
Als Gummi arabicum (auch Gummiarabikum und übersetzt Arabisches Gummi) wird das Gummi aus dem Exsudat von verschiedenen, in Afrika verbreiteten Akazien-Bäumen und weiteren Arten bezeichnet.
Hierbei handelt es sich um den Gummiarabikumbaum (Senegalia senegal), die Arabische Gummi-Akazie (Vachellia nilotica), die Seyal-Akazie (Vachellia seyal), Vachellia tortilis, Vachellia karroo sowie die Schreckliche Akazie (Vachellia horrida). Ebenso werden Gummis von Vachellia gummifera (ehemals Acacia gummifera) und viele weitere (nicht offizinelle) Gummis von früher ebenfalls sämtlich als Acacia-Arten angesehenen Vachellia spp., Acacia spp. und Senegalia spp. mit „Gummi arabicum“ bezeichnet.
In seiner ursprünglichen Form kommt Gummi arabicum in festen Stücken vor, welche aus einem natürlichen Gemisch von Polysacchariden (Mehrfachzuckern) mit der Hauptkomponente Arabinsäure bestehen. Es ist wasserlöslich, wobei die entsprechende Lösung auch als Gummiwasser bezeichnet wird.
Gummi arabicum ist die älteste bekannte Gummiart. Es wird seit Jahrtausenden genutzt und war lange hoch begehrt und wertvoll, da nur wenige klebfähige und elastische Materialien bekannt waren. Heutzutage ist Gummi arabicum ein bedeutender nachwachsender Rohstoff mit vielfältigen industriellen Anwendungen.

Gummi arabicum wird aus dem Wundsaft der Bäume gewonnen. Dabei schneidet man die geschälte Baumrinde in einem nach unten gerichteten Winkel ein. Aus dem heraussickernden Gummi können sich im Laufe von 20 bis 30 Tagen eine oberflächlich harte Blase oder wurm-, hornförmige Stücke bilden, die dann geerntet werden. Der Baum braucht bis zu vier Jahre, um sich davon wieder zu erholen. Der Baum schwitzt aber auch von selbst Gummi aus, wenn die Rinde austrocknet und aufreißt.
Nach der Lese wird das Gummi arrabicum zunächst vorgereinigt, um Rinde, Sand, Staub und andere Fremdkörper zu entfernen. Die besten Stücke können aussortiert und als unverarbeitete Stücke verkauft werden. Die weitere industrielle Verarbeitung umfasst Prozesse wie Sieben, Dekantieren, Zentrifugieren, Konzentrieren, Pasteurisieren und Zerstäuben mit anschließender Sprüh- oder Walzentrocknung. Je nach Art der Verarbeitung ist Gummi arabicum in Form von Flocken, Granulaten und Pulvern erhältlich.
Gummi arabicum besteht aus weißen bis roten, meist gelblich-braunen, matten, spröden, geruchlosen Stücken mit glänzendem, glasigem Bruch, die sich in warmem Wasser zu einer klaren, zähen, klebrigen, fad schmeckenden und schwach sauer reagierenden Flüssigkeit auflösen (pH-Wert von 5 in 10 %iger Lösung). Es hat eine Dichte von 1,4 g·cm−3und eine Zersetzungstemperatur von 90 bis 95 °C. Die Löslichkeit in Wasser beträgt circa 500 g·l−1. In Alkohol ist es unlöslich.
Gummi arabicum enthält hauptsächlich saure Erdalkali- und Alkalisalze der Arabinsäure (Polyarabinsäure), ein verzweigtes, aus L-Arabinose, D-Galactose, L-Rhamnose und D-Glucuronsäure im Verhältnis 3:3:1:1 bestehendes Polysaccharid. Daraus wurden früher Arabinose und Ribose gewonnen. Außerdem sind Glykoproteine enthalten.
Gummi arabicum wird in großen Mengen gehandelt und in drei Klassen eingeteilt. Klasse 1 (die beste; Senegalia senegal) besteht aus großen, runden oder wurmförmigen Stücken und ist weißlich / blass- oder bräunlichgelb und hart. Klasse 2 (Senegalia senegal und Vachellia seyal sowie andere Acacia, Vachellia) besteht aus abgerundeten, wurmförmigen oder verzweigten Stücken und ist eher bröckelig. Er ist kleiner und im Allgemeinen dunkler als die Spitzenqualität. Der Gummi mit der schlechtesten Qualität (Klasse 3; andere Arten beigemischt) hat die Form kleiner brauner Körner.
| Sicherheitshinweise | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name |
Gummi arabicum | ||||||
| CAS-Nummer | |||||||
| EG-Nummer |
232-519-5 | ||||||
| ECHA-InfoCard | |||||||
| |||||||
| Toxikologische Daten |
(nicht einstufungsrelevant) >16 000 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral) | ||||||
Gummi arabicum (CAS-Nummer: 9000-01-5) ist ein Gefahrstoff der nach GHS mit Augenreizend – Kategorie 2 eingestuft und entsprechend mit dem Piktogramm GHS07 und dem H-Satz H319: Verursacht schwere Augenreizung versehen werden muss.
In der EU ist Gummi arabicum als Lebensmittelzusatzstoff mit der E-Nummer E 414 zugelassen und wird in der Inhaltsstoffliste von Kosmetikartikeln als ACACIA SENEGAL GUM (INCI) angegeben.
Gummi Arabicum kommt in sehr vielen Gebieten und Industriezweigen zur Anwendung und dient als Bindemittel, Verdickungsmittel, Emulgator, Stabilisator, Suspendiermittel sowie als Klebstoff.
Gummi arabicum wirkt stark adstringierend. Es enthält Gerbstoffe, Schleim und Flavonoide. Im Alten Ägypten wurde Gummi arabicum (dort Kami genannt) zur Einbalsamierung von Toten verwendet. Zudem wurde es zur Behandlung viraler Hauterkrankungen benutzt. In den Arzneibüchern wird Gummi arabicum als arzneiliche Droge und als galenischer Hilfsstoff aufgeführt. Es wird z. B. zur lokalen Schmerzbehandlung eingesetzt und als Füll- und Verdickungsmittel auch in der Zahnmedizin.
Als Lebensmittelzusatzstoff wird Gummi arabicum Lebensmitteln als Verdickungsmittel, Emulgator und als Stabilisator zugesetzt. Hierbei ist vor allem die Anwendung in Getränke-Emulsionen sowie im Süßwarenbereich und in der Medikamentenherstellung (Gummi-Artikel und Überzug von Dragées) hervorzuheben. Unter den Lebensmittelzusatzstoffen wird es als E414 deklariert.
Eine ehemals weit verbreitete Verwendung von Gummi arabicum ist die Gummierung von Papier. Dadurch werden Etiketten, Briefmarken, Briefumschläge, Zigarettenpapier, Verpackungen oder Klebebänder beim Anfeuchten verschließbar bzw. „klebbar“ gemacht.

In Farben wird Gummi arabicum zur Erhöhung der Viskosität sowie als Bindemittel für die Farbpigmente eingesetzt (Malmittel).
Ein einfaches Beispiel ist die Herstellung von Tinte aus Gummiwasser und Ruß als Pigment. Die Methode war bereits in Altägypten und im alten China bekannt.
Gummi arabicum wird bereits seit dem Mittelalter zur Herstellung von Künstlerfarben wie Aquarell-, Gouache- und Temperafarben verwendet. Farben auf dieser Basis werden auch häufig beim Retuschieren verwendet. Sie bieten den Vorteil, dass sie nach der Trocknung noch wasserlöslich, also reversibel sind und eine hohe Alterungsbeständigkeit aufweisen.
Auch in der Glasmalerei werden die pulvrigen, keramischen Glasschmelzfarben damit malfähig angerieben. Im Orgelbau wird Gummi arabicum in einer Mischung mit Kreide und einem Farbstoff zum Oberflächenschutz und als Hitzeschutzfarbe beim Löten während der Fertigung von Metallpfeifen (meist Zinn-Blei-Legierung) eingesetzt.
Der Gummidruck ist ein fotografisches Pigmentverfahren mit Gummi arabicum und Chromaten. Es ist eines der klassischen Edeldruckverfahren, welches 1855 von Louis-Alphonse Poitevin entwickelt und 1858 von John Pouncy (1820–1894) verbessert wurde. Es wird auch heute noch von Künstlern und Fotografen angewendet.
Im Textildruck wird Gummi arrabicum dem aufgedruckten Papp beigemischt. Dieser sorgt dafür, dass die bedruckte Fläche beim anschließenden Färben keine Farbe annimmt.
In der Lithografie fand Gummi arabicum für die Vorbehandlung der Lithosteine vor dem eigentlichen Farbauftrag Verwendung.
Gummi arabicum wurde in historischen Möbelpolituren verwendet, zum Beispiel der sogenannten Französischen Politur, einer Mischung aus Weingeist, Copal, Gummi arabicum und Schellack.
Sattler verwenden das in Wasser gelöste Gummi arabicum als Poliermittel für Schnittkanten beim genähten Leder. Die Lösung wird mit einem Filz aufgetragen und nach dem Trocknen mit einem weichen Lappen oder einer Schwabbelscheibe poliert. Sie verschließt die Poren und verleiht dem Leder eine dunklere Patina und Glanz.
Der jährliche Weltbedarf von 50.000 bis 60.000 Tonnen wird zu 50 % aus dem Sudan gedeckt. Früher lieferte er 85–90 % des Bedarfs. Mittlerweile sind auch der Tschad, Senegal und Nigeria starke Produzenten. Als die USA 1997 ein striktes Handelsembargo gegen den Sudan verhängten, nahmen sie kurz darauf Gummi arabicum davon aus, um die Versorgung von Coca-Cola sicherzustellen.
Ähnliche Eigenschaften besitzt Ghatti-Gummi von Anogeissus latifolia. Allerdings ist dieses in der Europäischen Union nicht als Lebensmittelzusatzstoff freigegeben und besitzt deswegen keine European Food Safety E-Nummer. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) führt Gummi Ghatti unter dem Code 184.1333 als zugelassen.