João Bénard da Costa

João Pedro Bénard da Costa (* 7. Februar 1935 in Lissabon; † 21. Mai 2009 ebenda) war ein portugiesischer Autor, Publizist, Cineast, Schauspieler und Filmkritiker.

Er war dem portugiesischen Kino in vielfältiger Weise verbunden, leitete 18 Jahre lang die Cinemateca Portuguesa, schrieb Bücher über Film und war während seines Lebens an mehreren Stellen der Filmproduktion tätig. Auch als Schauspieler war er aktiv, besonders oft für Regisseur Manoel de Oliveira und häufig unter seinem Pseudonym Duarte de Almeida.

Sein weniger bekannter Sohn João Pedro Bénard da Costa ist ebenfalls häufig an Filmproduktionen beteiligt und wird in Datenbanken gelegentlich mit dem gleichnamigen Vater verwechselt.

Leben

João Pedro Bénard da Costa wurde als Sohn von João Pedro da Costa und Maria Margarida Bénard in eine großbürgerliche Lissabonner Bildungsbürger-Familie geboren. So besuchte er schon als Kind regelmäßig die Museen seiner Stadt, fand großen Gefallen am Lesen und hörte zuhause Opern. Er wuchs zwischen der Lissabonner Stadtwohnung in der Avenida António Augusto de Aguiar und den Sommern im Landhaus der Familie in der Serra da Arrábida auf.

Nach seinem Abitur fing er ein Jurastudium an, brach es aber bald ab und studierte philosophisch-historische Wissenschaften an der Universität Lissabon, wo er von 1957 bis 1958 dem Verein der katholischen Studentenjugend vorstand. Er schloss das Studium 1959 mit Auszeichnung ab, mit einer Arbeit über den „anderen“ bei Emmanuel Mounier. Danach arbeitete er zunächst als Lehrer an verschiedenen weiterführenden Schulen (Liceus).

Bereits als Student hatte Bénard da Costa eine starke Affinität zur Filmkunst entwickelt. So leitete er von 1957 bis 1960 den Filmklub Centro Cultural de Cinema (CCC) und war 1963 Mitbegründer der Zeitschrift O Tempo e o Modo, deren Direktor er bis 1970 auch war. Von 1964 bis 1966 arbeitete er am pädagogischen Forschungszentrum der Gulbenkian-Stiftung. 1969 wurde er Leiter der neu gegründeten Filmsektion der Gulbenkian-Stiftung, was er bis 1991 blieb. Während der Estado-Novo-Diktatur war er als Oppositioneller häufig Opfer von Repression, wobei er dem nicht-kommunistischen Widerstand angehörte, der weniger brutal verfolgt wurde. Gleichwohl gehörte er der katholischen Linken an, die bis nach der Nelkenrevolution mit den übrigen linken Gruppen zusammen opponierte und Kontakte auch zur einflussreichen kommunistischen Partei Portugals unterhielt. So war es die Geheimpolizei PIDE, die seine zunächst angestrebte akademische Laufbahn an der Universität verhinderte. 1965 gehörte er zu den 101 prominenten Unterzeichnern eines katholischen Manifestes gegen den portugiesischen Kolonialkrieg, den das Regime seit 1961 in den sogenannten „portugiesischen Überseeprovinzen“ führte. Im Mai 1968 trat er schließlich aus der katholischen Kirche aus, nachdem der Papst sich unkritisch mit Diktator Salazar zeigte. Nach der Nelkenrevolution schloss er sich dem linken Movimento de Esquerda Socialista (MES) an, zusammen mit Namen wie Jorge Sampaio, César de Oliveira oder Paulo Portas. Danach setzte er sich gelegentlich für die PS ein, trat aber keiner Partei bei.

Bénard da Costa reiste seit den 1950er Jahren häufig nach Paris, wo er sich mit Filmschaffenden anfreundete und Filme sah, die in Portugal von der Zensur verboten waren. Dank dieser Kontakte organisierte er mit seinem Filmklub und später in der Gulbenkian-Stiftung zahlreiche gut besuchte Vorführungen. So zeigte er etwa 1973 Rossellinis neorealistischen Klassiker Rom, offene Stadt im Lissabonner Cinema Roma in Anwesenheit des Regisseurs und anderer, darunter Henri Langlois, Leiter der Cinémathèque française. Rossellini war bei seinem eigenen Film eingeschlafen und wurde von frenetischem Applaus und euphorischen antifaschistischen Ausrufen des Publikums geweckt.

Von 1973 bis 1980 war er Lehrer für Filmgeschichte an der Filmhochschule des Nationalkonservatoriums (heute ESTC) und wurde 1980 stellvertretender Direktor der Cinemateca Portuguesa, dem staatlichen portugiesischen Filmmuseum und Filminstitut. 1991 wurde er Direktor der Cinemateca, was er bis in sein Todesjahr blieb und deren Ausrichtung und Bedeutung er maßgeblich prägte, etwa in der umfangreichen Veröffentlichungspolitik des Hauses, den Filmrestaurationsprogrammen oder dem kuratierten Vorführungsprogramm mit thematischen Filmzyklen, Filmpremieren und regelmäßigen Retrospektiven.

Als Schauspieler trat er in zahlreichen Filmen auf, meist in Nebenrollen. Besonders häufig spielte er in Filmen von Manoel de Oliveira mit. In dessen Film Das Kloster spielte er 1995 an der Seite von Catherine Deneuve und John Malkovich eine größere Rolle als satanistischer Diener und brachte sein Wissen um die Geheimnisse in der Serra da Arrábida ein, in der er zum Teil aufgewachsen war und wo der Film gedreht wurde. Meist trat er unter seinem Pseudonym Duarte de Almeida auf, gelegentlich aber auch unter seinem echten Namen oder Varianten davon. Gelegentlich war er auch an anderen Stellen der Filmproduktion tätig, etwa als Produktionsassistent für Raúl Ruiz.

Er lehrte Filmgeschichte an der Universidade Nova de Lisboa (1994/95) und an der Universidade Lusófona (1999/2000), zudem schrieb er über Filmthemen, sowohl Kolumnen in Zeitungen, insbesondere der Wochenzeitung O Independente, als auch zahlreiche Bücher. 2001 erhielt er den Literaturpreis Prémio Pessoa für seine Arbeiten.

In den 2000er Jahren mehrten sich Stimmen, die die Cinemateca unter seiner Führung für zu eingefahren und konservativ hielten. Mit einer besonderen ministeriellen Erlaubnis blieb er dennoch ihr Leiter über sein Renteneintrittsalter hinaus, bis Gesundheitsprobleme im Januar 2009 einen Wechsel an der Spitze der Cinemateca herbeiführten.

João Bénard da Costa war seit 1958 mit Ana Maria Toscana verheiratet, das Paar hatte vier Kinder. Am 21. Mai 2009 starb der starke Raucher zuhause an Krebs. Er wurde am 22. Mai auf dem Lissabonner Friedhof Cemitério dos Olivais beigesetzt.

Filmografie

Literatur

Werke von João Bénard da Costa

Werke über João Bénard da Costa

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag zu João Pedro Bénard da Costa (Filho) bei CinePT, die filmwissenschaftliche Website der Universität Beira Interior, abgerufen am 17. März 2023
  2. 1 2 3 Biografie João Bénard da Costas bei der Universität Lissabon, PDF-Abruf vom 17. März 2023
  3. 1 2 3 Biografischer Eintrag zu João Bénard da Costa in der Infopédia, der Online-Enzyklopädie der Porto Editora, abgerufen am 17. März 2023
  4. 1 2 João Bénard da Costa: esta vida não acabou aqui [„João Bénard da Costa: dieses Leben ist hier nicht zuende“], ausführlicher biografischer Nachruf vom 22. Mai 2009 der Zeitung Público, abgerufen am 17. März 2023
  5. ↑ Morreu João Bénard da Costa [„João Bénard da Costa gestorben“], Nachruf vom 21. Mai 2009 der Zeitung Jornal de Notícias, abgerufen am 17. März 2023
  6. ↑ Morreu João Bénard da Costa [„João Bénard da Costa gestorben“], Nachruf vom 21. Mai 2009 auf der Website des privaten Fernsehsenders TVI, abgerufen am 17. März 2023
  7. ↑ Auszeichnungen und Nominierungen für João Bénard da Costa in der Internet Movie Database, abgerufen am 17. März 2023
  8. ↑ Laureado Prémio Pessoa 2001 - João Bénard da Costa [„Prémio Pessoa 2001 vergeben - João Bénard da Costa“], Artikel vom 22. Dezember 2001 der Wochenzeitung Expresso, dort archivierte Version vom 1. November 2010, abgerufen am 17. März 2023
  9. ↑ Ergebnisliste nach Eintippen des Namens "João Bénard da Costa" ins Suchfeld der Website der Ehrenorden bei der Staatspräsidentschaft Portugals, abgerufen am 17. März 2023
Personendaten
NAME Costa, João Bénard da
ALTERNATIVNAMEN Costa, João Pedro Bénard da (vollständiger Name); Almeida, Duarte de (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG portugiesischer Autor, Publizist, Schauspieler und Filmkritiker
GEBURTSDATUM 7. Februar 1935
GEBURTSORT Lissabon, Portugal
STERBEDATUM 21. Mai 2009
STERBEORT Lissabon, Portugal