seeschlacht bei Meloria gegen die Pisaner und in mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Republik Venedig. In den Kämpfen zwischen Kaisern und Päpsten (siehe: Ghibellinen und Guelfen) stellten sie sich auf die kaiserliche, ghibellinische Seite. Sie errichteten und bewohnten zahlreiche Paläste in Genua.

Der Admiral Andrea Doria, inoffizieller Machthaber in Genua, wurde 1531 von Kaiser Karl V. mit dem Fürstentum Melfi in Süditalien belehnt, wo er und seine Nachfahren weitere Herrschaften ankauften; die Fürsten von Melfi erbten 1630 das Tal des Taro im Ligurischen Apennin von der Adelsfamilie Landi und nannten sich fortan Doria-Landi. 1760 erbten sie außerdem den Besitz der Familie Pamphilj in Rom und im Kirchenstaat. So entstand der Name der bekannten römischen Linie Doria-Pamphilj-Landi.

Andere Linien erwarben eine Reihe weiterer Grafschaften, Marquisate, Fürsten- und Herzogtümer. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Ursprünge

San Matteo, Genua
Palazzo di Branca Doria an der Piazza San Matteo

Die Doria besaßen in der Altstadt von Genua eine insula, ein von ihnen beherrschtes Quartier nahe der Kathedrale von Genua, rund um die Piazza San Matteo. Um diesen Platz standen im Mittelalter die Häuser der Familie und noch heute befindet sich dort der gotische Palazzo di Branca Doria von 1276 sowie angrenzend die Hauskirche der Familie, San Matteo. Gestiftet hat sie 1125 Martin Doria, der als Witwer Benediktinermönch wurde und in die Abtei von San Fruttuoso eintrat. Der heutige Bau stammt von 1278.

Laut einem in dieser Kirche aufbewahrten, späteren Dokument sollen die Doria urkundlich im Jahre 941 beginnen. Das erste gesicherte Familienmitglied ist jedoch ein kurz nach 1100 geborener Ansaldo, Sohn eines Zenoaldo (oder Genoaldo) und einer Sofia di Ugo Embriaco, der über Grundbesitz in dem genannten Quartier verfügte. Nach einer anderen Quelle habe ein früherer Ansaldo, der bereits 1044 lebte, eine Auria, Tochter eines Morino, geheiratet und noch 1085 gesiegelt. Eine weitere, häufig zitierte, aber verlorene Urkunde von 1109 bis 1110 erwähnt „Martin und Genoaldo, Söhne der Aurie“. In jedem Fall leitet sich der Name offenbar von d'Auria bzw. d’Oria, das heißt Kinder der Oria, ab. Mittelalterliche Chronisten bezeichneten die Familienmitglieder als illi de Auria.

Wahrscheinlich handelte es sich um eine wohlhabende Kaufmannsfamilie, die in innerstädtischen und ländlichen Grundbesitz investierte. Eine viel spätere Legende, die der Familie eine feudalere Herkunft zuschreiben sollte, ließ einen Arduin von Narbonne aus dem Geschlecht der Arduine, Markgrafen von Turin, auf dem Weg zum Ersten Kreuzzug 1096 in Genua Station machen und sich im Hause des Corrado Della Volta (Vorfahre des späteren Genueser Fürstenhauses Cattaneo) in dessen Tochter Orietta (oder Oria) verlieben, sie heiraten und einen Sohn mit ihr zeugen.

Castelsardo, Sardinien, mit dem Castello dei Doria

Die Doria, ebenso wie die Spinola und die Negrone, repräsentierten einen neuen städtischen Adel, der den kaisertreuen Ghibellinen anhing, während die Fieschi und Grimaldi den alten Feudaladel anführten, der auf der Seite der papsttreuen Guelfen stand, was diese mächtigsten Familien der Republik freilich nicht davon abhielt, meist untereinander zu heiraten. In jedem Falle vermehrten sich die Nachfahren stark und es soll schon im Mittelalter 40 Familienzweige gegeben haben; im 12. und 13. Jahrhundert waren sie die führende Familie der Republik Genua. 1284 sollen an der Seeschlacht bei Meloria 250 männliche Doria teilgenommen haben. Das Geschlecht gehörte zum Patriziat, trieb Handel, stellte Feldherren und Politiker der Republik und spielte eine herausragende Rolle im Albergo dei Nobili, der Vereinigung der führenden Familien. Insbesondere waren die Doria darauf bedacht, ihr Vermögen außerhalb der Stadtrepublik zu investieren, vor allem in Reichslehen an der Riviera di Ponente rund um den Golf von Genua, später auch im südlichen Piemont sowie auf Sardinien. Dort rangen sie gemeinsam mit den Malaspina gegen die Pisaner um die Vorherrschaft. Schon Anfang des 12. Jahrhunderts hatten sie Alghero unter ihrer Kontrolle, das sie mit einer Stadtmauer umgaben, 1102 gründeten sie Castelsardo (damals Castel Genovese), es folgten Giave, Monteleone Rocca Doria (Ruine der Doria-Burg) und das Castello di Casteldoria (Ruine) in Santa Maria Coghinas. 1259 teilten sie sich das Judikat Torres mit den Malaspina und den Spinola.

Bekannte Familienmitglieder

Andrea Doria, Gemälde von Sebastiano del Piombo (ca. 1526), Palazzo Doria-Pamphilj, Rom

Besitzungen der Doria

Die Familie Doria besaß Grundherrschaften in verschiedenen Teilen Italiens:

Montaldeo, das Schloss ist seit 1531 bis heute im Besitz der Linie Doria, Marchesi di Montaldeo

1576 erhielten die Doria das Marquisat von Civiez und die Grafschaft Cavallamonte, 1594 das Herzogtum Tursi, 1607 das Fürstentum Avella, 1613 das Herzogtum Avigliano, 1671 das Fürstentum Meldola. Von 1613 bis 1806 übte eine Linie im Königreich Neapel die Herrschaft im Fürstentum Angri aus. 1760 wurde einer Linie der Doria, in Verbindung mit der Herrschaft Torriglia und dem Marquisat von Borgo San Stefano, der Titel eines Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reichs verliehen.

Der Zweig der Fürsten von Melfi erbte 1630 die Güter der fürstlichen Familie Landi im Val di Taro (Tal des Taro) in der heutigen Provinz Parma, damals im Kirchenstaat gelegen. Der Genueser Giovanni Andrea III. Doria Landi heiratete 1671 Anna Pamphilj von Gubbio. Als deren Neffe Girolamo Pamphilj, Herzog von Carpineto, 1760 als letzter der Familie Pamphilj starb, vererbte er seine umfangreichen Besitzungen an seinen Neffen Giovanni Andrea Doria-Landi, Fürst von Melfi (1705–1764). Dazu gehörten der berühmte Palazzo Doria-Pamphilj in Rom sowie große Ländereien in Latium im Kirchenstaat. 1763 nahm Fürst Andrea IV. Doria daher den Namen Doria–Pamphilj–Landi an. Diese Linie ist im Jahre 2000 mit Donna Orietta, einziger Tochter des Fürsten Filippo Doria Pamphilj Landi, ebenfalls erloschen; den Palazzo Doria-Pamphilj in Rom, mitsamt der wohl bedeutendsten privaten Kunstsammlung Italiens, sowie die Villa des Andrea Doria in Genua erbten ihre Adoptivkinder Jonathan und Gesine, die sie bis heute besitzen. Die Villa Doria Pamphilj in Rom mit ihrem weitläufigen Park wurde 1957 an die italienische Regierung verkauft, mit Ausnahme der Grabkapelle der Familie.

Linie der Fürsten von Melfi

Das Castello di Melfi in der Basilikata (1531 bis 1950 im Besitz der Familie)
Wappen der Fürsten Doria-Pamphilj-Landi

Sonstige Familienmitglieder

Marchesa Brigida Spinola-Doria (Peter Paul Rubens 1606)

Andere Träger des Namens Doria

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ DORIA, Ansaldo, Dizionario Biografico degli Italiani - Volume 41 (1992)
  2. ↑ Eine Notiz aus dem 18. Jahrhundert, die sich auf (nicht mehr vorhandene) Urkunden der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bezieht.
  3. ↑ Palazzo Intrigue. In: Vanity Fair. Januar 2014 (englisch, vanityfair.com).
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