Eberhard Ebner (* 5. Dezember 1929 in Ulm; † 29. März 2024 ebenda) war ein deutscher Zeitungsverleger. Er prägte als Verleger der Südwest Presse und Mitgründer der Neuen Pressegesellschaft die Zeitungslandschaft im Südwesten Deutschlands über mehrere Jahrzehnte und war Mitgründer der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH).
Eberhard Ebner entstammte einer seit rund 200 Jahren verlegerisch tätigen Familie, die zunächst in Stuttgart und später in Ulm tätig war. Das 1859 gegründete Ulmer Tagblatt, aus dem die heutige Südwest Presse hervorging, wurde 1877 vom Verlag Ebner übernommen. 1933 war der Familie bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten der bisherige Zeitungstitel verloren gegangen. 1954 übernahm sie 50 Prozent der Schwäbischen Donauzeitung als Wiedereinstieg ins Zeitungsgeschäft.
Nach dem Abitur 1948 absolvierte Ebner von 1949 bis 1951 eine Buchhändlerlehre in Stuttgart und studierte anschließend Betriebswirtschaft in Köln und München, ohne das Studium abzuschließen. Während eines Praktikums im Kölner Verlag Neven DuMont lernte er Alfred Neven DuMont kennen, mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verband.
1955 wurde Ebner Assistent des geschäftsführenden Gesellschafters der Schwäbischen Donauzeitung, Paul Thielemann, der die Lizenz für die Zeitung 1945 erhalten hatte. 1961 stieg er zum Verlagsleiter auf, bevor er nach dem Tod seines Vaters Carl Ebner 1966 dessen Anteile am Zeitungsverlag übernahm und geschäftsführender Gesellschafter und Mitherausgeber wurde.
1968 führte Ebner zahlreiche selbstständige schwäbische Verlage zur damals größten Zeitungskooperation im Südwesten zusammen. Der Titel Schwäbische Donauzeitung wurde in Südwest Presse umbenannt. Der Spiegel zitierte Ebner damals mit der Aussage, er sei „überall dort zu Hause, wo Progressivität ist“. 1972 erwarb er außerdem Geschäftsanteile an den Stuttgarter Nachrichten und trat dort in die Geschäftsführung ein. Im selben Jahr kooperierte er mit dem Architekten Dieter Steddin bei einem kostenlosen Anzeigenblatt in Bad Waldsee, um in das Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung vorzustoßen. Auch an den konkurrierenden Reutlinger Nachrichten war die Südwest Presse beteiligt.
1974 folgte der Zusammenschluss der Südwest Presse mit der NWZ Neue Württembergische Zeitung in Göppingen zur Neuen Pressegesellschaft Ulm (NPG), deren Geschäftsführer Ebner bis 1982 war. Bis 2018 blieb er Beiratsvorsitzender. Zur NPG gehören auch seit 2012 die Märkische Oderzeitung und seit 2018 die Lausitzer Rundschau.
Gemeinsam mit weiteren württembergischen Verlegern und der Ludwigshafener Medien Union gründete Ebner die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), deren Aufsichtsratsvorsitzender er zeitweise war. Als Sprecher der Gruppe Württembergischer Verleger organisierte er im Herbst 2002 gemeinsam mit dem Medien-Union-Verleger Dieter Schaub den Einstieg der SWMH mit 18,75 Prozent beim wirtschaftlich angeschlagenen Süddeutschen Verlag für rund 150 Millionen Euro. Ebner und die SZ-Altgesellschafterin Anneliese Friedmann, die den Einstieg der SWMH mit vorangetrieben hatte, galten als enge Vertraute; gemeinsam hielten sie rechnerisch 37,5 Prozent der Stimmen, ein formelles Stimmen-Pooling bestand jedoch nicht. Nach der Mehrheitsübernahme des Süddeutschen Verlags durch die SWMH mit 81,25 Prozent im Februar 2008 bildeten Ebner und Thomas Schaub, der Sohn Dieter Schaubs, laut einem Bericht des Spiegel das eigentliche Machtzentrum der SWMH. Von 2008 bis 2010 gehörte Ebner als Vertreter der Gruppe Württembergischer Verleger dem Herausgeberrat der Süddeutschen Zeitung an. Die SWMH war für ihre bewusste Zurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit bekannt.
Mit fast 90 Jahren zog sich Ebner 2018 aus seiner aktiven Rolle als Beiratsvorsitzender der Neuen Pressegesellschaft und aus dem operativen Geschäft der Verlagsgruppe Ebner Ulm auf die Gesellschafterebene zurück. Eberhard Ebner starb am Karfreitag, dem 29. März 2024, im Alter von 94 Jahren in seiner Heimatstadt Ulm.
Als Johannes Binkowski, Herausgeber und Chefredakteur der Schwäbischen Post, 1970 Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) wurde, riet er Ebner, über den „Ulmer Tellerrand“ hinauszuschauen; kurz darauf rückte Ebner ins Präsidium des Verbands auf und kümmerte sich dort um die damals noch neuen Medien und die Lockerung der Rundfunkgesetze für privates Radio und Fernsehen. Ein Versuch, gemeinsam mit anderen Verlegern einen privaten Nachrichtensender zu etablieren, blieb ohne Erfolg. Er wirkte an der Gründung der APF Aktuell Presse Fernsehen im Vorfeld der Lizenzierung von Sat.1 mit und gehörte in den 1980er Jahren dem Aufsichtsrat sowie dem Programmbeirat für die Nachrichtensendung „Blick“ von Sat.1 an; öffentlich äußerte er sich dabei kritisch zur Qualität des Programms.
Von 1980 bis 1996 war Ebner Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV); später wurde er dessen Ehrenmitglied im Präsidium. Auch im Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) engagierte er sich; dieser berief ihn 2021 zum Ehrenmitglied des Vorstands, zeitweilig war er außerdem Präsidiumsmitglied der World Association of Newspapers (WAN).
Ebner vermied jedes persönliche Aufsehen in der Öffentlichkeit. Zu seinem 80. Geburtstag 2009 teilte er per Hausmitteilung eine mehrwöchige Auszeit mit und lehnte jede Berichterstattung dazu ab. Ende der 1980er Jahre bezeichnete ihn der Spiegel in einem Porträt als „Der stille Riese aus Ulm“.
Eine besondere Leidenschaft galt der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG); deren gestalterisches Reduktionsprinzip, die Konzentration auf das Wesentliche, prägte nach eigener Aussage auch sein Verständnis bis hin zum Zeitungslayout. Ebner schätzte die Reisen auf eine griechische Insel; die Farbe Blau verband er mit seinen dortigen Aufenthalten, weshalb die Südwest Presse 2016 auf seinen Vorschlag hin Blau als Leitfarbe erhielt. Kunst und Kultur förderte und unterstützte er bis ins hohe Alter, blieb dabei aber ebenfalls im Verborgenen.
Kurt Kister, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, beschrieb Ebner als belesenen, kunstsinnigen „Feingeist“, der sich nicht in erster Linie als Betriebswirt verstand. Zu seiner journalistischen Grundüberzeugung gehörte der Satz, Geld verdiene man nur mit exzellenten journalistischen Leistungen; die redaktionelle Richtlinienkompetenz des Verlegers sei nur im Ausnahmefall zu nutzen.
2016 wurde Ebner von kress pro in die Liste der 50 wichtigsten deutschen Medienmacher der vergangenen 50 Jahre aufgenommen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ebner, Eberhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Zeitungsverleger |
| GEBURTSDATUM | 5. Dezember 1929 |
| GEBURTSORT | Ulm |
| STERBEDATUM | 29. März 2024 |
| STERBEORT | Ulm |