Dyani White Hawk

Dyani White Hawk (* 1976 in Madison, Wisconsin) ist eine US-amerikanische multidisziplinäre Künstlerin und Kuratorin der Sičáŋǧu Lakota. Mit Malerei, Perlenarbeit, Skulptur und Video stellt sie abstrakte Lakota-Traditionen in einen Dialog mit westlicher Moderne und amerikanischer Nachkriegsabstraktion. Ihr Werk hinterfragt Hierarchien, die indigene Formen als Handwerk oder ethnografische Objekte abwerteten, während westliche Künstler für verwandte Bildsprachen Anerkennung erhielten.

Leben

White Hawk wurde in Madison geboren und von ihrer Sičáŋǧu-Lakota-Mutter in einer indigenen Gemeinschaft erzogen, die auch ihr künstlerisches Interesse förderte. Sie erwarb 2003 einen Associate-Abschluss an der Haskell Indian Nations University, 2008 den Bachelor of Fine Arts am Institute of American Indian Arts und 2011 den Master of Fine Arts an der University of Wisconsin–Madison. Von 2011 bis 2015 leitete und kuratierte sie die All My Relations Gallery in Minneapolis; danach konzentrierte sie sich auf ihre Atelierpraxis. Sie lebt und arbeitet in Minneapolis. 2023 erhielt sie die MacArthur Fellowship, 2024 eine Guggenheim Fellowship.

Wirken

White Hawks geometrische Bildsprache greift Lakota-Perlenarbeiten, Federkielarbeiten aus Stachelschweinstacheln und Parfleche-Malerei auf und setzt sie in Beziehung zu Abstraktem Expressionismus, Farbfeldmalerei, Hard Edge und Minimalismus. Sie nutzt Kapémni, zwei sich an den Spitzen berührende Dreiecke, welche die physische und die spirituelle Welt sowie deren Zusammengehörigkeit bezeichnen. Im Masterstudium führte sie Federkielarbeit in Gemälde ein und bildete deren Strukturen später malerisch nach; daraus entwickelte sie eine Praxis, die auch Zeitaufwand und die oft übersehene Arbeit indigener Frauen verdeutlicht. In Quiet Strength (2016–2020) erzeugte sie mit Tausenden gemalten Linien geometrische Flächen, die sowohl an Federkiel- und Perlenarbeit als auch an Minimalismus und Farbfeldmalerei erinnern. Die lebensgroße Fotoarbeit I Am Your Relative (2020) rückt indigene Frauen als Individuen ins Zentrum, während die mehrkanalige Videoinstallation Listen (ab 2020) indigene Frauen in ihren nicht übersetzten Sprachen auf dem Land ihrer Vorfahren zeigt. Für die Whitney-Biennale 2022 schuf sie Wopila | Lineage, eine großformatige Arbeit aus Acrylfarbe und Glasperlen, die mit einem überwiegend indigenen Team ausgeführt wurde und Lakota-Frauen für ihren Beitrag zur Geschichte der Abstraktion würdigt. Die ortsspezifische Installation Nourish im Whitney Museum of American Art besteht aus Tausenden handgefertigten Keramikfliesen und überträgt Farben der Lakota-Perlen- und Federkielästhetik in einen öffentlichen Aufenthaltsraum. Bei einem 2024 vorgestellten, rund drei Meter hohen Skulpturenprojekt ließ sie Verwandte und Freunde ihres Atelierteams eigene Perlenmuster entwickeln und machte gemeinschaftliche Autorenschaft zum Bestandteil des Werks. Die Überblicksausstellung Love Language im Walker Art Center und Remai Modern beinhaltete 2025/2026 Arbeiten aus 15 Jahren und verstand den Museumsbesuch als Form der Gastfreundschaft.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Dyani White Hawk. In: Museum of Modern Art. Abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 Dyani White Hawk in “Between Worlds”. In: Art21. 2025, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 4 Dyani White Hawk. In: MacArthur Foundation. 4. Oktober 2023, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  4. ↑ Ace gallery director Dyani White Hawk Polk resigns AMRG post. In: The Minnesota Star Tribune. 10. März 2015, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  5. 1 2 3 Finding Affinity Between Native and Western Abstraction. In: The New York Times. 16. Oktober 2025, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  6. 1 2 Pushing the Conversation Forward: Dyani White Hawk Interviewed. In: BOMB Magazine. 7. September 2020, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  7. ↑ Dyani White Hawk: Nourish. In: Whitney Museum of American Art. Abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  8. ↑ Famed artist Dyani White Hawk’s new sculpture celebrates community and continuity. In: The Minnesota Star Tribune. 14. September 2024, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
  9. ↑ Acclaimed artist Dyani White Hawk’s ‘Love Language’ exhibition comes home to Minnesota. In: The Minnesota Star Tribune. 23. Oktober 2025, abgerufen am 16. Juni 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Hawk, Dyani White
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische multidisziplinäre Künstlerin und Kuratorin der Sičáŋǧu Lakota
GEBURTSDATUM 1976
GEBURTSORT Madison, Wisconsin