Drüsengänsefüße

Drüsengänsefüße

Wurmsamen-Drüsengänsefuß (Dysphania anthelmintica), Illustration

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Dysphanieae
Gattung: Drüsengänsefüße
Wissenschaftlicher Name
Dysphania
R.Br.

Die Drüsengänsefüße (Dysphania) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Die etwa 42 Arten sind weltweit von den Tropen und Subtropen bis in die warm-gemäßigten Gebieten verbreitet.

Beschreibung

Blütenstand vom Mexikanischen Drüsengänsefuß (Dysphania ambrosioides)
Früchte und Samen vom Klebrigen Drüsengänsefuß (Dysphania botrys)

Vegetative Merkmale

Die Drüsengänsefuß-Arten sind einjährige oder kurzlebige ausdauernde krautige Pflanzen. Ihre Oberfläche ist bedeckt mit gestielten oder sitzenden Drüsenhaaren, wodurch die Pflanzen einen aromatischen (teilweise als unangenehm empfundenen) Geruch verströmen. Manchmal ist auch eine Behaarung mit einreihig-vielzelligen Trichomen vorhanden, selten verkahlen die Pflanzen. Der aufrechte, aufsteigende oder niederliegende Stängel ist meist verzweigt.

Die wechselständigen Laubblätter sind meist gestielt (bei einigen Arten sind die oberen Blätter sitzend). Ihre Blattspreite ist linealisch, lanzettlich, eiförmig oder elliptisch, oft fiederartig gelappt, mit keilförmiger oder gestutzter Basis und ganzrandigem, gezähntem oder gesägtem Blattrand.

Blütenstand und Blüte

In endständigen, lockeren, einfachen oder zusammengesetzten scheinährigen Blütenständen stehen zymöse Teilblütenstände oder dichte achselständige knäuelige Teilblütenstände. Tragblätter fehlen oder sind reduziert.

Die Blüten sind zwittrig (selten eingeschlechtig). Die Blütenhülle besteht aus ein bis fünf Tepalen, die meist nur an der Basis verbunden sind, bei einigen Arten aber zu einer sackartigen Struktur verwachsen sind. Es sind ein bis fünf Staubblätter vorhanden. Auf dem oberständigen Fruchtknoten befinden sich ein bis drei fadenförmige Narben.

Früchte und Samen

Die Frucht wird häufig von der Blütenhülle umschlossen. Die häutige Fruchtwand liegt dem horizontalen oder vertikalen, kugeligen bis linsenförmigen Samen mehr oder weniger locker an. Die rotbraune oder schwarze Samenschale ist glatt oder runzelig. Der ringförmige oder hufeisenförmige Embryo umgibt das reichlich vorhandene, mehlige Nährgewebe.

Chromosomensätze

Als Chromosomenzahlen werden 2n=16, 18, 32, 36 und 48 angegeben.

Photosyntheseweg

Die Drüsengänsefüße sind C3-Pflanzen mit normaler Blattanatomie.

Mexikanischer Drüsengänsefuß (Dysphania ambrosioides)
Illustration vom Klebrigen Drüsengänsefuß (Dysphania botrys)
Gekielter Drüsengänsefuß (Dysphania carinata)
Schlitzblättriger Drüsengänsefuß (Dysphania multifida)
Australischer Drüsengänsefuß (Dysphania pumilio)
Dysphania retusa
Schraders Drüsengänsefuß (Dysphania schraderiana)
Dysphania truncata

Vorkommen

Die Drüsengänsefuß-Arten sind weltweit von den Tropen und Subtropen bis in die warm-gemäßigten Zonen verbreitet. In Europa kommen sie natürlich, als Archäophyt oder eingebürgert vor. Nur im Norden fehlen sie oder treten nur gelegentlich als Adventivpflanzen auf.

In Deutschland und Österreich kommen vier Arten vor:

Systematik

Nach phylogenetischen Untersuchungen gehört die Gattung Dysphania zur Tribus Dysphanieae in der Unterfamilie Chenopodioideae innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) und scheint mit den Gattungen Suckleya und Cycloloma näher verwandt zu sein.

Die Erstveröffentlichung der Gattung Dysphania erfolgte 1810 durch Robert Brown. Die Typusart ist Dysphania littoralis R.Br. Der Gattungsname Dysphania kommt von dem griechischen Wort dysphanis, was undeutlich bedeutet, und bezieht sich vermutlich auf die unauffälligen Blüten.

Die Gattung Dysphania umfasste anfangs nur sieben bis zehn Arten in Australien. Zeitweise wurden diese sogar als eigene Familie Dysphaniaceae Pax & Hoffmann aufgefasst oder sogar ganz anderen Familien (Illecebraceae und Caryophyllaceae) zugeordnet. Mosyakin & Clemants erweiterten 2002 die Gattung um die drüsig behaarten Arten der Gattung Gänsefuß (Chenopodium subgenus Ambrosia A.J.Scott). Weitere Synonyme für Dysphania R.Br. sind Neobotrydium Moldenke und Roubieva Moq.

Weltweit gehören zur Gattung Dysphania fünf Sektionen mit etwa 42 Arten:

Nicht mehr zu dieser Gattung gezählt wird Teloxys aristata (L.) Moq. (Syn. Dysphania aristata (L.) Mosyakin & Clemants, Chenopodium aristatum L.), der nach phylogenetischen Untersuchungen von Fuentes et al. (2011) als eigene Gattung Teloxys abgetrennt wird.

Nutzung

Mexikanischer Drüsengänsefuß oder Epazote (Dysphania ambrosioides) ist eine vielseitig genutzte Heilpflanze und Teepflanze. Auch als Insektizid gegen Läuse und Wanzen wird sie angewendet.

Einige Dysphania-Arten finden als Färbepflanzen Verwendung.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1983, ISBN 3-8001-3429-2, S. 342.
  2. 1 2 Gudrun Kadereit, Evgeny V. Mavrodiev, Elizabeth H. Zacharias, Alexander P. Sukhorukov: Molecular phylogeny of Atripliceae (Chenopodioideae, Chenopodiaceae): Implications for systematics, biogeography, flower and fruit evolution, and the origin of C4 Photosynthesis. In: American Journal of Botany, Band 97, Nr. 10, 2010, S. 1664–1687.
  3. 1 2 Pertti Uotila: Chenopodiaceae (pro parte majore). Dysphania In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011., abgerufen am 30. November 2011.
  4. 1 2 Susy Fuentes-Bazan, Guilhem Mansion, Thomas Borsch: Towards a species level tree of the globally diverse genus Chenopodium (Chenopodiaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 62, Nr. 1, 2012, S. 359–374, DOI:10.1016/j.ympev.2011.10.006.
  5. ↑ Robert Brown: Prodromus florae Novae Hollandiae et Insulae Van-Diemen, exhibens characteres plantarum. Richard Taylor et socii, London 1810, S. 411, Digitalisat.
  6. ↑ Dysphania, Untergeordnete Taxa bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 30. November 2011.
  7. 1 2 Anwendungen und Inhaltsstoffe von Dysphania ambrosioides bei Liber Herbarum (Memento des Originals vom 9. Juni 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 30. November 2011.
  8. ↑ Anwendungen von Dysphania schraderiana bei Liber Herbarum (Memento des Originals vom 16. Juni 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., abgerufen am 30. November 2011.
Commons: Dysphania – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien