Das Earth Species Project (ESP) ist eine gemeinnützige Organisation, die in der Entschlüsselung von Tierkommunikation durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Möglichkeit sieht, die menschliche Beziehung zur Natur zu vertiefen. Das ESP wurde 2018 von Aza Raskin, Britt Selvitelle und Katie Zacarian gegründet.
Unterstützer des Projekts sind Einzelpersonen und Stiftungen. Der Vorstand setzt sich aus internationalen Wissenschaftlern und Experten zusammen. Das Team besteht aus führenden Köpfen aus Technologie und gemeinnützigen Organisationen, KI-Forschern, Ingenieuren und Ethologen.
Traditionell beruhen Methoden zur Erforschung der Tierkommunikation auf menschlicher Interpretation, einem mühsamen Prozess der Beobachtung und des Versuchs, Bedeutung abzuleiten. Diese Ansätze leiden unter den menschlichen kognitiven Verzerrungen und der eingeschränkten Wahrnehmung durch die menschlichen Sinne. Künstliche Intelligenz (KI) hingegen kann große Datensätze mit Tierlauten, Bewegungen und anderen Signalen schnell verarbeiten und durchsuchen und so Muster aufdecken, die weit jenseits unserer Wahrnehmungsreichweite liegen.
Mit dem KI-gestützten Ansatz des ESP zur Erforschung der Tierkommunikation werden Fortschritte bei Large Language Models, multimodalem Lernen und umfangreichen Datensätzen genutzt. In einer positiven Rückkopplungsschleife ermöglicht KI wissenschaftliche Entdeckungen in der Tierkommunikation, diese Entdeckungen tragen zur Verbesserung der KI-Modelle bei und erweitern deren Leistungsfähigkeit.
Im Jahr 2021 wurde ein künstliches neuronales Netzwerk entwickelt, mit dem sich überschneidende Tierlaute in einzelne Spuren aufgeteilt und Hintergrundgeräusche wie Autohupen herausgefiltert werden können. Dazu wird eine visuelle Darstellung der Geräusche erstellt, anhand derer das neuronale Netz feststellen kann, welcher Pixel von welchem Sprecher stammt. Mit Hilfe eines Basismodells (Foundational Model) lassen sich automatisch Muster in Datensätzen erkennen und klassifizieren.
Laut Jane Lawton vom ESP geht es nicht darum, einen Dolmetscher zu erschaffen, um mit anderen Arten zu sprechen, sondern „rudimentäre Wörterbücher“ zu erstellen. Davon profitieren könnten Tiergruppen, die durch den Verlust ihres Lebensraums oder durch menschliche Aktivitäten bedroht sind und die durch ein besseres Verständnis ihrer Sprachen besser geschützt werden könnten. Beispielsweise werde das Stimmenrepertoire der hawaiianischen Krähe und der Belugawale im Sankt-Lorenz-Strom dokumentiert.