Dorothea Pichelt

Johanna Dorothea Pichelt, verheiratete Geiger, (* 26. April 1790 in Nordhausen am Harz; † 19. Dezember 1824 in Magdeburg) war eine deutsche Soldatin in den Befreiungskriegen.

Leben

Dorothea Pichelt wurde als jüngste Tochter des Weißgerbers Andreas Pichelt und der Waschfrau Eleonore Pichelt, geb. Schneegaß in der Freien Reichsstadt Nordhausen geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf und soll früh das Reiten erlernt haben.

Nach dem Tod ihrer Eltern lebte sie mit ihrem älteren Bruder. Als zur Bildung freiwilliger Jägerkorps Anfang Februar 1813 aufgerufen wurde, verließ sie unbemerkt in der Kleidung ihres Bruders das Elternhaus und galt als verschwunden. Sie nahm einen größeren Geldbetrag mit und kaufte sich dafür ein Pferd, eine Uniform und Waffen. Daraufhin trat sie als Theodor Pichelt dem östlich der Elbe gebildeten Freikorps als Dragoner (26. Regiment) bei, mit dem sie später auch durch Nordhausen kam. Als Frau soll sie unerkannt geblieben sein. Mit zwei anderen Soldaten rettete sie dem Schwadronsführer das Leben, wofür sie mit einer Denkmünze geehrt wurde. Nach dem Einzug der siegreichen preußischen Truppen in Magdeburg gestand sie dem Wachtmeister, dass sie eine Frau sei. Der Kommandeur rühmte Dorothea öffentlich für ihre Vaterlandsliebe und Verdienste.

Später heiratete sie den katholischen Feldwebel Johann Geiger (ca. 1784–1825). Ihre Ehe blieb kinderlos. Sie ist in Magdeburg an „Halsschwindsucht“ verstorben und wurde am 19. Dezember 1824 auf dem Garnisonsfriedhof/Militärkirchhof feierlich und respektvoll begraben. Ein für sie errichtetes Denkmal wurde bei Umgestaltung des Friedhofes beseitigt. Am 18. Oktober 1913 wurde durch den Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein am Geburtshaus auf dem Lohmarkt eine Gedenktafel angebracht:

In diesem Hause wurde die Kämpferin
in den Freiheitskriegen
Dorothea Pichelt
am 26. April 1790 geboren.

Die Gedenktafel wurde bei den Luftangriffen auf Nordhausen im April 1945 zusammen mit dem Geburtshaus zerstört.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ (Ehrung einer Freiheitskämpferin). In: Saale-Zeitung Nr. 418, 6. September 1813 (Abend-Ausgabe, 3. Beiblatt) (Digitalisat).
  2. ↑ (Eine Heldin der Befreiungskriege). In: Unterhaltungsblatt. Tägliche Gratisbeilage zum Dortmunder General-Anzeiger Jg. 12, Nr. 295, 28. Oktober 1899 (Digitalisat).
  3. ↑ Susanne Wosnitzka: Geiger, Johanna Dorothea (Dorothee) Elis[abeth?], geb. Pichelt (Bügel / Biegel / Piegeln), Pseudonyme "Theodor Pichelt", "Karl Biegel / Piegeln". In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen-Anhalt. Band 2: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945. Böhlau, Köln u. a. 2019, ISBN 978-3-412-51145-6, S. 169.
  4. ↑ Artern, 10. September. In: Merseburger Kreisblatt. Tageblatt für Stadt und Land Jg. 142, Nr. 214, 12. September 1913 (Digitalisat).
  5. ↑ Vgl. Vermischte Nachrichten. In: Spenersche Zeitung Nr. 303, 24. Dezember 1824 (Digitalisat).
  6. ↑ Vgl. Der baierische Volksfreund, Band 2, München, den 11. Januar 1825, S. 22. Digitalisat und Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 7, Samstag, den 8. Jan. Anno 1825, S. 3 (Digitalisat). Der Militärfriedhof, der nördlich des Hauptbahnhofs lag, wurde im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört und um 1970 eingeebnet. An seiner Stelle befindet sich heute eine Schule. Vgl. Hans-Joachim Krenzke: Magdeburger Friedhöfe und Begräbnisstätten. in: Landeshauptstadt Magdeburg/Stadtplanungsamt Magdeburg (Hrsg.): Dokumentationen des Stadtplanungsamts. Band 60, Magdeburg 1998, S. 151. Digitalisat pdf-Teil 2.

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Personendaten
NAME Pichelt, Dorothea
ALTERNATIVNAMEN Pichelt, Theodor (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Freiheitskämpferin unter napoleonischer Fremdherrschaft
GEBURTSDATUM 26. April 1790
GEBURTSORT Nordhausen
STERBEDATUM 19. Dezember 1824
STERBEORT Magdeburg