

Edge Rusher, auch Edge Defender oder kurz Edge genannt, ist der moderne Terminus für eine hybride, spezialisierte Spielerposition bzw. -funktion in der Defense im American Football. Die Bezeichnung Edge Rusher ist dabei unabhängig vom Spielsystem und wird in einer 4–3 Defense von einem Defensive End übernommen, in der 3-4 Defense von einem Outside Linebacker. Seine Position auf dem Spielfeld ist am äußeren Rand (englisch edge) der Offensive Line.
Die primäre Aufgabe des Edge Rushers ist es, vorwiegend von der Außenseite (Edge) der Line of Scrimmage Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben, ihn im Pass Rush daran zu hindern, Pässe zu werfen, und ihn im Idealfall zu Boden zu bringen (zu sacken). Je nach Spielzug blockt der Edge aber auch den Tight End oder wird in der Zonenverteidigung eingesetzt. Im Laufspiel muss er die Außenlinie verteidigen und versuchen, ein Durchbrechen des Ballträger (meist des Runningbacks) zu verhindern und ihn zurück in die Mitte zu drängen, wo sich der überwiegende Teil der Verteidiger befindet. Einen größeren Einfluss auf das Spiel hat der Edge Rusher jedoch im Passspiel, wo er durch seine Positionierung außen am Rand meist Eins-gegen-eins-Duelle gegen Offensive Tackles oder gegnerische Tight Ends bestreitet. Er ist der Defensivspieler, der am weitesten außerhalb der Offensive Line an der Line of Scrimmage aufgestellt ist. In der Regel führt der Edge Rusher sein Team in den Statistiken für Sacks oder Drucksituationen für den Quarterback (pressures oder hurries) an.
Ein Edge Rusher sollte über eine gute Antrittsschnelligkeit verfügen, um den Block seines Gegenübers in der Offense Line schlagen oder sich schnell in das Backfield zurückfallen lassen zu können. Er sollte das Spiel gut „lesen“ und antizipieren können, was der Quarterback plant. Er sollte physische Stärke mitbringen, um mit bis zu 140 kg schweren Offensive Tackles mithalten zu können. Eine gute Handtechnik hilft dem Edge Rusher, gegnerische Blocks zu überwinden. Er darf den Spielzug nie aufgeben, bis der Schiedsrichter abgepfiffen hat, und muss versuchen, durchgebrochene Runningbacks von hinten zu Fall zu bringen.
Um ihren Gegenpart in der Offensive Line zu schlagen, bedienen sich die Edge Rusher verschiedener, oft für sie charakteristischer Techniken (signature moves) wie dem Rip Move, dem Swim Move oder dem Speed Rush.
Bevor der Begriff „Edge Rusher“ sich in der NFL etablierte, entsprachen bereits Spieler wie Deacon Jones in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren oder Lawrence Taylor in den 1980er-Jahren dem Typus des Edge Rushers.
Die Position des Edge Rushers zählt zu den wichtigsten in der Defensive seines Teams, vor allem auf professionellem oder halbprofessionellem Niveau wie im College Football und in der NFL. Daher zählen erfolgreiche Edge Rusher/Pass Rusher wie Micah Parsons, Aidan Hutchinson, Myles Garrett, Nick Bosa oder T. J. Watt zu den bestbezahlten Defensivspielern der NFL.