Edit Schlaffer

Jelena Iljic, Edit Schlaffer und Susanne Knasmüller (2016)

Edit Schlaffer (* 25. September 1950 in Stegersbach) ist eine österreichische Sozialwissenschaftlerin und Feministin. Die Schwerpunkte ihrer Forschung, Publikationen und Aktivitäten sind Frauen in der internationalen Politik und als handelnde Personen in Zivilgesellschaft und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Leben und Werk

Edit Schlaffers Vater war Beamter, ihre Mutter Lehrerin. Bis zum sechsten Lebensjahr wuchs sie bei ihrer Großmutter auf einem Bauernhof in Stegersbach auf.

Sie studierte Soziologie in Wien, wo sie auch promoviert wurde. An der Universität habe sie erlebt, wie konservativ die revolutionären 68er im Umgang mit Frauen waren. Als sie in den 1970er Jahren an der Akademie für Sozialarbeit in Wien unterrichtete, begann sie sich für die Frauenbewegung zu interessieren. 1981 gründete sie mit Cheryl Benard die feministische Menschenrechtsorganisation Amnesty for Women. Damit wollten sie auf die Defizite von Amnesty International hinweisen und geschlechtsspezifische Menschenrechtsverletzungen dokumentieren. Sie argumentierten, dass es Frauen in der Dritten Welt unendlich viel schlechter gehe als Frauen des Westens, und dass die Terminologie des europäischen Feminismus deren Leiden nicht erfasse.

Von 1982 bis 2005 leitete sie zusammen mit Benard die Ludwig-Boltzmann Forschungsstelle für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen in Wien.

Schlaffer und Benard schrieben eine Reihe von Büchern zu feministischen Fragestellungen in Europa, darunter 1978 die soziologische Studie über häusliche Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe. Zahlreiche Bücher, die sie mit Benard über die Geschlechterverhältnisse verfasste, beschreiben die alltäglichen Probleme im Berufs- und Privatleben von Frauen, wie in ihrem bekanntesten Rückwärts und auf Stöckelschuhen ...können Frauen soviel wie Männer von 1989.

Schlaffer ist Gründerin und Vorsitzende der internationalen Organisation Frauen ohne Grenzen (2002) mit Sitz in Wien, welche die Kommunikation zwischen westlichen und arabischen Frauen und ihre politische Führerschaft fördern will. 2008 gründete sie SAVE („Sisters Against Violent Extremism“), die erste globale Anti-Terror Plattform, die Frauen in verschiedenen Ländern zusammenführt, um sich gemeinsam gegen gewalttätigen Extremismus einzusetzen. Für ihre Studie Mothers for Change befragte sie im Auftrag des österreichischen Wissenschaftsfonds zusammen mit Ulrich Kropiunigg tausend Mütter in Nordirland, Pakistan, Israel, Palästina, Nigeria und Österreich, deren Kinder in den islamistischen Extremismus abgeglitten sind. Im Rahmen ihrer Organisation Frauen ohne Grenzen arbeitete sie jahrelang in „Mütterschulen“ mit Müttern von Dschihadisten und Selbstmordattentätern weltweit und mit Frauen, die verhindern wollen, dass ihre Söhne für den Dschihad von Organisationen wie ISIS rekrutiert werden. Edit Schlaffer vertritt die Auffassung, dass man bei den Müttern ansetzen müsse, um der Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen entgegenzuwirken. Die Präventivprojekte Mütterschulen gegen Extremismus sind in Nigeria, Indien, Pakistan und Indonesien teilweise schon seit 2012 etabliert, 2015 wurden sie in Österreich eröffnet.

Auszeichnungen

Publikationen

Gemeinsam mit Cheryl Benard:

Commons: Edit Schlaffer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Edit Schlaffer: „Fast alle Väter fühlen sich ertappt“, Die Presse, Print-Ausgabe, 14. Februar 2010
  2. ↑ Lora Wildenthal: The Language of Human Rights in West Germany, University of Pennsylvania Press 2012, ISBN 978-0-8122-4448-9, S. 152
  3. ↑ Psychotherapeut und Professor für Medizinpsychologe an der Medizinischen Universität Wien
  4. ↑ „Von den Ängsten der Jihadisten erfahren nur die Mütter“. Interview mit Edit Schlaffer. Von Nina Weißensteiner, Der Standard, 16. Dezember 2014
  5. ↑ Edit Schlaffer: Strategien gegen Dschihadisten, Oe1.ORF.at., 10. Januar 2015
  6. ↑ Mütterschulen gegen Extremismus werden in Österreich etabliert, derStandard.at, 2. März 2015
  7. ↑ Kaethe Leichter Prize Winners (Memento vom 3. März 2012 im Internet Archive).
  8. ↑ Isabella Lechner: Große Leistung in kleinen Schritten, dieStandard 18. Februar 2010
  9. ↑ The 2014 List of World's Women of Consequence (Memento vom 10. Januar 2015 im Internet Archive)
  10. ↑ Edit Schlaffer ist „Europäerin des Jahres“ auf ORF vom 22. Jänner 2018, abgerufen am 22. Jänner 2018.