Dyson-Reihe

Die Dyson-Reihe ist eine nach Freeman Dyson benannte Reihe, welche in der zeitabhängigen Störungstheorie in der Quantenmechanik sowie in der Quantenelektrodynamik auftritt. In der Quantenelektrodynamik ist die Reihe divergent, führt aber zu Ergebnissen, die gut mit dem Experiment übereinstimmen, wenn sie nach endlich vielen Gliedern abgebrochen wird.

Wellenfunktionsdarstellung

Im Wechselwirkungsbild der Quantenmechanik spaltet man den Hamiltonoperator H in einen ungestörten Teil H0 und einen Wechselwirkungsterm V auf: H=H0+V. Das Wechselwirkungsbild (Index I für engl. interaction) hängt mit dem Schrödingerbild (ohne Index) wie folgt zusammen:

Leitet man nun die Definitionsgleichung für ψI(t) nach der Zeit t ab und setzt die Schrödingergleichung ein, so ergibt sich für die Zeitentwicklungsgleichung:

iℏ∂∂tψI(t)=VI(t)ψI(t).

Eine Zeitintegration ergibt die Integralgleichung:

ψI(t)=ψI(t0)+1iℏ∫t0tdt1VI(t1)ψI(t1).

Dies kann als Rekursionsgleichung für ψI(t) gelesen werden. Iteratives Einsetzen von ψI(t(n)) liefert:

ψI(t)=ψI(t0)+1iℏ∫t0tdt1VI(t1)ψI(t0)+1(iℏ)2∫t0tdt1∫t0t1dt2VI(t1)VI(t2)ψI(t0)+….

Im Allgemeinen kommutieren VI(t1) und VI(t2) nicht, [VI(t1),VI(t2)]≠0. Deshalb ist die Zeitordnung t0≤t1≤t2≤t im Integrationsgebiet wichtig. Aufgrund der Symmetrie des Integranden ist es dennoch möglich, alle Integrale stattdessen von t0 bis t laufen zu lassen. Dann muss allerdings der Integrand nachträglich zeitgeordnet werden und der n-te Summand um den Faktor 1/n! korrigiert werden (𝒯 steht für den Zeitordnungsoperator):

ψI(t)=ψI(t0)+1iℏ∫t0tdt1VI(t1)ψI(t0)+1(iℏ)212!∫t0tdt1∫t0tdt2𝒯VI(t1)VI(t2)ψI(t0)+….

Dies ist die Dyson-Reihe für Wellenfunktionen:

ψI(t)=∑n=0∞1(iℏ)n1n!∫t0tdt1∫t0tdt2⋯∫t0tdtn𝒯(∏k=1nVI(tk))ψI(t0).

Für die Störungstheorie nützlich sind weiterhin die Überlappelemente:

⟨ψ(t)∣ψ(t0)⟩=∑n=0∞1(iℏ)n∫dt1⋯dtn⏟t≥t1≥⋯≥tn≥t0⟨ψ(t)|e−iH0(t−t1)Ve−iH0(t1−t2)⋯Ve−iH0(tn−t0)|ψ(t0)⟩.

Aufgrund obiger Definition von ψI(t) sind die Skalarprodukte im Wechselwirkungsbild und Schrödingerbild identisch.

Operatordarstellung

Es ist auch möglich, die Dyson-Reihe direkt mit dem Zeitentwicklungsoperator U zu entwickeln, ohne Wellenfunktionen explizit zu verwenden. U wird auch Propagator – oder in diesem Zusammenhang auch Dyson-Operator – genannt. Per Definition liefert der Zeitentwicklungsoperator U(t,t0) angewandt auf eine Wellenfunktion zur Zeit t0 die Wellenfunktion zur Zeit t:

ψI(t)=UI(t,t0)ψI(t0)

Setzt man dies in die obige Zeitentwicklungsgleichung ein, erhält man unter der Annahme, dies gelte für jede Wellenfunktion ψ:

iℏ∂∂tUI(t,t0)=VI(t)UI(t,t0).

Durch formale Integration erhält man dann analog zu oben eine Rekursionsgleichung:

UI(t,t0)=1+1iℏ∫t0tdt1VI(t1)UI(t1,t0).

Dies führt mit einer analogen Herleitung (siehe Artikel zur zeitabhängigen Störungstheorie) zur Dyson-Reihe für den Zeitentwicklungsoperator:

UI(t,t0)=𝒯e1iℏ∫t0tVI(t1)dt1.

Im Schrödingerbild gilt entsprechend:

U(t,t0)=𝒯e1iℏ∫t0tH(t1)dt1.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ F. J. Dyson: The Radiation Theories of Tomonaga, Schwinger, and Feynman. In: Phys. Rev. 75. Jahrgang, Nr. 3, 1949, S. 486–502, doi:10.1103/PhysRev.75.486 (englisch, aps.org).
  2. ↑ F. J. Dyson: The S Matrix in Quantum Electrodynamics. In: Phys. Rev. 75. Jahrgang, Nr. 11, 1949, S. 1736–1755, doi:10.1103/PhysRev.75.1736 (englisch, aps.org).
  3. ↑ F. J. Dyson: Divergence of Perturbation Theory in Quantum Electrodynamics. In: Phys. Rev. 85. Jahrgang, Nr. 4, 1952, S. 631–632, doi:10.1103/PhysRev.85.631 (englisch, aps.org).