Echopraxia (original Echopraxia, deutsch Echopraxie) ist ein Science-Fiction-Roman des kanadischen Schriftstellers Peter Watts. Die englische Ausgabe wurde im Jahr 2014 von Tor Books veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe wurde im Jahr 2015 vom Heyne Verlag veröffentlicht. Die Übersetzung stammt von Birgit Herden. Der Roman beschreibt die Untersuchung eines Signals über den Erstkontakt mit einer außerirdischen Zivilisation, genauer ausgeführt in Blindflug im Jahr 2006 mit deutscher Übersetzung im Jahr 2008.
Während das Raumschiff Theseus in der Oortschen Wolke den Erstkontakt zu Außerirdischen herstellt, ist Daniel Brücks in Oregon auf der Erde. Dort droht ein Krieg zwischen verschiedenen transhumanistischen Fraktionen, vor allem den sogenannten Vampiren und Zombies. Vampire (Homo sapiens vampiris) sind eine genetisch wiedererweckte Art fiktiver Räubern aus dem Pleistozän mit einer stark gesteigerten Intelligenz. Zu ihrer Kontrolle wurde ihnen eine künstliche Unverträglichkeit mit perfekten Geometrien gegeben, genannt Kruzifix-Glitch. Zombies (auch philosophische Zombies oder p-Zombie außerhalb des Romans) sind Menschen mit einer künstlichen Methode zur Deaktivierung ihres Bewusstseins, wodurch ihre Leistungsfähigkeit aufgrund fehlender Filter erhöht wird. Daniel wird unerwartet die Gelegenheit geboten, sich einer Mission auf dem Raumschiff Crown of Thornes anzuschließen, welches zur Raumstation Icarus nahe der Sonne reisen soll. Icarus stellt Energie sowohl für die Erde als auch für die Theseus bereit. Ebenfalls an Bord sind Vampir Valerie, Nonne Lianna Lutterodt, Zombie-Soldat Jim Moore, Pilot Rakshi Sengupta und die Bicamerals, eine Gruppe von Transhumanisten, die ihre Gehirne verbinden und dadurch vollständig auf Kommunikation verzichten können.
Während der Reise diskutieren die Charaktere über ihre eigenen Missionen: Daniel verlor seine Ehefrau Rhona durch ihren selbstbestimmten Mind Upload in den „Himmel“, eine digitale Simulation. Valerie will ihren künstlichen Fesseln wie dem Kruzifix-Glitch entkommen. Jim ist der Vater von Siri Keeton, dem Protagonisten von Blindflug an Bord der Theseus. Siris Epilepsie und folgende Entfernung einer Gehirnhälfte entstammte einst einem fehlgeschlagenen biologischen Angriff auf Jim. Rakshi sucht den Mörder ihrer Ehefrau. Tatsächlich ist Daniel durch die Entwicklung einer fehlerhaften Behandlung nach einem verheerenden Hackerangriff dafür verantwortlich, welche ihn zudem ruinierte und ins Exil trieb. Eine unbekannte beteiligte Person installierte zudem in den mentalen Erweiterungen von Rakshi Sengupta einen Filter, der die Erkennung von Daniel als Mörder verhindert.
Bei der Icarus angekommen entdeckt die Besatzung eine außerirdische Intelligenz, von ihnen Portia genannt nach der Spinne mit einer beachtlichen Intelligenz trotz eines kleinen Gehirns. Es bleibt unklar, woher Portia genau kommt, jedoch deuten einige Phänomene auf eine Entsendung von der außerirdischen Raumstation Rorschach hin, welche die Theseus untersucht. Dadurch scheint auch klar, dass die Infiltration der Theseus am Ende von Blindflug womöglich ebenfalls von Portia ermöglicht wurde. Die Besatzung diskutiert zudem über Portia als möglichen Virus für die Vernichtung des Bewusstseins selbst: Gemäß der digitalen Physik basiert das gesamte Universum auf Informationen als fundamentalen Bestandteilen und die Entwicklung von Zuständen über die Zeit sei deren Verarbeitung in einer Berechnung. Materie ist die Hardware und physikalische Gesetze sind die Software. Ein künstlicher Eingriff, also ein Gott, funktioniert daher genau wie ein Virus, wobei die Verfälschung der Berechnung dabei der Krankheit entspricht. Es ist unklar, zu welchem Endergebnis das Universum führt oder ob es überhaupt Manipulation geben kann. Jedoch ist bereits bekannt, dass als Folge der digitalen Physik kein freier Wille existiert. Valerie will Portia nun für ihre Befreiung und die aller anderen Vampire nutzen, worauf Portia reagiert und die Besatzung in der Icarus einsperrt sowie die Zombie-Schaltung von Jim aktiviert und den Filter von Rakshi abschaltet. Rakshi greift daraufhin Daniel an und wird von Jim getötet, der den Verstand verliert und die Icarus nach teilweise gelungener Flucht in die Sonne stürzen lässt, was die Bicamerals umbringt. Lianna wird zudem in einem Raumanzug mit Valerie verwechselt und abgeschossen. Auf der Crown of Thornes wird anschließend eine Übertragung empfangen, nämlich die von Siri auf dem Rückweg zur Erde am Ende von Blindflug. Daniel und Valerie rätseln über die genaue Bedeutung seiner teils kryptischen Bemerkungen zum Bewusstsein.
Nach der Rückkehr der Crown of Thornes zur Erde und der Landung in Oregon beobachtet die Besatzung, dass dort alle Menschen unkontrolliert tanzen. Es ist die nur kurz am Ende von Blindflug beschriebene Ausrottung des Bewusstseins. Nun wird erweitert klar, dass diese mit Portia und indirekt der digitalen Physik als Waffe geschah. Ohne freien Willen und ohne Bewusstsein zur Wahrnehmung der Umgebung wurden alle Menschen zu seelenlosen biologischen Maschinen reduziert, die ihre ganze Umwelt nur noch gedankenlos nachahmen. Es ist eine die gesamte Welt umfassende Echopraxie. Daniel erkrankt langsam ebenfalls daran, angesteckt durch Valerie, die sich danach, zufrieden mit der Befreiung der Vampire, bereitwillig von ihm umbringen lässt. Daniel begeht daraufhin, wohl durch Portia dirigiert, Suizid und seine Leiche setzt die Verbreitung nun fort.
Der Roman war für den John W. Campbell Memorial Award im Jahr 2015 nominiert gewesen.
Die Bicamerals, mehrere Menschen mit einem fusionierten Bewusstsein, sind dabei die genau umgekehrte Situation zu Susan James mit einer gespaltenen Persönlichkeit aus Blindflug, ein Mensch mit getrenntem Bewusstsein. Beide unterstreichen jeweils das Kernkonzept ihres Romans, nämlich Bewusstsein selbst für Blindflug und dessen Autonomie für Echopraxia.
Steven Shaviro von der Los Angeles Review of Books schrieb, der Roman sei Science-Fiction auf Steroiden oder einer unglaublich verstandverbiegenden Droge, die noch nicht entdeckt wurde. („Peter Watts' new novel Echopraxia is science fiction on steroids — or better, on some intensely mind-bending and energizing drug that hasn't been invented yet.“)
Alyx Dellamonica vom Reactor Magazine schrieb, das jedes Wort herumgedreht und poliert sei. Es sei Perfektionismus am Werk, die Weigerung, einen Roman zu schreiben, der nur so gut ist wie der vorherige, wenn sich aus Spitzenforschung und der englischen Sprache etwas Besseres herausholen lasse. („Every word has been tuned and polished: there's a perfectionism at work here, a refusal to write a novel that's merely as good as the last one if something better can be wrung from cutting edge science and the English language.“)
Matt Hilliard von Strange Horizons schrieb, der Roman sei eine Belohnung für Fans harter Science-Fiction („a rewarding book for fans of hard science fiction“), stecke jedoch im Vergleich zum Vorgänger zurück, da der Protagonist weniger sympathisch, die Besatzung weniger interessant und die Aliens weniger bedrohlich seien. So werde der Roman vom Vorgänger überschattet. („Echopraxia has a less sympathetic protagonist, a less interesting crew, and a much smaller part for the still delightful and menacing aliens. [...] Unfortunately, it feels very much overshadowed by its Hugo-nominated predecessor.“)