
Als Dysphorie (von altgriechisch δύσφορος (dýsphoros) ‚schmerzlich‘; von δυσ- (dys-) ‚schlecht, schwer‘ und φέρω (phérō) ‚ertragen‘) wird eine Störung des emotionalen Erlebens (Affektivität) bezeichnet, die durch eine ängstlich-bedrückte, traurig-gereizte Stimmungslage charakterisiert ist.
Es handelt sich meist um eine Alltagsverstimmung ohne Krankheitswert; gelegentlich kann Dysphorie jedoch als Symptom im Rahmen von Krankheiten oder als Folge davon auftreten. Die Dysphorie bildet das sprachliche Gegenstück (Antonym) zur Euphorie.
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| MB24.7 | Dysphorie |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
In die im Jahr 2022 in Kraft getretene ICD-11 hielt die Dysphorie als eigenständige Diagnose Einzug. Diese ist der Unterkategorie „Symptome oder Zeichen mit Beteiligung der Stimmung oder des Affekts“ zugeordnet und wird wie folgt definiert:
„Ein unangenehmer affektiver Zustand, der Gefühle von Depression, Angst, Unzufriedenheit, Reizbarkeit und Unglücklichsein umfassen kann.“
Eine anhaltende Dysphorie kann als Folge vielfältiger körperlicher Erkrankungen und psychischer Störungen entstehen. Diese kann die Ausprägung einer komorbiden Depression annehmen.
Einige Medikamente können Dysphorie hervorrufen, darunter κ-Opioidrezeptoragonisten wie Salvinorin A (der Wirkstoff der halluzinogenen Pflanze Salvia divinorum), Butorphanol und Pentazocin, μ-Opioidrezeptorantagonisten wie Naltrexon und Nalmefen sowie Neuroleptika wie Haloperidol und Chlorpromazin (durch Blockade der Dopaminrezeptoren) und andere. Depressogene und/oder anxiogene Medikamente können ebenfalls mit Dysphorie in Verbindung gebracht werden.
Rauschzustände oder Entzugssyndrome (z. B. Alkohol- oder Opiatentzug) führen häufig zu schwerer, anhaltender Dysphorie. Die Betroffenen fühlen sich unruhig, gereizt und unzufrieden – ein Hauptgrund für Rückfälle, da sie sich durch den erneuten Konsum der Substanz eine kurzfristige Linderung versprechen.
Bei bipolaren Störungen kann es zu einer Episode kommen, in der gleichzeitig Symptome einer Manie (z. B. rasende Gedanken, gedrängte Sprache) und Merkmale einer Dysphorie (z. B. Reizbarkeit, Wut, Unzufriedenheit) auftreten. Dieses Nebeneinander von Hochstimmung und Niedergeschlagenheit macht diese Form besonders quälend und risikoreich (erhöhte Suizidalität).
Typisch sind extreme Stimmungsschwankungen, chronische Gefühle der Leere und schnelle Reizbarkeit. Zwischen intensiver Angst vor Verlassenwerden und impulsivem Verhalten leiden Betroffene unter einer anhaltenden Dysphorie, die sich in Wutausbrüchen, Selbstverletzung oder Beziehungsstörungen äußern kann.
Geschlechtsdysphorie bezeichnet einen klinisch relevanten Leidensdruck, der durch die Inkongruenz (Nichtübereinstimmung) zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der eigenen Geschlechtsidentität verursacht wird. Betroffene wünschen sich oft, ihre primären oder (auch) sekundären Geschlechtsmerkmale an ihr erlebtes Geschlecht anzugleichen. Im 2022 veröffentlichten DSM-5-TR wird der Begriff „Geschlechtsdysphorie“ verwendet, ohne dabei die Geschlechtsinkongruenz an sich zu pathologisieren.
Im Zusammenhang mit neurologischen oder internistischen Erkrankungen (z. B. traumatische Hirnverletzungen, Demenz, Stoffwechselstörungen) kann Dysphorie vor allem aus organischen Gründen auftreten. Ein Beispiel ist das organische Hirnsyndrom, bei dem eine Schädigung oder Funktionsstörung bestimmter Bereiche des Gehirns zu chronischer schlechter Laune und Reizbarkeit führt, ohne dass eine primäre psychische Störung vorliegt.
Die Betroffenen erleben während der Lutealphase (ein bis zwei Wochen vor Beginn der Menstruation) ausgeprägte Stimmungsschwankungen mit Reizbarkeit, Traurigkeit und innerer Unruhe. Die Symptome sind so stark, dass sie das Alltagsleben und zwischenmenschliche Beziehungen erheblich beeinträchtigen.
Ein zentrales Merkmal ist das anhaltende Erleben von Angst, Wut, Traurigkeit, innerer Unruhe und Reizbarkeit. Diese dysphorischen Zustände werden durch das wiederholte Erleben des traumatischen Ereignisses und die damit verbundene emotionale Übererregung verursacht, die das Alltagsleben stark einschränkt.