Downhill

Downhillfahrer

Downhill, auch Bergabfahrt, ist eine Variante verschiedener Sportarten, insbesondere des Radsports (genauer Mountainbiking). Dabei kommt es darauf an, eine bergab führende Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen.

Im englischen Sprachgebrauch steht Downhill gleichbedeutend für die Abfahrt als Disziplin des alpinen Skisports.

Grundlegendes

Downhiller auf einer Rennstrecke

Im Downhill (kurz „DH“, zu Deutsch „Abfahrt“) gilt es – analog zum Skisport – eine definierte, primär bergab führende Strecke, in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Die Schwierigkeit besteht darin, sowohl natürliche als auch künstlich angelegte Hindernisse zu überwinden und innerhalb einer markierten Spur die schnellste Linie zu finden. Bei Wettkämpfen ist die Strecke in der Regel bekannt und wird vor den gewerteten Abfahrten vom Fahrerfeld begangen (im Englischen als "track walk" bezeichnet) und während offener Trainingszeiten einstudiert. Üblicherweise starten die Fahrerinnen und Fahrer einzeln, sodass es keine Überholvorgänge auf der Strecke gibt.

Wenige Rennformate wie z. B. die Megavalanche arbeiten aus organisatorischen Gründen mit einem Massenstart, hier sind die Strecken aber nicht vergleichbar mit den üblichen Downhillstrecken.

Besonderheiten an Downhill-Fahrrädern

Hohe Geschwindigkeiten und grobes Gelände stellen besondere Anforderungen an die Bauweise von Downhill-Fahrrädern und beschränken ihren Einsatzbereich auf das Bergabfahren. Fahrräder, die im Rennbetrieb konkurrenzfähig sein sollen, sind hochspezialisierte Sportgeräte. Bei allen Anpassung wird immer ein bestmöglicher Kompromiss zwischen Stabilität, Gewicht, Traktion und Fahrverhalten angestrebt, um unter gegebenen Bedingungen die optimale Fahrleistung zu erzielen.

Die Seilbahn als Beförderungsmittel

Sessellift mit Fahrradaufhängung in Winterberg

Je nach Konsequenz in der Umsetzung der oben genannten Anforderungen haben Downhill-Fahrräder Defizite in der Eignung zum Bergauffahren. Ersatzweise kann der Aufstieg mittels motorisierter Hilfsmittel wie KFZ oder Seilbahnen bewältigt werden. Immer mehr Berggebiete rüsten ihre Bahnen mit entsprechenden Vorrichtungen für Fahrräder aus. So kann der Verlust durch schneearme Winter finanziell aufgefangen werden.

Die Fahrtechnik

Das Gelände bietet die vielfältigsten Anforderungen: Bodenwellen, lose Steine, glatte und diagonal zur Fahrtrichtung verlaufende Wurzeln, hohe Stufen, weite Sprünge, starke Schläge, fester und loser Untergrund. Je schneller die Fahrt, umso aktiver muss der Fahrer bei jedem Hindernis mit entsprechender und ausgefeilter Technik reagieren. Gefahren wird immer im Stehen. Die Beine sind leicht gebeugt, sodass Schläge gut aufgenommen werden können. Ein Absenken der Fersen vermindert bei Flat-Pedals das Rutschen auf dem Pedal. Alternativ kommen Klickpedale zum Einsatz.

Die Arme sind ebenfalls gebeugt und die Ellenbogen nach außen gedreht. Durch Duck- und Streckbewegungen wird das Fahrrad aktiv am Boden gehalten. Abgesprungen wird nur dann, wenn es nicht möglich ist, das Fahrrad am Boden zu halten oder wenn ruppiges Gelände (Wurzelfelder, Steinfelder) zu stark ausbremsen. Die Bremse wird mit jeweils einem Finger gezogen, sodass die volle Kraft zum Halten des Lenkers zur Verfügung steht.

Besonders viele Anfänger machen diesen Fehler und bremsen mit zwei oder mehr Fingern am Bremshebel. Für viele suggeriert das mehr Sicherheit, doch sind moderne Bremsen so leistungsstark, dass die Vorteile durch höhere Griffkraft überwiegen und ein sichereres Fahren ermöglicht. Der Blick ist stets ausreichend nach vorne zu richten. Wichtig ist es, in die gewünschte Fahrtrichtung zu blicken. Häufig wird zu dicht vor das Vorderrad geschaut.

Körperliche Belastungen

Pulsverlauf während eines Downhills

Eine schnelle und sichere Fahrt setzt eine sehr gute körperliche Fitness voraus. Es werden durch das Sportgerät diverse Kräfte auf den Fahrer ausgeübt, bei der Dämpfung werden kurzzeitig viele Muskeln beansprucht:

Zusammenfassend werden schnelle, kurze Reaktionen auf äußere Einwirkungen erforderlich.

Die Schutzausrüstung

Ohne Schutzausrüstung würde sich der Fahrer im Gelände unnötigen Gefahren aussetzen. Dank Protektoren gehen kleine Stürze meist glimpflich aus, da diese gegen leichte Prellungen und offene Wunden schützen. Frakturen, Bänderrisse und andere schwere Verletzungen kann aber auch eine gute Schutzausrüstung nicht immer verhindern, sie sollte daher kein Grund sein, um ein höheres Risiko einzugehen.

Eine komplette Schutzausrüstung besteht aus einem Fullface- oder Vollvisierhelm (Integralhelm), Oberkörperpanzer, einer Schutzbrille, Nackenstütze (Neckbrace), Handschuhen, Ellbogen- und Knie-Schienbeinschonern.

Bei Rennen ist eine komplette Schutzausrüstung in der Regel Pflicht. Ebenso in den meisten Bikeparks.

Die Gefahren und Störungen

Die Schweizerische Unfallversicherung Suva stuft Downhill als „absolutes Wagnis“ ein, bei dem Versicherungsleistungen gekürzt oder gar ganz entzogen werden können. Nicht nur der Wettkampf, auch das Training sei mit hohen Risiken verbunden, weil „davon auszugehen ist, dass die Grenzen ausgelotet und ähnliche Risiken wie beim Rennen eingegangen werden“.

Dem halten Biker entgegen, dass anders als beim Straßenradsport, wo andere Verkehrsteilnehmer ein häufiger Grund für Unfälle sind, der Biker für sein Tun selbst verantwortlich sei. Der Downhiller sei gut gepanzert und stecke selbst grobe Stürze bestenfalls ohne eine Schürfung weg, Verletzungen sind aber trotzdem nicht selten. Die Downhill-Bikes verzeihen viele Fahrfehler, bei denen man mit einem weniger spezialisierten Bike gestürzt wäre. Gefährlich könne es werden, wenn unerfahrene Fahrer sich überschätzen oder Unvorhergesehenes eintritt: Materialversagen, ein nicht markierter Draht über dem Weg oder Wanderer auf abgesperrten Strecken. Die größte Verletzungsgefahr ist jedoch der Sturz auf das Genick, denn dieses liegt direkt zwischen Helm und Rückenprotektor und ist daher ungeschützt. Inzwischen gibt es jedoch Nackenstützen (Neck Brace), die diesen Bereich schützen. Dennoch halten auch Downhill-Experten wie Marcus Klausmann die Sportart für eine gefährliche Extremsportart.

Als störende Umweltauswirkungen können sich, vor allem bei Großveranstaltungen, Erosions- und Wegeschäden ergeben. Durch die erhöhte Geschwindigkeit verursachen Downhill-Mountainbikes im Vergleich zu Wanderern einen stärkeren Überraschungseffekt für Wildtiere, der zu kräftezehrendem Fluchtverhalten führen kann.

Entsprechend wird derzeit häufig eine Legalisierung von vorhandenen Strecken diskutiert, ebenso werden offizielle Strecken angelegt. So sollen flächig verteile, illegale Trails vermindert und Ruhezonen für im Wald lebende Tiere geschaffen werden.

Skateboardsport

Downhill-Skater in Puerto Madryn

Skateboard-Downhill StandUp

Downhill ist auch eine Disziplin für Skateboard beziehungsweise Longboard. Auf speziellen Downhill- oder Speedboards werden Wettkämpfe auf gesperrten Bergstraßen gefahren.

Longboard oder Speedboard

Bei einem Longboard (beim „Downhillen“ oft auch als Speedboard bezeichnet), handelt es sich um ein langes Skateboard ohne Kicktail. Dies wird mit breiten Achsen ausgestattet, damit die Fahrt bei höheren Geschwindigkeiten stabiler ist. Bei lockeren Achsen und geringeren Geschwindigkeiten treten sogenannte Speedwobbles auf. Das sind Schwingungen von lenkbaren Rädern beziehungsweise Achsen, die beispielsweise auch an Einkaufswagen zu beobachten sind.

Ausrüstung

Beim Skateboard-Downhill kann ein Sturz (je nach Fahrstil und Tempo) fatale Folgen haben. Dementsprechend werden Lederkombi, Helm und Protektoren getragen. Die Lederkombi schützt vor Schürfungen, der Helm vor groben Schlägen auf den Kopf und die Protektoren vor Prellungen.

Um eine schmale Kurve gleiten geübte Fahrer mit relativ hoher Geschwindigkeit, indem sie ihren Schwerpunkt nach innen und das Gewicht auf die Hände verlagern. Als Schutz dienen Handschuhe, sogenannte Slidegloves. Diese werden oft aus einem Motorradhandschuh und einem Kunststoffküchenbrett gebastelt.

Downhill-Skateboard im Straßenverkehr

Da es keine offiziellen Strecken zum Downhillen gibt, muss auf befahrenen Straßen trainiert werden. Dies kann zu einer Geldstrafe führen (Schweiz), da das Longboard als „fäG“ (fahrzeugähnliches Gerät) gilt. Allerdings gibt es in manchen Regionen extra Einrichtungen und Straßen, die man zum Üben nutzen kann. Dafür muss man nur einen kleinen Betrag zahlen.

Fachjargon

Da der Sport aus den Vereinigten Staaten und Kanada kommt, haben die Ausdrücke des Fachjargon auch dort ihre Wurzeln:

Sonstiges

In Europa wird seit 2008 jedes Jahr die Rennserie „iXS European Downhill Cup“ als bedeutendster Downhill-Wettkampf Europas ausgetragen. In Deutschland und der Schweiz sind der „iXS German Downhill Cup“ sowie der „iXS Swiss Downhill Cup“ als nationale Rennserien anerkannt.

Zu den besten Downhill-Mountainbikern zählen unter anderem Samuel Hill, Gee, Dan und Rachel Atherton, Cédric Gracia, Greg Minnaar, Fabien Barel, Matti Lehikoinen, Nathan Rennie und Steve Peat; Marcus Klausmann, Fabio Wibmer und Jackson Goldstone.

Höchstgeschwindigkeits-Downhill auf unterschiedlichen Untergründen und mit Serien- oder Spezialfahrrädern ist als Extremsportart zu werten, da es ein enormes Risiko birgt. Vertreter dieser Variante waren beziehungsweise sind Éric Barone und Markus Stöckl. Die aktuellen Rekorde liegen zum Beispiel bei rund 165 km/h (Schotter/Sand mit Serienmodell) beziehungsweise 222 km/h (Schneepiste mit Sondermodell).

Commons: Downhill – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Schweizer Premiere im Jura — Dieser Skilift befördert jetzt Mountainbikes. In: srf.ch. 6. Mai 2023, abgerufen am 7. Mai 2023.
  2. ↑ Suva definiert Downhiller als Hochrisiko-Sportler. In: ride.ch. Archiviert vom Original am 18. September 2014; abgerufen am 26. Mai 2025.
  3. ↑ Extremsport: Downhill – Auf der letzten Rille. In: sueddeutsche.de
  4. ↑ Natursport – Mountainbiking. (PDF) In: lfu.bayern.de. Bayerisches Landesamt für Umwelt, August 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Mai 2015; abgerufen am 18. März 2021.