
Die Dresdner Reformatorenbibel ist ein handkoloriertes Exemplar der von Hans Lufft in Wittenberg im Jahr 1545 gedruckten Biblia Deudsch. Eine Besonderheit der Bibel sind beigebundene Vorsatzblätter, die Porträts und Handschriftproben von Wittenberger Reformatoren enthalten. Das Exemplar wird in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) mit der Signatur Mscr.Dresd.A.51.a,misc.1 aufbewahrt.
Eigentümer der Bibel war (laut Widmung des Sohns von Justus Jonas) ein Wittenberger Bürger „Meister Hans“, dessen Identität lange Zeit unklar war. Es handelt sich um den Erzschmied Hans Reichknecht. Er wurde in Wittenberg als Hausbesitzer in der Scharrenstraße 3 von 1550 bis 1589 nachgewiesen.
1945 wurde die Bibel durch eindringendes Wasser in den vermeintlich sicheren Tiefkeller des Japanischen Palais schwer beschädigt. Die Restaurierung anlässlich des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 konnte diese nur teilweise beheben.
Die Reformatorenbibel interessierte schon immer wegen der darin enthaltenen Porträts und Autographen. Neuerdings fällt ins Auge, dass hier die private Frömmigkeit eines Wittenberger Handwerkers des 16. Jahrhunderts dokumentiert ist. Reichknecht ist kein Einzelfall, seine Bibel steht repräsentativ für eine Textgattung:
„Der im 16. Jahrhundert in Wittenberg entstandene Brauch, Bucheinträge der Reformatoren in Lutherbibeln zu sammeln, bildete eine ganz eigene Textgattung heraus, die auch als solche wahrgenommen wurde. Georg Rörer, ein Schüler Luthers, sammelte diese Zeugnisse und ließ sie 1547 unter dem Titel ‚Vieler schönen Sprüche aus Göttlicher Schrift auslegung, daraus Lehre und Trost zu nehmen, welche der ehrwürdige Herr Doctor Martinus Luther seliger vielen in ihre Biblien geschrieben‘ in Wittenberg bei Hans Lufft drucken. Die Bucheinträge zeigten meist dasselbe Muster: Einem Bibelzitat – lateinisch oder deutsch – folgte eine kurze Auslegung, autorisiert durch Datum und Unterschrift.“
