Donna Donna

Donna Donna, auch Donna, donna (jiddisch דאָנאַ דאָנאַ Dona Dona) oder Dos Kelbl (דאָס קעלבל dos kelbl, deutsch ‚das Kälbchen‘), ist ein 1940 entstandenes Lied mit einer Melodie von Sholom Secunda und jiddischem Text von Aaron Zeitlin. Eine spätere englischsprachige Version wurde 1960 von Joan Baez und 1965 von Donovan popularisiert.

Inhalt

Der Text handelt von einem Kälbchen, das auf einem Wagen (zur Schlachtbank) transportiert wird. Eine Schwalbe dreht Pirouetten am Himmel. Das Kalb schreit, und der Bauer antwortet: „Wer sagt denn, dass du ein Kalb sein sollst? Du hättest doch auch eine Schwalbe sein können.“ Das Lied endet mit dem Fazit, dass hilflose Kälber geschlachtet werden, aber wer Flügel hat, fliegt nach oben und ist niemandes Knecht.

Geschichte

Das Lied wurde, mit Dana Dana betitelt, von den jüdischen Künstlern Aaron Zeitlin (Text) und Sholom Secunda (Melodie) in jiddischer Sprache für das Musical Esterke (1940–1941) geschrieben. Fälschlicherweise wird es bisweilen dem im KZ Auschwitz ermordeten Schriftsteller Jizchak Katzenelson zugeschrieben.

Secunda schrieb Dana für Orchester und die Variante Dana Dana für ein Vokalensemble. Der jiddische Text wurde in lateinischer Schrift verfasst. Die Anfangsmelodie bildete zugleich den Abschluss des Liedes. Die Rechte am Lied hatte ab 1940 die New Yorker Mills Music Inc. und in Deutschland der Belwin-Mills Musikverlag in Berlin. Das Notenblatt wurde 1943 von Metro Music Co., New York publiziert. Die erste Übersetzung ins Englische nahm Sholom Secunda selbst vor, sie verbreitete sich aber nicht. Erst die englische Bearbeitung von Sheldon Secunda (Sohn von Betty Secunda und Sholom Secunda) sowie Arthur Kevess und Teddi Schwartz unter dem Titel Donna Donna um 1956 wurde zum Erfolg. Der entscheidende Durchbruch des Liedes kam aber erst durch Aufführungen von Joan Baez 1960 sowie von Donovan 1965.

Das Lied wurde in eine Reihe von anderen Sprachen übersetzt, so etwa in Deutsch, Französisch, Japanisch, Hebräisch und Russisch. Es wurde von einer Vielzahl weiterer Interpreten wie etwa Nizza Thobi, Chava Alberstein, Esther Ofarim, Theodore Bikel, Zupfgeigenhansel, Karsten Troyke, Sumi Jo, Hélène Rollès im Duett mit Dorothée und Claude François aufgegriffen.

In der Nachkriegsperspektive wird das Lied manchmal auf den Transport von Menschen in Konzentrationslager bezogen. Seit 2017 wird es jedes Jahr am 9. November beim Klang der Stolpersteine in vielen Stadtteilen von Jena zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938 gemeinschaftlich und öffentlich gesungen und musiziert.

Die Worte „Donna Donna“ sollen nach Meinung einiger auf hebräisch Donaj zurückgehen, Kurzform von Adonai, einer im Hebräischen üblichen Anrede von Gott. Sowohl aus sprachlichen (die damals übliche aschkenasische Aussprache war Adojnoj) als auch religiösen (die Anrufung Gottes in einem einfachen Lied war unüblich) Gründen ist diese Herleitung nicht plausibel.

Japan

In Japan wurde das Stück 1966 bekannt, als es von Yōko Kishi in der Fernsehsendung Minna no Uta bei NHK gesungen wurde. Seitdem taucht es in Liederbüchern für Schüler der Grund- bis Oberstufen auf.

Weitere Verbreitung erreichte es 1997, als es in der Anime-Fernsehserie Utena. Revolutionary Girl verwendet wurde. Von da aus ging es in den japanischen Sprachgebrauch in verschiedenen Slangs über, wo dona dona (japanisch ドナドナ) im Sinne von „zur Schlachtbank geführt werden“ verwendet wird, z. B. wenn man von der Polizei abgeführt wird oder wenn Unternehmen zum Schleuderpreis verkauft werden. Eisenbahnfans bezeichnen damit ausrangierte Waggons.

Literatur

Fußnoten

  1. 1 2 Pearls of Yiddish Song. Favorite Folk, Art and Theatre Songs with Yiddish Texts and Music, Parallel Transliterations, Translations, Historical Background, Guitar Chords. Zusammengestellt von Eleanor Gordon Mlotek und Joseph Mlotek. Workmen’s Circle, New York 1988, S. 175 f.
  2. ↑ Siehe beispielsweise Brian Murdoch: Fighting Songs and Warring Words. Popular lyrics of two world wars. Routledge, London / New York 1990; S. 195;
    Sam Liptzin: zingen mir. New York: amkho, 1949; S. 26;
    Sam Liptzin: zingen mir. amkho, New York 1954; S. 43;
    Cultural Committee of the Jewish People’s Order (Hrsg.): lomir zingen di lider fun folk. s. l. et a. (Toronto?); S. 70. Katzenelsons Urheberschaft wird aber in der Forschung entschieden abgelehnt; vgl. hierzu Gordon Mlotek & Mlotek (1988) sowie http://www.musik-for.uni-oldenburg.de/klezmer/politbildung/blatt10.htm#4.
  3. ↑ www.discogs.com.
  4. ↑ www.nytimes.com.
  5. ↑ Hansjoachim Kaps: Folkloristische Suite für Gitarre. 12 Volksweisen aus aller Welt. Musikverlag Josef Preißler, München 1979, S. 10 f. (Donna, donna. Komp.: Sholom Secunda; Text: Sheldon Secunda, T. Schwartz, A. Keves.)
  6. ↑ PETA apologizes for Holocaust comparisons
  7. ↑ Henry Bernhard: Musikalisches Gedenken in Jena. Der Klang der Stolpersteine. In: Deutschlandfunk. 10. November 2017, abgerufen am 8. April 2024.
  8. ↑ Christiane Schmitt: 9. November. Das andere Gedenken. In: Jüdische Allgemeine. 5. November 2020, abgerufen am 8. April 2024.
  9. ↑ 1000090917. In: Colloborative Reference Database. Nationale Parlamentsbibliothek Japans, 13. Juli 2017, abgerufen am 27. Dezember 2020 (japanisch).
  10. ↑ ドナドナと. In: Nico Nico Pedia. Abgerufen am 27. Dezember 2020 (japanisch).